Bildungscomputer A5105

[Neue Forschungsprojekte] Bildung und Computer in der DDR

Digitalgeschichte ist derzeit eines der dynamischsten Themenfelder der internationalen Technikgeschichte. Immer wieder entstehen neue, interessante Forschungsprojekte in diesem Bereich. In loser Reihenfolge wollen wir an dieser Stelle in der Kategorie „Neue Forschung“ auf neue Projekte aufmerksam machen, die sich im Themenbereich der deutschen Digitalgeschichte bewegen, aber nicht notwendiger Weise von uns sind. Den Auftakt macht das Dissertationsprojekt «Counting on Computers: New Information Technologies and Curricular Change in East Germany, 1980-1995» von Carmen Flury von der Pädagogischen Hochschule Zürich.

Auf Twitter schreibt sie:

In meinem Dissertationsprojekt untersuche ich, wie in den 1980er-Jahren auf Seite des Bildungswesens in der #DDR auf die Herausforderung neuer Computertechnologie reagiert wurde & neue Lehrplaninhalte eingeführt wurden: Welche Zukunftsvorstellungen über Bedeutung & Funktion von Computern in der sozialistischen Gesellschaft begleiteten die curriculare Reformen? Inwiefern behaupteten sich die Ideen gg. technische Zwänge, Mangelwirtschaft & internat. Wettbewerbsdruck? In den 1980ern hielten Computer zunehmend Einzug in Betriebe & Privathaushalte. Im #Systemwettstreit zwischen Sozialismus & Kapitalismus galt Computertechnologie in der DDR als entscheidendes Mittel, um bzgl. Wirtschaftskraft & Produktivität zum Westen aufzuschließen. Es entstand ein großer Bedarf nach entsprechenden Bildungsangeboten, um die Menschen für die Arbeit mit Computertechnik zu qualifizieren. Als erste Reaktion auf die neuen technischen Möglichkeiten wurde in der DDR 1985 der Taschenrechner ab Kl. 7 eingeführt, was v.a. für den #Matheunterricht einschneidende Veränderungen bedeutete. Für manche Pädagog_innen war damit der Einführung von Computertechnologie ins Bildungswesen Genüge getan. Die SED-Parteileitung hatte aber größere Pläne & sah ab 1986 neue Lehrpläne ab Kl. 9 für eine Computergrundbildung vor. Die Schüler_innen sollten algorithmisches Denken & Problemlösen sowie das Programmieren in #BASIC erlernen & ein elementares Verständnis für die Funktionen & Handhabung von Computern entwickeln. Auch im außerschulischen Bereich spielte #Computerbildung eine Rolle. Als Ergänzung zum schulischen Computerunterricht, & wo es noch keine #Schulcomputer gab, ermöglichten Freizeitzentren, Computer-AGs & -Klubs, an Mikrorechnern zu tüfteln, zu programmieren & zu spielen. Magazine wie #Kleinstrechner-TIPS & #Funkamateur, aber auch populärwissenschaftliche Jugendzeitschriften befassten sich zunehmend mit Computertechnik & boten Plattformen für den Austausch von Computerwissen, Programmen & Bauanleitungen. Eine große Schwierigkeit bestand darin, Schulen rasch & mit einer ausreichenden Zahl an geeigneten Computern auszustatten. Zu diesem Zweck wurde eigens der #Bildungscomputer #A5105 entwickelt, der den Kriterien & Ansprüchen der Pädagog_innen entsprechen sollte. Technischer Stand & knappe finanzielle Ressourcen verlangten aber nach Kompromissen: Von 7/1989 bis 4/1990 wurden ca. 5000 Stück produziert, wovon 3000 in Bildungseinrichtungen installiert wurden. Restbestände wurden angesichts der erwarteten #Wiedervereinigung mit Mühe als Konsumgut vertrieben.

Quelle: https://twitter.com/histedger/status/1368873617556180993?s=12

Bild: Bildungscomputer A5105, https://hc-ddr.hucki.net/wiki/lib/exe/detail.php/homecomputer/bic_03.jpg?id=homecomputer%3Abic

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