Digitalgeschichte – .computerisierung https://www.computerisierung.com Mon, 14 Mar 2022 14:28:24 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Ein Digitales Zeitalter? Über Digitalität, historische Periodisierung und den 1.1.1970 https://www.computerisierung.com/?p=1329 https://www.computerisierung.com/?p=1329#respond Mon, 14 Mar 2022 14:27:23 +0000 https://www.computerisierung.com/?p=1329 In der letzten Dekade kam ein frischer Wind in die zeithistorische Periodisierungsdebatte. Während sich die historische Zunft noch auf kein Enddatum eines 20. Jahrhunderts einigen konnte, beispielsweise auf ein „kurzes 20. Jahrhundert“ mit dem Ende des Ostblocks 1989-1991, fordern zwei Zäsuren das Jahrhundertdenken an sich heraus: Das Anthropozän (um 1950) und der Strukturbruch (um 1970). Beim Anthropozän wird argumentiert, dass sich eine neue erdgeschichtliche Epoche mit dem Menschen als dominantem Faktor ausmachen lässt, der gleichzeitig den negativen Konsequenzen seines eigenen Handelns unterworfen ist (Trischler/Will 2019). Auch naturwissenschaftliche Beiträge treiben die Diskussion an. In der Debatte um den Strukturbruch argumentierten Anselm Doering-Manteuffel und Lutz Raphael (2008, 2014), dass sich Anfang der 1970er-Jahre in den westlichen Industriestaaten ökonomische, soziale und politische Entwicklungen bündelten, was zum Ende der Ordnung des Nachkriegsbooms führte. Seitdem wurde ihr Befund vielfach problematisiert und differenziert. In der gesamten nachfolgenden Debatte ging dabei zumeist unter, dass beide Zäsuren fundamental mit informationstechnologischem Wandel in Verbindung standen. Diesem Wandel habe ich in meinem Vortrag an der HU Berlin im Forschungskolloquium Digital History nachgespürt und dabei Ergebnisse unsere Projektes und meiner Dissertation vorgestellt. Mein Kernargument ist, dass sich in der Zeit um 1970 zahlreiche digitalhistorische Entwicklungslinien verdichteten, sodass sich fortan von einem „Digitalen Zeitalter“ sprechen lässt.

Zum Abstract und zur Aufzeichnung des Vortrags „Ein Digitales Zeitalter?“ an der HU-Berlin, Forschungskolloquium der Professur für Digital History

Bildrechte: Deutscher Sparkassen- und Giroverband (DSGV), 1963

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Weizenbaum Studienpreis 2021 (3. Preis) für Martin Schmitt https://www.computerisierung.com/?p=1302 https://www.computerisierung.com/?p=1302#respond Sat, 13 Nov 2021 18:07:40 +0000 https://www.computerisierung.com/?p=1302 Martin Schmitt (TU Darmstadt & ZZF Potsdam) erhält den Weizenbaum Studienpreis 2021 des Forums der InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung e.V. (3. Platz). Ausgezeichnet wird seine Dissertation „Die Digitalisierung der Kreditwirtschaft. Computereinsatz in den Sparkassen der Bundesrepublik und der DDR, 1957-1991“. 

Die Jury hob vor allem die kritische Perspektive Martin Schmitts auf die Geschichte der Digitalisierung hervor, welche die Arbeit besonders auszeichne. Laudator Rainer Rehak fasste zusammen, wie Martin Schmitt in großer Länge die ambivalente Entwicklung der Digitalisierung der Kreditwirtschaft nachzeichnete. Die Länge der Arbeit halte dabei nicht vom Lesen ab, so Reha stellvertretend für die prominent besetzte Jury, sondern erlaube durch das intensive Quellenstudium und die Berücksichtigung auch internationaler Entwicklungen einen tiefgehenden und umfassenden, gut lesbaren Überblick über eine Prozess, der bis in die informationstechnische Gegenwart reiche.

Logo des Weizenbaum Studienpreises mit Darstellung von Joseph Weizenbaum
Weizenbaum Studienpreis des FIfF

Das FIfF stiftet den Weizenbaum-Studienpreis in Erinnerung an den Wissenschaftler und Informatik-Pionier Professor Dr. Joseph Weizenbaum in Würdigung seiner Verdienste um einen kritischen Blick auf die Informatik. Joseph Weizenbaum war an der Gründung des FIfF maßgeblich beteiligt, wirkte lange Zeit im Vorstand mit und trug durch seine wissenschaftlichen Leistungen und seine anti-militaristische und friedensorientierte Haltung zu den Zielen des FIfF bei.

Mit der Vergabe des Preises möchte das FIfF auch die Bedeutung der Informatik für die gesellschaftliche Entwicklung betonen und auf die kritische, öffentliche Auseinandersetzung mit den Erkenntnissen und Artefakten der Informatik dringen. Mit dem Weizenbaum-Studienpreis würdigt das FIfF herausragende Leistungen des wissenschaftlichen Nachwuchses in diesem Bereich und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf das Thema sowie die besonderen Leistungen des Autors bzw. der Autorin lenken.

Das Forum InformatikerInnen für den Frieden und gesellschaftliche Verantwortung e.V. (FIfF) „wurde 1984 – also vor mehr als 30 Jahren – aus einer historischen Situation heraus gegründet, als es galt, das Schweigen einer Zunft zu brechen, die so maßgeblich an der Entwicklung automatisierter und informatisierter Kriegsführung beteiligt war. Die Gründungsmitglieder leisteten dem NATO-Doppelbeschluss offen Widerstand, sie wollten die Informations- und Kommunikationstechnologie vor allem als Mittel der Völkerverständigung genutzt wissen.“ Kurz: Das FIfF setzt sich dafür ein, dass Informationstechnik im Dienst einer lebenswerten Welt steht.

Martin Schmitt erhält Weizenbaum Studienpreis 2021 (3. Platz); Laudator Rainer Rehak
PreisträgerInTitel der Arbeit und LinkHochschule
1Hendrik HeuerUsers & Machine Learning-Based Curation SystemsUniversität Bremen
 2Helene HahnDigital identification systems and the right to privacy in the asylum contextLeuphana Universität Lüneburg
3Silke MeiserTrust me! Vorschlag zum Umgang mit der Vertrauensfrage im digitalen ZeitalterCarl von Ossietzky Universität Oldenburg
3Martin SchmittDie Digitalisierung der KreditwirtschaftUniversität Potsdam
Die vier PreisträgerInnen mit Link auf die Arbeiten. Quelle: FIfF

Text: Martin Schmitt / FIfF
Fotos: Martin Schmitt / FIfF

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„In the GDR, it was not well seen to play RAMBO“ https://www.computerisierung.com/?p=1298 https://www.computerisierung.com/?p=1298#respond Mon, 23 Aug 2021 12:13:14 +0000 https://www.computerisierung.com/?p=1298 Computerspiele in der DDR waren immer politisch. Von der Stasi kritisch beäugt boten sie den Jugendlichen eine Flucht aus dem grauen Alltag und eine spielerische Form sozialen Austauschs. Für den Staat boten sie hingegen die Möglichkeit, die Jugendlichen für die Hochtechnologie zu begeistern und somit zur Zukunft des Sozialismus im Digitalen beizutragen.  Als Medien der Alltagskultur erlauben Computerspiele HistorikerInnen einen Einblick in die Vergangenheit des sozialistischen Staates. Martin Schmitt sprach darüber im französischen Spartenkanal gTV. Neben zahlreichen Zeitzeugen und bisher unveröffentlichten Originalaufnahmen aus der Zeit ordnet er die Geschichte der Computerspiele in die breitere Geschichte des Spätsozialismus in der DDR ein. Einfach auf PLAY drücken!

Text: Martin Schmitt
Bild: gTV

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Neu erschienen: „Avantgarde der Computernutzung“ https://www.computerisierung.com/?p=1265 https://www.computerisierung.com/?p=1265#respond Wed, 10 Mar 2021 17:23:27 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=1265 Cover des Buchs "Avantgarde der Computernutzung"

Hackerkulturen der Bundesrepublik und der DDR. Vor wenigen Tagen erschien die Publikation unserer Projektmitarbeiterin Julia Erdogan. Seit den späten 1970er-Jahren entwickelten sich Hacker und Haecksen zu eigensinnigen Computer-Nutzer*innen mit einschlägigem Wissen. Sie eigneten sich das Medium spielerisch an, schufen Kontakträume und brachten sich aktiv in den Prozess der Computerisierung ein. Julia Erdogan skizziert in ihrem neuen Buch, wie die teils subversiven Praktiken Machtgefüge in beiden deutschen Staaten herausforderten.

Aus dem Klappentext:

Die schillernden Vorreiter des Informationszeitalters: Hacker im Spiegel der deutsch-deutschen Zeit- und Technikgeschichte.

Hacker und Haecksen zählen zur Avantgarde der Computerisierung. Seit den späten 1970er-Jahren bildeten sie sich in der Bundesrepublik und in der DDR zu eigensinnigen ComputernutzerInnen mit einschlägigem Wissen heraus. Sie eigneten sich das Medium spielerisch an, schufen Kontakträume und brachten sich so aktiv in den Prozess der Computerisierung ein. Durch ihre Grenzüberschreitungen zeigten sie dabei Chancen und Risiken der Digitalisierung auf.
Julia Gül Erdogan geht der Entstehung der Hackerkulturen in Ost- und Westdeutschland nach. Sie analysiert, wie deren teils subversive Praktiken Machtgefüge in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft herausforderten. Zugleich verdeutlicht die Arbeit Gemeinsamkeiten und Unterschiede der frühen sub- und gegenkulturellen Computernutzung in den beiden deutschen Teilstaaten.

Das Promotionsprojekt entstand am ZZF in der Forschungsgruppe »Aufbrüche in die digitale Gesellschaft. Computerisierung und soziale Ordnungen in der Bundesrepublik und der DDR«. Die Buchveröffentlichung ist zugleich die Promotionsschrift Julia Erdogans. Wir gratulieren herzlich zur Publikation!

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„Politische und kulturelle Einflüsse auf die Geschichte der Digitalisierung im Ostblock“ – ein Interview mit Dr. Martin Schmitt auf der B3 Biennale 2020 https://www.computerisierung.com/?p=1248 https://www.computerisierung.com/?p=1248#respond Sat, 17 Oct 2020 13:41:46 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=1248 Computerspiele verbreiteten sich in den 1980er-Jahren auch im Ostblock rasant. Sie wurden zu einem Medium der Selbstverwirklichung und Freiheit in den strikten sozialistischen Regimen. Was aber war der breitere historische Kontext dieser Entwicklung? Dr. Martin Schmitt geht in seinem Interview auf der B3 Biennale des Bewegten Bildes in Frankfurt den politischen und kulturellen Einflüssen nach, die auf die Computerspielentwicklung und die breitere Digitalgeschichte des Ostblocks wirkten. Das Interview war Teil einer Reihe von Interviews zu Computerspielen hinter dem Eisernen Vorhang.

Die B3 Biennale versteht sich als „genre- und länderübergreifenden Diskurs über Trends und Entwicklungen des bewegten Bildes in den Themenfeldern Film, Kunst, Games und XR/VR. Nationale und internationale Künstler und Medienschaffende melden sich zur Zukunft des Geschichtenerzählens im digitalen Zeitalter zu Wort“, wie es in der Selbstbeschreibung heißt. Seit 2013 findet sie statt, dieses Jahr zum ersten Mal online und kostenlos.

In einer gemeinsamen Talkreihe analysierten im Rahmen der B3 Biennale HistorikerInnen, JournalistInnen und Medienschaffende die Hintergründe von Computerspielen hinter dem Eisernen Vorhang:

„30 Jahre nach der Wiedervereinigung schaut eine Talk-Reihe zurück, wie im Ostblock der achtziger Jahre hinter dem eisernen Vorhang gespielt wird und wie Spiele entwickelt wurden. Sie befragt Volker Strübing, der mit einem Dokumentarfilm über die Heimcomputer-Szene in der DDR seine Jugend aufarbeitet, Jaroslav Švelch, dessen Buch „Gaming the Iron Curtain“ über die achtziger Jahre in der Tschechoslowakei berichtet, Szilárd Matusik, der einen Film über die Entwicklung von Computerspielen im Verborgenen im kommunistischen Ungarn für den internationalen Markt veröffentlicht, und die Technik-Journalistin Andrada Fiscutean über Heimcomputer und Spiele in Rumänien. Am Ende fasst Martin Schmitt, der als Wissenschaftler seit Jahren zur Computisierung in der BRD und der DDR forscht, die Unterschiede zwischen West und Ost noch einmal zusammen.“

Die Beiträge können auf YouTube oder Vimeo nachgesehen werden:

B3 Biennale 2020 Live // Games: Gaming the Iron Curtain. Conversation with Jaroslav Svelch
B3 Biennale 2020 Live. Games: Homecomputer in the GDR. Conversation with Volker Strübing
B3 Biennale 2020 Live // Games. Clone Computer in Romania. Conversation with Andrada Fiscutean
B3 Biennale 2020 Live // Games. The underground gaming scene in Hungary. With Szilárd Matusik
B3 Biennale 2020 Live // Games. Political and cultural influence of the Eastern Block computing. With Dr. Martin Schmitt
Bild: B3 Biennale des Bewegten Bilds; YouTube
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Die Geschichte des Potsdamer Rechenzentrums: Sozialistische Computernutzung und die Digitalisierung in Ostdeutschland https://www.computerisierung.com/?p=1228 https://www.computerisierung.com/?p=1228#respond Fri, 26 Jun 2020 16:35:54 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=1228 Auf welcher Nutzungsidee basierte der Bau des einst „Datenverarbeitungszentrums“ genannten Baus? Welche technologischen und gesellschaftlichen Konzpete lagen diesem zu Grunde? Martin Schmitt wirft in seinem Beitrag einen technikhistorischen Blick auf den politisierten Ort: „Die Geschichte des Potsdamer Rechenzentrums: Sozialistische Computernutzung und die Digitalisierung in Ostdeutschland“ auf lernort-garnisonkirche.de/?p=456

 

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Digitalgeschichte trifft Kunst https://www.computerisierung.com/?p=1222 https://www.computerisierung.com/?p=1222#comments Tue, 16 Jun 2020 17:10:43 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=1222 Wie kann ein Dialog von Digitalgeschichte und Kunst aussehen? In ihrem interdisziplinären Gespräch gingen der Potsdamer Künstler Rudi Fischer und Martin Schmitt von der TU-Darmstadt / ZZF Potsdam grundlegenden Themen des Digitalen Zeitalters aus unterschiedlichen Perspektiven auf den Grund. Sie sprachen am historischen Ort des ehemaligen Datenverarbeitungszentrums Potsdam über die Diskurse der Digitalisierung, von der Ersetzung des Menschen, über die Überwachung und die Arbeit im Finanzmarktkapitalismus bis hin zu Filterblasen und Informationsströmen. Anlass des Gespräches war die aktuellen Ausstellung „Zeichen der Zeit“ im Kunst- und Kreativhaus Rechenzentrum, Potsdam. Im Gespräch entstanden neue Blickwinkel und überraschende Erkenntnisse, beispielsweise zur materiellen Standardisierung des Digitalen.

Text: Martin Schmitt
Video: Rudi Fischer, Container Art Care

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Geschichte der Digitalisierung in Afrika – die Anfänge https://www.computerisierung.com/?p=1215 https://www.computerisierung.com/?p=1215#respond Thu, 21 May 2020 12:58:54 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=1215 Ein Großteil der Studien in der Digitalgeschichte widmen sich den Industriestaaten. Bereits zu den ehemaligen sozialistischen Staaten gibt es deutlich weniger Forschung. Staaten des globalen Südens fallen dabei mit einigen bekannten Ausnahmen unter das Radar. Die Unterrepräsentation solcher Staaten unterstützt das Bild von Afrika oder Lateinamerika als rückständig. In einem Blogbeitrag gibt nun ein ehemaliger Mitarbeiter der britischen ICT Einblicke in den faszinierenden Beginn der Digitalisierung auf dem afrikanischen Kontinent.

Die ersten Computer in Afrika finden sich im nördlichen Teil des Kontinents, genauer in Marokko und Algerien. Dort schafften in den späten 1950er-Jahren Forschungsinstitute IBM-Computer an. Besonders faszinierend ist aber die Digitalgeschichte Kenias, wie der ehemalige ICT-Mitarbeiter Jitze Couperus in seinem Blog berichtet. Couperus arbeitete als Techniker für die britische International Computers and Tabulators (ICT), als dort 1960 die ersten Computer an die staatliche Bahngesellschaft geliefert wurden. Es handelte sich dabei um HEC 1200, ein Röhrenrechner mit Trommelspeicher, der für die Lohnabrechnung und andere Verwaltungsaufgaben eingesetzt wurde. Die praktischen Probleme, die sich beim Computereinsatz im deutlich raueren afrikanischen Klima ergaben, geben einen guten Einblick in die Herausforderungen früher Digitalisierungsprojekte. Neben durchgebrannten Röhren berichtet Couperus:

A related problem was that “starting” the machine in the morning required a huge surge in electrical power. Valves (like ordinary light bulbs with filaments) require an initial surge to heat up the filament – much more than is required to sustain it once it is already “lit”. This meant that the machine could not be switched on in the morning until we got the OK from the bakery up the road confirming that they had switched off their ovens. (Couperus 2016: The First Computers in East Africa)

Von ganz ähnlichen Probleme berichteten Zeitzeugen in sozialistischen wie kapitalistischen Staaten in der Anfangszeit der Digitalisierung, beispielsweise im Rechenzentrum der Staatsbank der DDR. Zeitzeugenberichte wie der Couperus helfen dabei, einen neuen, globaleren Blick auf die Digitalgeschichte zu werfen. In Tagungen und Projekten arbeiten zahlreiche HistorikerInnen bereits daran, diese Lücke zu füllen. So haben beispielsweise Paul Edwards und Gabriele Hecht bereits 2010 über die Digitalisierung in Südafrika geschrieben. Zur Frage der Digitalisierung, Apartheid und Hacking in Südafrika hat ebenfalls die kanadische Medienwissenschaftlerin Sophie Toupin einen lesenswerten Beitrag geschrieben.

Text: Martin Schmitt
Foto: Zeitzeuge Jitze Couperus um 1965 an der ICT 1500. (Foto Jitze Couperus CC BY 2.0) via HNF.

Literaturangaben:

  • Sophie Toupin: „Hacking Apartheid. Revolutionary Communication and the South African National Liberation Movement“, in: Bory, Paolo, Gianluigi Negro und Gabriele Balbi (Hrsg.): Computer Networks Histories: Hidden Streams from the Internet Past, Zürich: Chronos 2019 (Geschichte und Informatik, Band 21 (2019)), S. 49–63.
  • Paul Edwards, Gabriele Hecht: „History and the Technopolitics of Identity: The Case of Apartheid South Africa“, in: Journal of Southern African Studies 36/3 (2010), S. 619–639.
  • Couperus, Jitze: „The First Computers in East Africa – and What Became of Them“ 2015, https://owaahh.com/the-first-computers-in-east-africa-and-what-became-of-them.
  • HNF: „Ein Computer in Kenia“ 2020, https://blog.hnf.de/ein-computer-in-kenia/.
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Martin Schmitt schließt erfolgreich seine Dissertation zur „Digitalisierung der Kreditwirtschaft“ ab https://www.computerisierung.com/?p=1153 https://www.computerisierung.com/?p=1153#respond Tue, 17 Mar 2020 16:22:46 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=1153 Martin Schmitt hat am 16. März 2020 erfolgreich seine Dissertation „Die Digitalisierung der Kreditwirtschaft. Computereinsatz in den Sparkassen der Bundesrepublik und DDR, 1957-1991“ an der Universität Potsdam mit magna cum laude verteidigt. Die Betreuer_innen der Arbeit, Prof. Dr. Frank Bösch (ZZF Potsdam) und Martina Heßler (TU Darmstadt) hoben in ihren Gutachten die Pionierarbeit hervor, die Schmitt für die Erforschung der Geschichte der Digitalisierung in der deutschen Wirtschaft mit großer Akribie geleistet hat. Als Endnote bewerteten sie die Dissertation mit einem guten magna cum laude.

Martin Schmitt gelang es in seiner Dissertation, am Beispiel der Banken und Sparkassen den Verlauf breiterer Digitalisierungsprozesse in der deutschen Wirtschaft seit Mitte der 1950er-Jahre bis zur Wiedervereinigung aufzuzeigen. Er analysierte, warum Sparkassen in beiden deutschen Staaten Computer einsetzten und welche Veränderungen sich in Wechselwirkung von Computertechnik mit dem Bankbetrieb für Mitarbeiter_innen wie Kund_innen ergaben. Während Kreditinstitute anfangs noch mit dem Computereinsatz experimentierten, wurde er seit den 1970er-Jahren für sie unverzichtbar. Einen besonderen Wert legte Martin Schmitt auf Betrachtung von Software als neue Quellegattung, in der Programmierer_innen die Betriebsprozesse der Sparkassen abbildeten. In seiner vergleichend angelegten Studie zeigte Schmitt zudem auf, wie sich die Digitalisierungsprozesse in einem sozialistisch-planwirtschaftlichen und marktwirtschaftlich-kapitalistischen System unterschieden. In beiden deutschen Staaten war die Digitalisierung der Kreditwirtschaft keine lineare Erfolgsgeschichte, veränderte die Institute aber von Grund auf.

Während der Arbeit am Dissertationsprojekt war Martin Schmitt als Doktorand am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam in Abteilung II, „Geschichte des Wirtschaftens“, sowie an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg und der Technischen Universität Darmstadt als Wissenschaftlicher Mitarbeiter angestellt. Seine Dissertation ist eines von vier Teilprojekten des von ZZF-Direktor Frank Bösch geleiteten Projekts „Aufbrüche in die digitale Gesellschaft. Computerisierung und soziale Ordnungen in der Bundesrepublik und DDR“, das im Rahmen des „Leibniz-Wettbewerb“ in der Förderlinie „innovative Vorhaben“ eingeworben und 2014-2017 von der Leibniz-Gemeinschaft finanziert wurde.

Text und Bild: Martin Schmitt

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Neu erschienen: Histories of Computing in Eastern Europe https://www.computerisierung.com/?p=1134 https://www.computerisierung.com/?p=1134#respond Tue, 17 Sep 2019 11:58:37 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=1134
Cover of the edited volume "Histories of Computing in Eastern Europe"

Leslie, Christopher und Martin Schmitt (eds.): Histories of Computing in Eastern Europe, Cham 2019.

Wie lässt sich eine Digitalgeschichte Mittel-Ost-Europas schreiben? Bisherige Darstellungen zum digitalen Wandel in der Zeitgeschichte konzentrierten sich stark auf westliche Industriestaaten und Japan. Auf einer internationalen Konferenz 2018 in Poznan fragte die Working Group 9.7 der International Federation of Information Processing nach den „Histories of Computing in Eastern Europe“. Heute erschien der von Christopher Leslie und Martin Schmitt gemeinsam herausgegebene Sammelband, der eine Auswahl der besten Paper präsentiert.

Aus dem Buchrücken:

This book constitutes the refereed post-conference proceedings of the IFIP WG 9.7 International Workshop on the History of Computing, HC 2018, Held at the 24th IFIP World Computer Congress, WCC 2018, in Poznań, Poland, in September 2018.

The 16 revised full papers were carefully reviewed and selected from 20 submissions. They reflect academic approaches to history along with the expertise of museum and other public history professionals as well as the experience of computing

and information science practitioners. The papers are organized in the following sections: Eastern Europe, Poland, Soviet Union, CoCom and Comecon; analog computing, and public history.
Leslie, Christopher und Martin Schmitt(Hrsg.): Histories of Computing in Eastern Europe: IFIP WG 9.7 International Workshop on the History of Computing, HC 2018, Held at the 24th IFIP World Computer Congress, WCC 2018, Poznań, Poland, September 19–21, 2018, Revised Selected Papers, Cham: Springer International Publishing 2019 (IFIP Advances in Information and Communication Technology 549), https://www.springer.com/978-3-030-29159-4
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