Museum – .computerisierung https://www.computerisierung.com Fri, 28 Dec 2018 22:06:07 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 The Influencing Machine https://www.computerisierung.com/?p=1070 https://www.computerisierung.com/?p=1070#respond Fri, 28 Dec 2018 22:06:05 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=1070 Die digitale Beeinflussung des Menschen erfolgt subtil. Sie ist abstrakt, lautlos und oft schwer nachzuvollziehen. Eine Ausstellung in der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK) in Berlin versucht, dieser Abstraktion beizukommen. Dabei findet sie selten die notwendige neue Sprache, sondern verharrt allzu oft in bekannten Topoi. Eine Ausstellungsbesprechung von Martin Schmitt auf Zeitgeschichte-Online.

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Zu Besuch bei Robotron: Exkursion zur Technischen Sammlung Dresden https://www.computerisierung.com/?p=906 https://www.computerisierung.com/?p=906#respond Sun, 29 Jul 2018 10:48:05 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=906 Dresden war einst die Hauptstadt der DDR-Mikroelektronik. Das Kombinat Robotron, ein ostdeutsches Pendant zu Siemens, hatte in der Stadt seinen Stammsitz. Seine Mitarbeiter entwickelten und produzierten die Basis der Computerisierung Ostdeutschlands. Ein Gruppe unseres Forschungsprojektes besuchte diesen Samstag die Technische Sammlung Dresden, wo zahlreiche Exponate aus der Zeit Robotrons ausgestellt werden.

Die stadtgeschichtliche Bedeutung der Mikroelektronik in Dresden springt einen an, noch bevor man die eigentliche Sammlung betritt. Unweigerlich kreuzt der Besucher das ehemalige Robotron-Gelände gegenüber des Rathauses. Hier residierte einst die EDV in der Stadtmitte. In der Technischen Sammlung angekommen begrüßte uns Thomas Falk, Vorsitzender des Fördervereins der seit 1992 im ehemaligen VEB Pentacon angesiedelten Museums. Bereits im Vorraum der Sammlung befindet sich eine kleine Sonderausstellung zu Dresden als Standort der Halbleiter- und Mikrochipproduktion bis heute. Es ist ein wenig wie seinerzeit in der Strategie IBMs: Der Primat des Prozessors steht an vorderster Stelle. Neben den kleinen Chips, die in den Vitrinen wie kostbare Juwelen präsentiert werden, erfährt der Besucher aus zeitgenössischen Dokumentation mehr über den komplexen Prozess der Mikrochipherstellung. Neben dem 1 MB Chip der DDR prangt stolz ein Quellendokument Siemens, das angesichts der Verschlossenheit des Münchner Konzerns aus dem Robotron-Bestand stammen muss: Der Chip erfülle die hohen Qualitätskriterien Siemens und löse bei seinen Mitarbeitern großes Interesse aus, berichtete der Leiter des Siemens Testlabors im April 1990 wohlwollend. Nur würde der Chip sehr einem Toshiba-Fabrikat ähneln, was nun weiter überprüft wurde. Dabei ist diese oft belächelte Fall der Industriespionage gar nicht der zentrale Punkt. Vielmehr gelang es den DDR-Technikern, das hochkomplexe Verfahren zu meistern, die Chips überhaupt in einer ausreichenden Qualität industriell zu fertigen. Dabei bedurfte es nicht nur hunderten Schritte feinster Präzision, sondern auch eines aufwendigen Equipments, gut ausgebildeten Leuten, einem langen Vorlauf, den Rohstoffen und dem Fertigungswissen, um aus einer Kopie einen Chip zu machen. Das Gefühl zieht sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung: Welch ein großindustrieller Aufwand es für ein kleines Land wie die DDR gewesen sein muss, abseits des Weltmarktes sein eigenes Digitales Zeitalter aus dem Boden zu stampfen.

 

Das beginnt schon bei dem ersten Exponat der Sammlung, dem Zeiss Rechenautomaten 1 (ZRA 1). Es ist nicht die biedere Fertigungsform des noch „Automaten“ genannten Computers, der platziert auf einem Holzschreibtisch eher wie eine zu groß geratene Büromaschine wirkt. Es ist vielmehr das Begleitvideo aus dem Herstellungsprozess der Maschine, das einem den Aufbruch in das Digitale Zeitalter mit seiner ganzen Dynamik vor Augen führt. Flinke Frauenhänden löteten Schaltungen zusammen, geniale Männerköpfe ersannen die Software, welche die Maschinen erst nützlich machten. Das auf den ersten Blick klischeehafte Geschlechterverhältnis löst sich auf in dem Stolz in den Augen der Frauen, die ihre Gesundheit ruinieren mochten, aber an der Zukunft arbeiteten: „diese Frauen waren Friseurinnen, Hausfrauen, Schneiderinnen, ehe sie ihren neuen Beruf im Zeiss-Rechenautomatenbau in Saalfeld erlernten – einem neuen Industriezweig“. Damit unterschied sich der sozialpolitische Anspruch in der DDR nicht von dem in Westdeutschland, wo sich bei der Zuse KG dieselben Sätze finden lassen. Überragt wird das sorgsame angeordnete technische Ensemble von dem Endpunkt der Sammlung, der zur hochaktuellen Frage des Energieverbrauchs des Digitalen Zeitalters überleitet: Das Netzteil der ZRA 1 ist größer als mancher Großrechner in der Folgezeit. Es ist ein Produkt europäischer Industriekultur. Digitalisierung war nicht das Gegenteil der Industrialisierung. Digitalisierung beruhte maßgeblich Industrialisierung. So trug der ZRA 1 als Passagepunkt zur Digitalisierung noch einen Kippschalter, mit dem sich notfalls noch von „Maschine“ auf „Hand“ umstellen ließ.

  • Der ZRA 1 als Industriekultur

Die Technische Sammlung Dresden, die schon seit 1966 besteht, verfolgt dabei naturgemäß ein anderes Konzept, wie es beispielsweise Hands-on Museen in Paderborn oder Sammlungen wie in Halle hochhalten. Der Dresdner Schwerpunkt liegt auf dem Erhalten und Bewahren des Artefaktes im Zustand nach dem Ende seiner Nutzung – nicht auf einer Nutzung durch den Besucher, nicht auf einer funktionalen Performanz. Dementsprechend distanzieren sich die Rechner vom Besucher, sprechen in einer anderen Sprache zu ihm, in der des Objektes. Die Sammlung läuft in der Sprache des ZRA 1 noch im Modus „Maschine“, nicht im Modus „Hand“. Vor allem die räumliche Weitläufigkeit beeindruckt, die der wunderschöne Industriebau ermöglicht. Die Sammlung wirkt nicht so überfrachtet, sondern erlaubt dem Besucher eine Konzentration.

Dabei spielen die Kuratoren, unter Ihnen Dr. Ralf Pulla, mit dem Raum. Nach Lehrrechnern des DDR-Informatikpioniers Nikolaus Lehmanns und einem vergleichenden Blick in die Bundesrepublik mit dem User Rechner Z22 stellt sich der PLR 1 wie eine Wand vor den Besucher. Mit seinen hunderten Röhren in wuchtigen Eisenschränken versperrte er nicht nur in der Sammlung den Weg zu den nachfolgenden Robotron-Computern. Der nur als Prototyp gebaute Lochkarten-Rechner band auch so manche Ressource. Dahinter eröffnet sich das Ensemble, das als das Herzstück der Ausstellung gelten kann: Die Elektronische Datenverarbeitungsanlage Robotron 300. Dieser insgesamt über dreihundert Mal hergestellte Computer mittlerer Leistungsfähigkeit galt als der ganze Stolz der DDR. Er kam vor allem in Wirtschaftsbetrieben zum Einsatz, aber auch bei der Staatlichen Verwaltung oder dem Militär. Die in Dresden gezeigte Anlage inklusive der grauen Schränke mit Stromversorgung, Speicher, Magnetbandeinheiten, Drucker und Lochkarten-Lese-und-Stanzeinheit stammt aus den VEB Rafena-Werken Radeberg von 1967. Die Technische Sammlung Dresden zeigt ihn in einem begehbaren Ensemble, der dem Besucher eine Vorstellung seiner räumlichen Anordnung in einem Betrieb gibt. So wird Digitalgeschichte erfahrbar.

Von seiner Nutzung zeugen die abgeriebenen Tasten und rostigen Ecken auf der vormals glänzenden Paneele. Der Notabschaltknopf prangte markant rot in der Mitte. Scheinbar traute die Datenverarbeiter der Verlässlichkeit der teuren Technik doch noch nicht ganz über den Weg. Die Schränke sind gefüllt mit gelöteten Transistoren auf Steckkarten, die sich aneinanderreihen. Ein Robotron 300 computerisierte nicht nur die Wirtschaft. Er war auch ihr Produkt, ein Produkt hochtechnologischer Industriefertigung. Stolz prangt der Schriftzug „Made in DDR“ in schönstem Denglisch, selbst wenn seinerzeit noch die Inspiration und viele Teile aus dem Westen importiert werden mussten. Positiv gewendet nutzten die Techniker die Bedingungen einer sich langsam europäisierenden und globalisiernden Wirtschaft, um deren Produkten einen eigenen Touch zu geben.

Diesen eigenen Stil trägt auch das Zeiss Magnetband Gerät ZMB 30, ein herausragendes Exemplar des hochwertigen Industriedesigns der DDR. Die Magnetbänder waren die Voraussetzung für den Computereinsatz in der Wirtschaft, ließen sich auf ihnen doch große Datenmengen speichern, schnell schreiben und lesen und sie waren sogar mobil! Manch westliches Magnetbandgerät sah allerdings vielmehr wie die Mischung aus Blitzer und Verteilerkasten. Dagegen hebt sich das ZMB30 deutlich ab. Wie ein gespannter Bogen sieht sie aus, dazu bereit, das Industriezeitalter in die Digitale Moderne zu schießen – ohne dass ihr ein archaisches, kraftvolles Moment abgeht. Wie bei einem Bogen muss der Bediener das Magnetband um eine Reihe von Spulen fädeln, mit denen sich die großen Beschleunigungs- und Bremskräfte regulieren und sich das Band stets gespannt halten ließ. Diese Geräte waren es, welche die DDR digital machten. Nur mit ihnen konnte Zugriff genommen werden auf die großen Datenschätze der Organisationen, Betriebe und der Wissenschaft.

  • ZMB 30

In der Folge setzt sich die Sammlung chronologisch fort: Neben ESER-Rechnern und Kleincomputern stellen die Dresdner auch zahlreiche Analogrechner aus. Sie wurden in den Industriebetrieben eingesetzt, um durch elektronische Schaltungen das verhalten physischer Systeme durch Differenzialgleichungen zu simulieren. Eine Überraschung erwartete uns, als wir zum D4a Nikolaus Lehmanns zurückkehrten. Dort drehte eine Filmemacherin gerade einen Trickfilm zu Computergeschichte der DDR. Als Artist in Residence erschließt sich Katrin Rothe die Geschichte der DDR-Rechentechnik aus künstlerischer Perspektive. Wir sind gespannt. Zurück nach Berlin ging es schließlich vorbei an den ehemaligen Gebäuden von Robotron in der Dresdner Innenstadt. Noch stehen die Hälfte der Gebäude, die andere Hälfte sind bereits abgerissen. Groß prangt in blauen Lettern „M + M Computer“ über dem Gebäude. Am seitlichen Flügel findet sich sogar noch ein Schild, auf dem der Name Robotron prangt. Inmitten sozialistischer Moderne, die unterstützt von Pflasterkunst und Wasserspiel den Aufbruch ins Morgen symbolisierte, finden sich heute eine Skaterbahn und ein Hostel. Langfristig sollen die Gebäude Wohnhäusern weichen. Auch die Stadtverwaltung, passender Weise das „Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft“, möchte die Gebäude nicht länger nutzen. Schade eigentlich, gelang es der Stadt Dresden mit der Renovierung des Kulturpalast in direkter Nähe zur Frauenkirche doch deutlich besser als Potsdam, mit seinem sozialistischen Erbe umzugehen. Die Parallelen in der Fassadengestaltung von Potsdamer Rechenzentrum um dem Stammsitz von Robotron sind dabei unverkennbar. Das Digitale Zeitalter erbte die Standardisierung der Industrialisierung auch im Bauen.

  • Das ehemalige Robotron-Gelände

Text: Martin Schmitt

Fotos: Martin Schmitt, Janine Funke, CC 3.0

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Digitalgeschichte ausstellen und vermitteln https://www.computerisierung.com/?p=784 https://www.computerisierung.com/?p=784#comments Wed, 24 Jan 2018 09:15:28 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=784 Wie lässt sich Computertechnologie im Museum präsentieren, wenn einer ihrer essenziellen Bestandteile die Software ist, also die In-Betrieb-Name des Rechners durch den Nutzer? Um dieser Frage nachzugehen, kam die Fachgruppe Computergeschichte der Gesellschaft für Informatik diesen Samstag, 20. Januar 2018, im Oldenburger Computermuseum zu ihrer vierten Sitzung zusammen und widmete sich dem Thema der (Aus-) Stellung des Computers. Diskutiert wurde vor allem an Hand der hands-on Ausstellung des dortigen Computermuseums, das Minicomputer in Betrieb zeigt. [direkt zum Programm]

Digitalgeschichte ist ein Perspektive auf zeithistorische Entwicklung der letzten 40-50 Jahre unter besonderer Berücksichtigung der Verbreitung digitaler Informationstechnologien in Gesellschaft, Wirtschaft und Staat. Damit grenzt sie sich von der Digitalen Geschichtswissenschaft insofern ab, als dass sie keine digitalen Methoden beschreibt, auch wenn sie oft mit ihr arbeitet. Trotzdem ist klar, dass diese Methoden der Vermittlung und Analyse unmittelbar relevant für den zeithistorischen Erkenntnisgewinn im Digitalen Zeitalter sind. Eine dieser Methoden kann die Ausstellung von Computern im Museum sein, an Hand derer nicht nur Wissen vermittelt, sondern ebenso Erkenntnisse für die Digitalgeschichte gewonnen werden können – beispielsweise über Software, die der Digitalhistoriker Michael S. Mahoney als das Verhalten der Maschine in Betrieb bezeichnete.

Dafür lieferte das Oldenburger Computermuseum als Gastgeber unmittelbare Anschauungsbeispiele. Das kleine Museum konzentriert sich auf eine bestimmte Periode der Computerisierung, auf die Ära der Mikrocomputer von den 1970er- bis in die 1990er-Jahre. Mit einer auf wesentliche Exponate reduzierten Ausstellung lässt es den Besucher durch eigenes Ausprobieren die Geräte aus der Digitalgeschichte erleben. Statt die beeindruckenden Ausstellungsräume im ehemaligen Hauptpostamt der norddeutschen Stadt mit Exponaten zu überfrachten, wählten die Kuratoren um Thiemo Eddiks (Oldenburg) Schlüsselobjekte, die bei älteren Besuchern vergangene Erinnerungen und bei jüngeren gespannte Blicke provozieren. Vom C64 bis zum Basic-Compiler, vom Sinclair ZX81 bis zum Robotron KC85/3 aus der DDR fehlt nichts. Jedes einzelne der ausgewählten Objekte ist funktionstüchtig, kann selbst programmiert oder mit einer Auswahl an bereitgestellter Software benutzt werden. Das ist umso beeindruckender, als dass es sich erstens ursprünglich um ein Hobbyprojekt handelte und zweitens, dass das Oldenburger Computermuseum damit den Fehler manch anderer Museen vermeidet: Kleinere Computermuseum stopfen oft die Ausstellungsräume voll. Große Museen hingegen könne den Betrieb von PCs durch den Besucher überhaupt nicht leisten, da ihnen dazu die Kapazitäten fehlen. Computer stehen dort wie Ziegelsteine im Raum. Dadurch verschenken aber beide großes Potenzial, die Genese des Digitalen Zeitalters zu verstehen. Das ist nur möglich, wenn auch seine Software gesehen und verstanden wird. So wie in Oldenburg.

Aus Sicht eines Digitalhistorikers begeistert dies, aber es bleibt auch anzumerken, dass bei der Konzentration auf Objekt seine historischen Nutzungsformen verloren gehen. Auf Erläuterungen davon, wann, wo und wie Zeitgenossen die Rechner nutzten, wurde verzichtet – beispielsweise in den Softwarebeispielen, durch Audiodokumente, Bilder über das Gerät in seiner Zeit, oder im Begleittext. Der Kontext darf aber nicht hinter einer Maske des Technischen oder der Begeisterung laufender Programme verschwinden. Museal vollziehen die Macher totale De-Kontextualisierung des Objektes um es am Besucher in einen neuen Kontext zu bringen.

Ein Commodore PET 2001 im Oldenburger Computermuseum; Bild: Martin Schmitt

Der illustrativen Darstellung von Prozessen der Informatik, beispielsweise solcher im Computer, widmete sich Prof. Michael Fothe (Jena) in seinem Vortrag „Mit Bildern muss man etwas tun“. In seinem Vortrag griff Fothe den Leitsatz des Psychologen Jean Piagets auf, dass „ein Objekt zu erkennen nicht heißt, es abzubilden, sondern, auf es einzuwirken“. Mit der Aufforderung, aktiv mit Darstellungen komplexer Prozesse, beispielsweise von Sortieralgorithmen, zu arbeiten um sie zu verstehen, schloss er nahtlos an den Imperativ des Museums an, sich Computerwissen aktiv anzueignen. Was passiert denn im Inneren eines Computers, wenn er ein Programm ausführt? Was für viele Menschen schon immer eine Black Box darstellte, kann durch die richtige Reduktion und Diagrammatik dargestellt und damit begriffen werden. Projektmitarbeiter Martin Schmitt (Potsdam) griff diesen Impuls in seinem Kommentar auf, in dem er den am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam Ansatz zur „Visual History“ für die Computergeschichte fruchtbar machte. Die Frage Fothes, „Was tun mit Bildern“ drehte er dementsprechend um und fragte, „Was tun Bilder mit uns?“. Die Visual History fordert dazu auf, „Bilder über ihre zeichenhafte Abbildhaftigkeit hinaus als Medien und Aktiva mit einer eigenständigen Ästhetik zu begreifen, die Sehweisen konditionieren, Wahrnehmungsmuster prägen, Deutungsweisen transportieren, die ästhetische Beziehung historischer Subjekte zu ihrer sozialen und politischen Wirklichkeit organisieren und in der Lage sind, eigene Realitäten zu generieren“. Vor diesem Hintergrund stellen sich dem Digitalhistoriker dann Fragen wie: Welche Wahrnehmungsmuster prägen die dominanten Bilder von Mainframe-Computern aus den 1960er-Jahren? Wie organisierten die Bilder, die Zeitzeugen von Computern sahen, ihre sozialen und politischen Wirklichkeiten, bspw. der Computernutzung? Welche Realitäten generierten die Abbildung der Computer? Als Beispiele hierfür können beispielsweise die stereotypen Abbildungen von Frauen in Beziehung zum Computer gesehen werden, wenn sie bspw. stets als Datentypistin gezeigt wurden. Andererseits warfen Teilnehmer ein, dass dies durchaus der Realität entsprochen habe.

Auch der Medienwissenschaftler Dr. Stefan Höltgen (Berlin) griff das Konzept der Ausstellung in seinem Vortrag auf. Sein Ansatz beruht auf der an der Humboldt Universität vertretenen Medienarchäologie nach Kittler. Sie geht von Medientechnologien als Bedeutungsproduzenten aus. Demnach besitzt jegliche historische Situation ein medientechnisches Apriori, ermöglicht durch die Nutzung von Hardware. Ihr Anspruch – und dementsprechend auch der von Höltgen – ist es, die Geschichte neu zu schreiben und dabei das, was bisher nicht erzählt wurde – und warum sie nicht erzählt wurde – im medientechnischer Prozess zu berücksichtigen. Sie ist zugleich Theorie in der Frage, welchen Anteil das Medium hatte, wie auch Methode, die Hardware – in diesem Fall den Computer – wieder zum Laufen bringen und dadurch Wissen für die Vergangenheit wie auch die Gegenwart zu generieren. Das verspricht beispielsweise ein besseres Verständnis davon, was eigentlich ein Defekt im Computer ist, zuletzt zu sehen an Problemen wie der Prozessorlücke Meltdown. Aber auch Kulturtechniken werden erneut verständlich, wenn beispielsweise Medienarchäologen wie in den 1980er-Jahren hingehen und Programme aus Zeitschriften abtippen, der verbreitetest Weg von Wissens- und Softwaretransfer im Privatbereich seinerzeit. Dies bietet die Chance, glatte Erzählung der Biografien und Unternehmensdarstellungen zu brechen an der Genealogie der Technik. Arbeit am Objekt ist Geschichtsarbeit, so Höltgen abschließend. Die Gefahr dabei bleibt, dass heutige Interpretationen und die Eigenzeitlichkeit der Vergangenheit verwischen, quasi ein Zwitter aus heute und gestern entsteht, der ebenso verbirgt wie eröffnet. Diese Kritik ist jeweils konkret an den einzelnen Fallstudien herauszuarbeiten.

Technologische Gegenwart unterscheidet sich von ihrer Vergangenheit. Jegliche Assemblage aus Hardware, Software und Nutzer ist historisch geworden. Wie lässt sich dieser Kontrast zwischen Vergangenheit und Gegenwart stärker herausarbeiten? Eva Kudrass (Berlin), Sammlungsleiterin für Mathematik und Informatik am Deutschen Technikmuseum Berlin, erörterte dafür die Möglichkeiten des historischen Vergleichs am Beispiel von Ausstellungen von Computergeschichte. Sie betonte vor allem das überraschende Moment des diachronen Vergleiches, bei dem das Gewohnte plötzlich fremd und das Fremde plötzlich gewohnt wirkt. Durch die Gegenüberstellung von über einhundert Jahre alten Ausstellungstücken mit vergleichbaren Objekten von heute lässt sich ein Bruch heutiger Interpretation von Technik erreichen. Der Besucher reflektiert dabei nicht nur die Genese technischer Artefakte, sondern ebenso seine technisch mediatisierte Umwelt. Dabei bemühte Kudrass beispielsweise in der Ausstellung „Das Netz“ eben nicht die Aussage, dass alles schon mal dagewesen sei, wie das beispielsweise Tom Standage in seinem Buch „The Victorian Internet“ machte. Vielmehr erlaubte sie dem Besucher, altes im neuen Licht zu sehen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Smarte Toilettenstuhl, der Daten über seinen Besitzer automatisiert überträgt. Demgegenüber gestellt machte ein Leibstuhl aus dem 19. Jahrhundert, der kaum mehr als Toilettenstuhl erkennbar ist, weil er die entscheidenden Teile geschickt verbirgt, einen ganz anderen Umgang mit körperlicher Hygiene. Während Kudrass vor allem den diachronen Vergleich in den Vordergrund stellte, der so seine Schwierigkeiten mit sich bringt, ist auch Sicht unseres Forschungsprojektes vor allem auch der synchrone Vergleich erkenntnisstiftend, beispielsweise über Systemgrenzen hinweg.

Den Abschluss des Workshops machte der Informatiker Prof. em. Wolfgang Coy (Berlin) mit seinem Bericht über die ethischen Leitlinien der Gesellschaft für Informatik (GI). Coy, der an der Ausformulierung maßgeblich beteiligt war, adressierte in seinem Vortrag die Frage, wie sich die Informatiker als Arbeitende in der Gesellschaft verstehen und wie sie Verantwortung für ihr Handeln in dieser Gesellschaft übernehmen. Während es in den 1950er-Jahren die Physiker und nachfolgend die Ingenieure waren, die mit ihren Entwicklungen nicht nur die Technik, sondern auch maßgeblich ihre technisierten Gesellschaften prägten, so erarbeiteten sich seit den 1970er-Jahren vor allem die Informatiker eine solche sozioökonomische Gestaltungsmacht – nicht ohne Konflikte, wie für die USA beispielsweise Nathan Ensmenger in seinem Buch „The computerboys take over“ (2010) darstellte. 1987 fand in Deutschland das Nachdenken in der GI über die gesellschaftliche Verantwortung von Informatikernmit einem „Verantwortungspapier“ einen ersten schriftlich Ausdruck. Er gipfelte 1994 in der Formulierung der ethischen Leitlinien der GI. Nicht zuletzt die intensive Computernutzung der Staatssicherheit in der gerade untergegangenen DDR hatte gezeigt, welche Implikationen die Arbeit jedes Informatikers haben konnten. Mit den technischen Veränderungen veränderten sich aber auch die Möglichkeitsspielräume, wie zuletzt beispielsweise Debatten um Künstliche Intelligenz oder die Bioinformatik zeigten. Die Leitlinien hatten eine Überarbeitung notwendig, wie Coy darstellte. Auf Basis eines dialogorientierten Ansatzes im Geiste Hegels versuchten Coy und andere, Widersprüche unter den Mitgliedern wie auch in der Gesellschaft nicht zu nivellieren, sondern produktiv in konsensorientierte Lösungen bei ethischen Problemen einfließen zu lassen. So verdeutlichte der Berliner Informatiker, wie „die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) […] mit diesen Leitlinien bewirken […], dass berufsethische Konflikte Gegenstand gemeinsamen Nachdenkens und Handelns werden“, wie es in der Präambel heißt. Deren erster Satz ist heute aktueller denn je: „Das Handeln von Informatikerinnen und Informatikern steht in Wechselwirkung mit unterschiedlichen Lebensweisen, deren besondere Art und Vielfalt sie berücksichtigen sollen“. Ausstellungen in Museen sind ein Weg des gemeinsamen Nachdenkens und Handelns, wie dieser interessante Workshop zeigte.

Programm: GI-Fachgruppe_Informatik- und Computergeschichte_Programm_20_1_2018

 

Text: Martin Schmitt

Titelbild: Empfangsraum des Oldenburger Computermuseums; erstellt von Martin Schmitt

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Heinz-Nixdorf-Kolloquium 2016: Vernetzte Welten https://www.computerisierung.com/?p=660 https://www.computerisierung.com/?p=660#respond Mon, 05 Sep 2016 11:28:21 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=660 Viel wurde bisher geschrieben über die Entwicklung von Computernetzwerktechnologie und deren gesellschaftlichen Einsatz in den Vereinigten Staaten. Weniger ist bekannt darüber, wie eigentlich die Vernetzung Deutschlands sich vollzog. Dieser Frage soll im diesjährigen Heinz-Nixdorf-Kolloquium „Vernetzte Welten“ vom 24.-25. Oktober auf den Grund gegangen werden. Neben zahlreichen Wissenschaftlern wie Peter Sloterdijk oder Marc Weber vom CHM in Kalifornien wird auch unser Projektmitarbeiter Martin Schmitt dort einen Vortrag zu „Vernetzen Bankenwelt“ halten. 

Heinz-Nixdorf-Kolloquium 2016: Vernetzte Welten
24./25. Oktober 2016
Das Heinz-Nixdorf-Kolloquium, eine gemeinsame Tagung des Historischen Instituts der Universität Paderborn und des Heinz Nixdorf MuseumsForums, möchte die Faszination der vernetzten Welten interdisziplinär beleuchten. Neben einem theoriegeleiteten Zugriff auf eine europäische Vernetzungsgeschichte wird auch aus der Internet-Praxis berichtet.

Prof. Dr. Peter Sloterdijk betrachtet am Abend des 24. Oktobers das Thema aus seinem philosophisch-ästhetischem Blickwinkel. Welche Auswirkungen hat das digitale Zeitalter? Vor welchen Herausforderungen wird die Menschheit durch die vernetzte Welt gestellt?
Programm:
Montag, 24. Oktober 2016
11.30 Uhr: Anmeldung und Mittagsimbiss

12.30 Uhr: Begrüßung
Dr. Jochen Viehoff, Geschäftsführer Heinz Nixdorf MuseumsForum

12.45 Uhr: Einführung in die Tagung
Prof. Dr. Peter E. Fäßler, Lehrstuhl für Zeitgeschichte, Historisches Institut, Universität Paderborn

13.15 Uhr: Netzvisionen: Utopien und Planungen zur vernetzten Welt im 20. Jahrhundert
Prof. Dr. Noyan Dinçkal, Universität Siegen
Vortrag mit anschließender Diskussion

14 Uhr: Kaffeepause

14.30 Uhr: Nixdorf Computer AG – Pionierunternehmen der digitalen Vernetzung
Dr. Horst Nasko, ehem. Vorstandssprecher der Nixdorf Computer AG
Zeitzeugenbericht

15 Uhr: Führung durch die Dauerausstellung des Heinz Nixdorf MuseumsForums

16.45 Uhr: “European Informatics Network” – Das Netzwerk, das keiner wirklich wollte
Mariann Unterluggauer, Wissenschaftsjournalistin, Wien
Vortrag mit anschließender Diskussion

17.30 Uhr: Abendessen im Bistro Hotspot

19 Uhr: Die vernetzte Welt als kulturelle Herausforderung
Abendvortrag von Prof. Dr. Peter Sloterdijk
Öffentliche Veranstaltung

Anschließend Möglichkeit zum Gedankenaustausch und kleiner Imbiss

Dienstag, 25. Oktober 2016
9 Uhr: Das Internet wird physisch – Berichte aus der Praxis
Jürgen Ridder, ehem. Leiter des Competence Center Submarine Cables (Seekabelendstelle), Norden
Vortrag mit anschließender Diskussion

9.45 Uhr: Vernetzte Bankenwelt
Martin Schmitt M.A., Doktorand, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam
Vortrag mit anschließender Diskussion

10.30 Uhr: Kaffeepause

11 Uhr: Six networks that changed the world
Dr. Tilly Blyth, Science Museum London
Vortrag in engl. Sprache mit anschließender Diskussion

11.45 Uhr: @HOME – Auswirkungen des digitalen Zeitalters
Dipl.-Inf. Anja Teuner, Deutsches Museum München
Vortrag mit anschließender Diskussion

12.30 Uhr: Kurze Pause

12.45 Uhr: Networks in USA
Marc Weber, Computer History Museum Mountain View, CA
Vortrag in engl. Sprache mit anschließender Diskussion

13.30 Uhr: Schlusswort
Dr. Jochen Viehoff, Geschäftsführer Heinz Nixdorf MuseumsForum

Anschließend Ausklang des HNK

Mittagessen im Bistro Hotspot

Webseite: http://www.hnf.de/termine/events/heinz-nixdorf-kolloquium-2016.html

 

Text: Martin Schmitt

Bild: The Opte Project – Originally from the English Wikipedia; description page is/was here., CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1538544

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Wiss. Volontariat im Sammlungsbereich Mathematik und Informatik https://www.computerisierung.com/?p=609 https://www.computerisierung.com/?p=609#respond Sat, 28 May 2016 00:49:47 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=609 Am Deutschen Technikmuseum in Berlin ist zum 1. Juli 2016 eine Stelle für ein wissenschaftliches Volontariat im Bereich Informatik und Computergeschichte ausgeschrieben. Bewerben kann man sich dort noch bis zum 10.06.2016. Es umfasst die Mitarbeit an den beiden tollen Ausstellungen „Das Netz. Menschen, Kabel, Datenströme“ und „Der erste Computer. Konrad Zuse
und der Beginn des Computerzeitalters“. Weitere Informationen nach dem Jump oder auf der Jobbörse des Deutschen Museumsbundes.

Berlin Deutsches Technikmuseum
Wiss. Volontariat im Sammlungsbereich Mathematik und Informatik
Besetzbar: 1. Juli 2016

Das Arbeitsgebiet umfasst die Mitarbeit und Fortbildung im Fachgebiet mit folgender Schwerpunktbildung:

• Mitarbeit an der Erstellung eines neuen Sammlungskonzeptes für die Sammlung Mathematik und Informatik
• Dokumentation, Inventarisierung und digitale Vermittlung von Objekten
• Mitarbeit an der Wartung und Weiterentwicklung der der Dauerausstellungen
„Das Netz. Menschen, Kabel, Datenströme“ und „Der erste Computer. Konrad Zuse
und der Beginn des Computerzeitalters“
• ggf. Mitarbeit an der konzeptionellen Planung einer Sonderausstellung
• die Durchführung einer objektbezogenen eigenen Forschungsarbeit im Rahmen der Sammlung ist möglich

Anforderungen:
Das Volontariat dient der Aus- und Fortbildung von Wissenschaftlern in museumsrelevanten Studienfächern. Es ist eine praxisbezogene Einführung in die Arbeit der Museen. Ziel des Volontariates ist es, zu selbständiger Tätigkeit im höheren Dienst an Museen zu befähigen.

Vorausgesetzt wird der Abschluss eines Hochschulstudiums (Master oder Magister/Magistra) vorzugsweise der Wissenschafts- und Technikgeschichte, der Informatik, Museumskunde oder Kulturwissenschaften. Erwartet werden fundierte inhaltliche Kenntnisse in der Informatik- und Computergeschichte sowie Interesse an der Arbeit mit technischen Objekten und Datenbanken.
Wünschenswert sind Erfahrungen in der Konzeptplanung und im Projektmanagement sowie Kenntnisse im Bereich Objektdatenbanken.

Erwartet wird darüber hinaus eine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit, die Fähigkeit, selbständig und strukturiert zu arbeiten, Organisationstalent und Teamfähigkeit.

Die Dauer des Volontariates beträgt zwei Jahre, wobei die ersten 4 Monate als Probezeit gelten. Es wird ein Unterhaltszuschuss in Höhe von 50% des Anfangsentgeltes der Entgeltgruppe 13 TV-L gewährt.

Bei gleicher Eignung und Erfüllung der o.g. Anforderungen werden gemäß § 2 des Sozialgesetzbuches IX anerkannte schwer behinderte Menschen bevorzugt berücksichtigt. Wenn Sie auf die genannte Förderung Wert legen, geben Sie bitte in der Bewerbung an, dass Sie anerkannte/r Schwerbehinderte/r sind.

Es handelt sich um eine Position, in der Frauen unterrepräsentiert sind. Die Bewerbung von Frauen ist daher erwünscht.

Bewerbungen mit tabellarisch abgefasstem Lebenslauf, den Nachweisen über Ausbildungsabschlüsse, Beschäftigungszeugnissen sowie – bei im öffentlichen Dienst Beschäftigten – mit einer Einverständniserklärung zur Anforderung und Einsichtnahme der Personalakte sind bis zum Ende der Bewerbungsfrist an den an die Stiftung „Deutsches Technikmuseum Berlin“, Trebbiner Str. 9 in 10963 Berlin zu richten. Von telefonischen oder schriftlichen Anfragen, wie auch von Online-Bewerbungen bitten wir abzusehen. Im Rahmen des Bewerbungsverfahrens entstehende Reisekosten können nicht erstattet werden.

Bitte reichen Sie uns ausschließlich Kopien ein. Es wird gebeten, auf die Übersendung von Sichthüllen zu verzichten. Bewerbungsunterlagen können nur zurückgesandt werden, wenn ein ausreichend frankierter Freiumschlag beigefügt ist. Vier Wochen nach Ablauf des Bewerberverfahrens und der erfolgten Benachrichtigung sehen wir von einer weiteren Aufbewahrung der Bewerbungsunterlagen ab, sofern uns keine gegenteilige Nachricht vorliegt.

Die Bewerbungsfrist endet am 10.06.2016. Die Vorstellungsgespräche werden voraussichtlich in der 29. Kalenderwoche 2016 stattfinden.

Eintragsdatum 27.05.2016
Bewerbungsende: 10.06.2016
Quelle: Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin
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Ausstellung: Das Netz. Menschen, Kabel, Datenströme https://www.computerisierung.com/?p=513 https://www.computerisierung.com/?p=513#respond Tue, 20 Oct 2015 13:59:33 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=513 Am 9. September 2015 eröffnete das Deutsche Technikmuseum in Berlin seine neue Dauerausstellung mit dem Titel „Das Netz. Menschen, Kabel, Datenströme“. Damit greift es eine zentrale Entwicklung der Computerisierung auf und präsentiert in seiner Ladenstraße ausgewählte Exponate zur Geschichte und Verwendung des Netzes.

Die Bedeutung der Geschichte des Internet als zentraler Infrastruktur der Informationsgesellschaft wurde in diesem Blog bereits in einigen Beiträgen hervorgehoben. Nun hat sich das Deutsche Technikmuseum in Berlin diesem Thema gewidmet und stellt fest: Die Welt ist vernetzt! Dabei verfolgen die Kuratoren der Ausstellung, Eva Kurass und Bernd Lüke, die Entstehung der Netze bis in das 19. Jahrhundert zurück, um die Genese unserer heutigen Technologie darzustellen. Pfadabhängigkeiten und deren Bedeutung zeigen sich zum Beispiel daran, dass heutige Internetkabel  beispielsweise auf den Routen alter Telegraphenkabel aus dieser Zeit liegen. Dabei vertreten sie aber dezidiert keinen rein technikhistorischen Ansatz, sondern legen viel Wert auf Elemente der Kultur- und Gesellschaftsgeschichte. Sie halten fest:

Die Ausstellung zeigt die Entwicklung der Netze aus drei unterschiedlichen Blickwickeln: Mit Blick auf die Menschen als Nutzer, aus der Perspektive der Netztechnik und mit dem Fokus auf die Inhalte, die über Netze vermittelt werden.

Neben der Netztechnik sind so die Menschen und ihr Wissen im Netz Schwerpunkte der Ausstellung. Aus der Sicht unserer Projektes sicherlich eines der Highlights ist das Cryptofon des Hackers Tron von 1998, der in der Berliner Hackerszene vor allem wegen seiner Bezahlfernseh- und Telefonkartenhacks bekannt war. Gleich im Foyer greift die Ausstellung die neusten Entwicklung der Netztechnologie auf und präsentiert sie in wechselnden Abständen in einer prominenten Vitrine. Derzeit sind dort die Prototypen LormHand und LormGlove aus dem Design Research Lab der Berliner Universität der Künste zu sehen. Mit diesen Handschuhen können „taubblinde Menschen Nachrichten digital empfangen und senden. … Beim Tastalphabet Lorm werden die die Buchstaben durch Antippen bestimmter Stellen in den Handinnenflächen dargestellt und können so von den Taubblinden erfasst werden“ (Eva Kudraß: Das Netz: Immer wieder neu). Ihnen ist damit die Möglichkeit gegeben, an den wichtigen gesellschaftlichen Diskursen und sozialen Vergemeinschaftungen, die sich zunehmend in das Internet verlagern, teilzunehmen.

Einen ersten Eindruck von der Ausstellung kann man bereits auf Youtube gewinnen, in dem der stellvertretende Museumsdirektor Joseph Hoppe durch die Ausstellung führt. Zudem wird die Ausstellung von einem Blog begleitet.

Die Öffnungszeiten des Museums:

Dienstag bis Freitag 9.00 bis 17.30 Uhr
Samstag / Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr
Montag geschlossen

Preise:

Normal Ermäßigt
Eintritt 8,00 EUR 4,00 EUR

 

Text: Martin Schmitt

Bildrechte: © SDTB / Grafik: polygraphdesign.com; Pressematerial des SDTB.

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AESTHETICA – 50 Jahre computergenerierte Kunst https://www.computerisierung.com/?p=313 https://www.computerisierung.com/?p=313#respond Wed, 03 Jun 2015 13:05:55 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=313 „Man kann mit einem Computer Kunst und Schönheit schaffen.“ So lautet der sechste Punkt der Hacker-Ethik, die der Journalist Steven Levy 1984 in seinem Buch über „Hacker“ als deren Wertekodex ausmachte. Die Computerkunst war allerdings nicht rein den Hackern überlassen. Schon früh interessierten sich weltweit Künstler und Kulturschaffende für die neuen, faszinierenden Möglichkeiten, welche die neue Technologie bot. Die Kuratoren der Ausstellung AESTHETICA in der Berliner DAM Gallery, die vergangenen Freitag eröffnet wurde, widmen sich ihren prononciertesten Vertretern wie Vera Molnar und Manfred Mohr. Molnar und Mohr bildeten mit ihren frühen Plotterzeichnungen die Speerspitze einer Digitalen Kunstavantgarde, die weit über den Eisernen Vorhang reichte. So schuf in der DDR beispielsweise Horst Bartnig bereits 1979 zeichnende Algorithmen mit der Idee, die Zufälligkeit aus dem Zeichenprozess auszuschließen. Dazu arbeitete er mit Mathematikern und Programmierern des Zentralinstituts für Informatik und Rechentechnik in Berlin-Adlershof zusammen.
Ausgewählte Werke dieser bis heute bedeutende Computerkunst-Avantgarde sind noch bis zum 1. August in der DAM Gallery, Neue Jakobstr. 6, zu sehen.

 

AESTHETICA
50 JAHRE COMPUTERGENERIERTE KUNST

DAM GALLERY, Berlin

Neue Jakobstr. 6
2., linker Hinterhof
10179 Berlin

Tel: +49 (0)30 28 09 81 35
E-Mail: office(at)dam.org

Di – Fr  12 – 18 Uhr
Sa  12 – 16 Uhr

Ausstellung: 30. Mai – 1. August 2015

Künstler:

Horst Bartnig, D⎜Peter Beyls, B⎜Vuk Cosic, SLO⎜Hans Dehlinger, D⎜Manuel Felguerez, MEX⎜Patrick Lichty, US⎜Tony Longson, GB⎜Rafael Lozano-Hemmer, MEX-CDN⎜Manfred Mohr, D ⎜Vera Molnar, F⎜Frieder Nake, D⎜Georg Nees, D⎜Casey Reas, US⎜Brian Reffin Smith, GB⎜Antoine Schmitt, F⎜Sommerer & Mignonneau, A-F⎜Kerry Strand, US⎜Roman Verostko, US⎜Roger Vilder, F-CDN⎜Mark Wilson, US

 

Autor: Martin Schmitt

Bild: Frieder Nake, 7.4.65 Nr. 1+6, Plotterzeichnung, Tinte auf Papier, 1965, Quelle DAM Gallery

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