[CfP] Decoding Europe: Technological Pasts in the Digital Age

Digitalgeschichte boomt. Das europäische Forschung-Netzwerk „Tensions of Europe“ stellt seine kommende Konferenz unter das Motto: Decoding Europe. In einem Call for Paper ruft es zu Einreichungen auf, die sich mit technologischen Vergangenheiten im Digitalen Zeitalter auseinandersetzen. Dabei will es eine dezidiert europäische Perspektive auf die Digitalgeschichte entwickeln: Ein unterstützenswerter Ansatz. Stattfinden wird die Konferenz in Luxembourg auf dem frisch eröffneten Campus „Belval“.

Zum Call for Paper „Decoding Europe: Technological Pasts in the Digital Age“

Text: Martin Schmitt

Grafik: Tension of Europe, http://www.toe2019.org

Digitalgeschichte Mittel-/Osteuropas

Digitalgeschichte ist nicht universal, sondern immer lokal gekoppelt. Dieser technikhistorische Grundsatz zeigte sich auf faszinierender Weise auf der diesjährigen Konferenz der IFIP Working Group 9.7 „History of Computing“. Als Teil des World Computer Congress in Poznan stellte die Gruppe inspiriert vom polnischen Konferenzort die Digitalgeschichte Mittel-/Osteuropas in den Mittelpunkt. Die Vorträge boten damit eine Horizonterweiterung über das US-amerikanische Meisternarrativ hinaus, das in den letzten Jahren immer wieder kritisch hinterfragt wurde. Sie basierten in weiten Teilen auf bisher unbekanntem Material oder Informationen.

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Programm: Histories of Computing in Eastern Europe, Posen 2018

Seit heute ist das überarbeitete Programm für die Konferenz „Histories of Computing in Eastern Europe“ der  Working Group 9.7 auf dem IFIP World Congress 2018 an der Poznan University of Technology draußen: Programm HCEE 2018. Unter anderem wird unser Projektmitarbeiter Martin Schmitt einen Vortrag zum „Second life of a US army computer: The import of western information technology in GDR’s financial sector in 1965“ halten. Welche Rolle spielte Technologietransfer im Kalten Krieg für die frühe Digitalisierung? Weiterhin gibt es am Freitag die Poznan Bombe Roadshow (aka “Enigma Live”), auf der eine verschlüsselte Enigma Nachricht nach England übertragen, dort entschlüsselt und wieder zurückübertragen wird. Das Ganze wird live per Webstream übertragen.

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Von der Militärforschung zur Bankautomation

Das Blog der Heinz Nixdorf Museums Forums berichtet in seinem neusten Blogbeitrag „Helmut Gröttrup: Raketen und Halbleiter“ über den ehemaligen Raketenforscher Helmut Göttrup und dessen späteren Karriere in der Bankautomation. Gemeinsam mit Jürgen Dethloff, dessen Geschichte wiederum ein Spiegel Online Artikel zum 50. Geburtstag der Chipkarte stark macht, entwickelte er Vorformen jener Chipkarten, die heute unser Leben ständig begleiten.

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„Geniale Göttin“ – Die Geschichte von Hedy Lamarr

Mitte August startet in den deutschen Kinos ein Dokumentarfilm über die Schauspielerin Hedy Lamarr, die in den 1940er-Jahren vor allem wegen ihrer Schönheit bekannt wurde. Doch die gebürtige Österreicherin war außerdem Wissenschaftlerin und trug maßgeblich zu der Erfindung des Frequenzsprungverfahrens bei, welches die Grundlage für die drahtlose Datenübertragung bei WLAN, GPS oder Bluetooth lieferte.

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Zu Besuch bei Robotron: Exkursion zur Technischen Sammlung Dresden

Dresden war einst die Hauptstadt der DDR-Mikroelektronik. Das Kombinat Robotron, ein ostdeutsches Pendant zu Siemens, hatte in der Stadt seinen Stammsitz. Seine Mitarbeiter entwickelten und produzierten die Basis der Computerisierung Ostdeutschlands. Ein Gruppe unseres Forschungsprojektes besuchte diesen Samstag die Technische Sammlung Dresden, wo zahlreiche Exponate aus der Zeit Robotrons ausgestellt werden.

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Sammelband des Computerisierungsprojekts am ZZF erscheint zum Historikertag

Wau Holland hackt in einer Telefonzelle; Datenverarbeiter in der Sparkasse Ludwigsburg

Von deutschen Hackern bis zur Datenverarbeitung in Unternehmen reicht das Themenspektrum des neuen Sammelbandes. 

Die ausgearbeiteten Beiträge der Abschlusstagung des SAW Projekts „Aufbrüche in die digitale Gesellschaft. Computerisierung und soziale Ordnungen in der Bundesrepublik und DDR“, (30. und 31. März 2017, Potsdam), werden nun pünktlich zum nächsten Historikertag erscheinen. Die Beiträge befassen sich mit den Veränderungen durch die Etablierung der Computer, die seit den 1950er-Jahren zu massiven gesellschaftlichen Umwälzungen führten, jedoch in der Zeitgeschichtsforschung wenig beachtet wurden. Die Geschichte der Sicherheitspolitik, des Wohlfahrtsstaats und des Kreditwesens, der sich wandelnden Arbeitswelt, der Organisationstrukturen sowie die Geschichte der Subkulturen werden durch die Einbeziehung der Computertechnologie neu analysiert. Die technischen und gesellschaftlichen Wandlungsprozesse verliefen dabei selten gradlinig, wie die Beiträge, die sich vornehmlich mit der Bundesrepublik befassen, verdeutlichen.

Frank Bösch (Hg.): Wege in die digitale Gesellschaft. Computernutzung in der Bundesrepublik 1955-1990.
Ca. 320 Seite und ca. 12 Abb., geb., Schutzumschlag
ISBN: 978-3-8353-3290-4

https://www.wallstein-verlag.de/9783835332904-wege-in-die-digitale-gesellschaft.html

Aufsatz zu jugendlichen Computernutzern in den 1980er-Jahren erschienen

Der Sammelband zum Workshop „Let’s historize it! Jugendmedien im 19. Und 20. Jahrhundert“, der im September 2016 vom Lehrstuhl für Kultur- und Mediengeschichte in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Europäische Zeitgeschichte in Saarbrücken ausgerichtet wurde, ist nun erschienen. Neun Fallbeispiele zeigen hierin unter anderem für das 20. Jahrhundert auf, was unter Jugendmedien zu verstehen ist, welche Funktion diese hatten und wie anhand jugendliche Mediennutzer gesellschaftliche Gefüge verhandelt wurden.
Julia Erdogan hatte beim Workshop in Saarbrücken zu der Aneignung der Heimcomputer durch jugendliche Nutzer vorgetragen. Daraus ist der Aufsatz „Computerkids, Freaks, Hacker: Deutsche Hackerkulturen in internationaler Perspektive“ entstanden. Der Beitrag verfolgt dabei wie sich Jugendliche in der Bundesrepublik und in der DDR in den 1980er-Jahren im Spannungsfeld von Rationalisierungsdiskursen, Massenkonsum und gesellschaftlicher Transformationsprozesse der Computertechnologie für eigensinnige Praktiken bedienten. Vergleiche über die beiden Teilstaaten hinausgehend verdeutlichen ferner das internationale Phänomen der Hacker und die verschiedenen Handlungsspielräume, wie auch Gemeinsamkeiten, dieser Computersubkulturen.

Clemens Zimmermann / Aline Maldener (Hg.): Let’s historize it! Jugendmedien im 20. Jahrhundert, Vandenhoeck & Ruprecht, Wien, Köln, Weimar 2018. Softcover, 329 Seiten. ISBN 978-3-412-50893-7, 35,00€.

Leseproben unter https://www.vr-elibrary.de/isbn/9783412508937

„Manhattan“ der DDR-Rechentechnik – eine Exkursion in das Rechenwerk Halle

Nur wenigen ist dieses Kleinod unter den Computermuseen bekannt, das „Rechenwerk“ in Halle (Saale). In einer kleinen Industriehalle im östlichen Gewerbegebiet haben eine Handvoll Enthusiasten eine Sammlung von DDR-Rechentechnik aufgebaut, die ihresgleichen sucht. Von frühen Buchungsmaschinen aus der Zeit der Weimarer Republik über Heimcomputer in Hobbyproduktion bis hin zu Industrieroboterarmen von Robotron oder dem angeblich zweitschnellsten Großrechner der DDR beeindruckt die Sammlung allein schon durch ihre schiere Masse. Das Tollste dabei: Fast alle Artefakte lassen sich einschalten. Gemeinsam mit der GI-Fachgruppe „Informatik- und Computergeschichte“ unternahmen wir Anfang März eine Exkursion in die ambivalente Computergeschichte der ehemaligen DDR (von Martin Schmitt)

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