Kybernetik – .computerisierung https://www.computerisierung.com Mon, 12 Sep 2016 08:16:07 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Neu erschienen: Martin Schmitt – Internet im Kalten Krieg https://www.computerisierung.com/?p=665 https://www.computerisierung.com/?p=665#respond Mon, 12 Sep 2016 08:10:58 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=665 Die Geschichte des Internet erfuhr in den vergangenen Jahren immer wieder prominent Aufmerksamkeit.  Vergangene Woche erschien nun erste Publikation unseres Projektmitarbeiters Martin Schmitt, „Internet im Kalten Krieg“. In dem Buch widmet sich Martin Schmitt der Frage, wie das ARPANET und später das Internet als kybernetische Systeme im Kalten Krieg entwickelt wurden. Das Buch erscheint bei Transcript, hat 250 Seiten und kostet 29,99 Euro.

Titelbild "Internet im Kalten Krieg"

An dieser Stelle berichteten wir bereits einige Male über die Geschichte des Internet. Letzte Woche war es dann soweit: Die Monographie „Internet im Kalten Krieg. Eine Vorgeschichte des globalen Kommunikationsnetzes“ erschien nach umfangreicher Vorarbeit im Transcript-Verlag. Ein Auszug aus dem Klappentext:

Das Internet ist das dominante Kommunikationsmedium des 21. Jahrhunderts. Nicht zuletzt die Ereignisse um die Enthüllungen von Edward Snowden haben gezeigt, dass es sich zu einem Netzwerk der Freiheit wie auch der Überwachung entwickelt hat.
Wo aber liegen seine Ursprünge? Martin Schmitt bietet eine dringend notwendige Neueinordnung der Geschichte des Internet, indem er dessen Entstehung in den USA von 1967-1975 historisiert. Er verdeutlicht, wie das Internet als kybernetisches System im Kalten Krieg zwischen Gegenkultur, Wissenschaft und Militär konzipiert wurde und dass es von Anfang an sowohl emanzipatorische wie auch überwachende Tendenzen bediente.

Zur Verlagsseite: Martin Schmitt – Internet im Kalten Krieg.

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Zwei aktuelle Rezensionen zur Geschichte der Informationsgesellschaft erschienen https://www.computerisierung.com/?p=541 https://www.computerisierung.com/?p=541#respond Mon, 29 Feb 2016 10:39:28 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=541 Vergangene Woche erschienen zwei neue Rezensionen unserer Projektmitarbeiter zur Geschichte der Informationsgesellschaft. Julia Erdogan las den Sammelband über Ada Lovelace der aufzeigt wann, wo und wie Frauen in der Geschichte der Computer mitgewirkt haben und unsichtbar gemacht wurden. Martin Schmitt ist positiv überrascht von Ronald R. Klines „Cybernetic Moment“, mit er die bisher umfassendste und detaillierteste Darstellung der Geschichte der Kybernetik vorlegt und darin der Frage nachgeht, wie unsere Zeit zum „Informationszeitalter“ wurde.

Cover S. Krämer (Hrsg.): Ada Lovelace

Krämer, Sybille (Hrsg.): Ada Lovelace. Die Pionierin der Computertechnik und ihre Nachfolgerinnen, Paderborn 2015. ISBN: 978-3-7705-5986-2; 221 S., 13 Grafiken, 10 SW-Abb.
von Julia Erdogan, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam, <Julia.Erdogan@rub.de>(Rezension redaktionell betreut von Jan-Holger Kirsch)

Sie ist die angeblich erste „Programmiererin“ der Geschichte: Ada Lovelace, eigentlich Augusta Ada Byron King, Countess of Lovelace. Sie wurde 1815 geboren und starb bereits mit 36 Jahren an Krebs. Der Sammelband nimmt Lovelace als Ausgangspunkt einer Untersuchung über Frauen in der Computernutzung, -anwendung und -entwicklung. Hervorgegangen ist der Band aus der Sonderausstellung „Am Anfang war Ada. Frauen in der Computergeschichte“ des Heinz Nixdorf MuseumsForums (September 2015 – Juli 2016), die mit Lovelaces 200. Geburtstag zusammenfällt.[1] Gegliedert ist das Buch in drei Teile: Der erste Teil widmet sich der Protagonistin selbst. Der zweite Teil befasst sich mit Frauen und Computertechnologie im 20. Jahrhundert, und im letzten Teil berichten Frauen von Erfahrungen und aktuellen Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung.  [weiterlesen]

 

 

Cover R. Kline: The Cybernetics Moment

Kline, Ronald R.: The Cybernetics Moment. Or Why We Call Our Age the Information Age, Baltimore 2015. ISBN: 978-1-4214-1671-7; XI, 336 S., 10 Abb.
von Martin Schmitt, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam, <schmitt@zzf-pdm.de>(Rezension redaktionell betreut von Jan-Holger Kirsch)

Der große Traum der kybernetischen Theoretiker lag darin, die Grenzen zwischen Natur- und Geisteswissenschaften einzureißen und eine universelle Inter-Disziplin zu erschaffen. Ihr außergewöhnlicher Erfolg liegt in ihrer anhaltenden, wenn auch indirekten Prägekraft bis heute. Kognitionswissenschaftler, Molekularbiologen und andere Wissenschaftler konzipieren ihre Forschungsgegenstände in Form von Strömen, Rückkoppelungen und Informationsverarbeitung. Die der Kybernetik entlehnte Informationstheorie ist in der Technologie verbaut, die wir jeden Tag verwenden, von Festplatten über Smartphones bis hin zum Internet als der Infrastruktur des so genannten Informationszeitalters. Der US-amerikanische Wissenschafts- und Technikhistoriker Ronald Kline analysiert in seinem Buch die Ursprünge der Kybernetik; er fragt, wie ihre Protagonisten dem Narrativ zu einem so gewaltigen Aufschwung verhalfen, dass wir unsere Epoche heute ganz selbstverständlich als Informationszeitalter bezeichnen. Den Schwerpunkt seiner Erzählung legt er allerdings auf die weniger geraden Stränge eines kybernetischen Diskurses, der nach einer Hochphase in den 1950er-Jahren ausfaserte und verblasste, während seine Prinzipien weiterlebten.  [weiterlesen…]

 

Text: Martin Schmitt, Julia Erdogan

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Der Computer als Gehirn eines Nagetiers https://www.computerisierung.com/?p=372 https://www.computerisierung.com/?p=372#respond Tue, 18 Aug 2015 10:31:16 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=372 Von Anfang an übte das Gehirn eine große Faszination auf die aufstrebenden Computerwissenschaftler aus. Die meisten von ihnen kamen aus der Mathematik und der Nachrichtentechnik, aber auch Psychologen wie J.C.R. Licklider widmeten sich begeistert der neuen Technologie. Die Kybernetik bot ihnen dabei eine gemeinsame Sprache, innerhalb der das Gehirn wie der Computer Systeme waren, die mit den gleichen Mechanismen der Informationstheorie begriffen werden konnten. Die Kybernetiker erster Generation versuchten, vereinfacht gesagt, das Gehirn mit technischen Mitteln nachzubauen, denn System ist System. Ihnen folgten die Kybernetiker zweiter Generation, die sich hauptsächlich der künstlichen Intelligenz widmeten. Hier war das Ziel nicht mehr, das physische Gehirn nachzubilden, wie der Wissenschaftsjournalist Mitchell Waldrop in seiner Biografie zu Licklider verdeutlicht. Ziel war es, den Geist („mind“) in Software und Logik zu imitieren.

Diese folgenschwere Verkettung, auch Computational Metaphor genannt, zieht sich bis in die heutige Zeit durch. Beispiele dafür poppen immer wieder auf, diesmal ist es IBM, die das Gehirn „fast“ nachgebildet haben. Zumindest das eines kleinen Nagetiers. Die können ja auch schon ganz schön clever sein. „The chips on the inside are designed to behave like neurons—the basic building blocks of biological brains“, gibt der Chefdesigner des Projekts Dharmendra Modha den staunenden Journalisten der amerikanischen Techszene Magazins WIRED in ihrem neusten Artikel „IBM’s ‘Rodent Brain’ Chip Could Make Our Phones Hyper-Smart“ zu Protokoll. Modha weiter: „the system in front of us spans 48 million of these artificial nerve cells, roughly the number of neurons packed into the head of a rodent“.

Bionische Mimikri nennt man das in der Fachsprache und war lange Zeit das Vorbild für ganze Computeringenieurskohorten mit der immer wieder nachfolgenden Enttäuschung angesichts der überraschenden Komplexität und Kontingenz neurologischer Denkvorgänge. Mit an Bord war jederzeit die Künstliche Intelligenzforschung mit dem Versprechen, intelligente Software beispielsweise zur Spracherkennung auf cleveren Geräten zu schreiben. So auch bei den Teilnehmern, die einen exklusiven Blick auf das digitale Nagergehirn bekamen: „Some researchers who got their hands on the chip at an engineering workshop in Colorado the previous month have already fashioned software that can identify images, recognize spoken words, and understand natural language.“ Wenn nun die Chips der IBM den auf neuronalen Netzwerken basierenden Algorithmen der Startupgründer und Wissenschaftler die perfekte Basis bieten, treffen zwei Forschungsansätze aufeinander, die beide von der Reproduzierbarkeit des Denkens ausgehen. Oder in den begeisterten Worten Jason Mars, einem Informatikprofessor der University of Michigan:

„These algorithms mimic neural networks in much the same way IBM’s chips do, recreating the neurons and synapses in the brain. One maps well onto the other.“

Einzureihen sind solche Versuche mit dem Ansatz des Technikhistorikers Thomas Haigh in die Reihe der utopisch aufgeladenen (oder gut verkauften?) Informationstechnologien, deren praktischer Nutzen unbestreitbar war, die aber die hohen Erwartungen angesichts technischer Begrenztheit niemals einlösen konnten. Schon in den 1990er-Jahren scheiterten die Wissenschaftler daran, neuronale Netzwerke auf die Computertechnologie zu mappen und erfuhren dabei ihre Grenzen. Produkte aus dieser Forschungslinie erleichtern und heute in Form von Siri oder Googles Spracherkennung den Alltag. Denken können sie noch lange nicht. Das gibt auch Modha letztlich zu. War es ursprünglich das Ziel seines DARPA-Forschungsauftrag von 53 Millionen US-Dollar, das Gehirn zu imitieren. Aber ein 1:1-Nachbau sei gar nicht möglich, wie auch nicht notwendig, wurde Modha im Laufe des Forschungsprojektes. Er möchte dem nur möglichst nahe kommen. Letztlich seien es doch die Menschen, welche die Welt verändern, nicht die Computer.

 

 

Bild: IBM.
Text: Der Computer als Gehirn eines Nagetiers von Martin Schmitt ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.

Creative Commons Lizenzvertrag

Quellen:
Cade Metz: IBM’s ‘Rodent Brain’ Chip Could Make Our Phones Hyper-Smart. In: WIRED online, 17.08.2015. URL: http://www.wired.com/2015/08/ibms-rodent-brain-chip-make-phones-hyper-smart [zuletzt abgerufen am 17.8.2015]
Haigh, Thomas (2007): A Veritable Bucket of Facts‹: Ursprünge des Datenbankmanagementsystems, in: Gugerli, David et. al. (Hgg.) (2007): Daten (=Nach Feierabend: Zürcher Jahrbuch für Wissensgeschichte 3), Zürich, S. 57–98.
Waldrop, M. Mitchell (2001): The dream machine: J. C. R. Licklider and the revolution that made computing personal, New York.

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