Hacker – .computerisierung https://www.computerisierung.com Thu, 29 Jul 2021 13:16:53 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Film „Alles ist eins. Außer der 0“ über Wau Holland und den Chaos Computer Club https://www.computerisierung.com/?p=1291 https://www.computerisierung.com/?p=1291#respond Thu, 29 Jul 2021 10:06:38 +0000 https://www.computerisierung.com/?p=1291 Am 29. Juli 2001 starb Wau Holland mit nur 49 Jahren infolge eines Schlaganfalls in Bielefeld. Wau Holland, eigentlich Herwart Holland-Moritz, prägte die deutsche Hackergeschichte und vor allem den berühmten Chaos Computer Club (CCC) maßgeblich. Der Film „Alles ist eins. Außer der 0“ widmet sich dieser besonderen Persönlichkeit der Zeitgeschichte. Nachdem der Filmstart aufgrund von Corona  einige Male verschoben werden musste, liegt der offizielle Kinostart nun auf Wau Hollands 20. Todestag. Klaus Maeck, der Wau Holland noch persönlich kennengelernt hat, und Tanja Schwerdorf setzen bei ihrem Dokumentarfilm vor allem auf Originalaufnahmen aus den 1980er und 1990er Jahren.

Der CCC hat eine Liste mit allen Kinos erstellt, die den Film in den kommenden Tagen zeigen, darunter auch Termine mit den beiden Filmemacher*innen. In einigen Städten werden auch Filmpatinnen und –paten in den Film einführen, darunter zahlreiche Bekannte Wau Hollands. Julia Gül Erdogan, die zu den Hackern in der Bundesrepublik und DDR promoviert hat, wird den Film am Samstag den 31.7. im Kino Thalia in Potsdam als Filmpatin begleiten.

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Neu erschienen: „Avantgarde der Computernutzung“ https://www.computerisierung.com/?p=1265 https://www.computerisierung.com/?p=1265#respond Wed, 10 Mar 2021 17:23:27 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=1265 Cover des Buchs "Avantgarde der Computernutzung"

Hackerkulturen der Bundesrepublik und der DDR. Vor wenigen Tagen erschien die Publikation unserer Projektmitarbeiterin Julia Erdogan. Seit den späten 1970er-Jahren entwickelten sich Hacker und Haecksen zu eigensinnigen Computer-Nutzer*innen mit einschlägigem Wissen. Sie eigneten sich das Medium spielerisch an, schufen Kontakträume und brachten sich aktiv in den Prozess der Computerisierung ein. Julia Erdogan skizziert in ihrem neuen Buch, wie die teils subversiven Praktiken Machtgefüge in beiden deutschen Staaten herausforderten.

Aus dem Klappentext:

Die schillernden Vorreiter des Informationszeitalters: Hacker im Spiegel der deutsch-deutschen Zeit- und Technikgeschichte.

Hacker und Haecksen zählen zur Avantgarde der Computerisierung. Seit den späten 1970er-Jahren bildeten sie sich in der Bundesrepublik und in der DDR zu eigensinnigen ComputernutzerInnen mit einschlägigem Wissen heraus. Sie eigneten sich das Medium spielerisch an, schufen Kontakträume und brachten sich so aktiv in den Prozess der Computerisierung ein. Durch ihre Grenzüberschreitungen zeigten sie dabei Chancen und Risiken der Digitalisierung auf.
Julia Gül Erdogan geht der Entstehung der Hackerkulturen in Ost- und Westdeutschland nach. Sie analysiert, wie deren teils subversive Praktiken Machtgefüge in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft herausforderten. Zugleich verdeutlicht die Arbeit Gemeinsamkeiten und Unterschiede der frühen sub- und gegenkulturellen Computernutzung in den beiden deutschen Teilstaaten.

Das Promotionsprojekt entstand am ZZF in der Forschungsgruppe »Aufbrüche in die digitale Gesellschaft. Computerisierung und soziale Ordnungen in der Bundesrepublik und der DDR«. Die Buchveröffentlichung ist zugleich die Promotionsschrift Julia Erdogans. Wir gratulieren herzlich zur Publikation!

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Podcast-Beitrag zu den Hackern der Bundesrepublik und DDR https://www.computerisierung.com/?p=1108 https://www.computerisierung.com/?p=1108#respond Sat, 25 May 2019 06:47:42 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=1108 Die digitalen Medien sind nicht nur Forschungsgegenstand, sondern dienen auch immer mehr der Wissensvermittlung. Mittlerweile sind einige sehr gute Formate entstanden, die sich mit historischen Themen befassen. Eines davon ist der Podcast „Anno…“, den Philipp Janssen betreibt. In seinem Podcast erzählen WissenschaftlerInnen von ihren Forschungsprojekten und geben so Einblick in aktuelle Themen und Debatten sowie die Arbeit der HistorikerInnen. In Folge 28 stellt Julia Erdogan ihr Dissertationsthema zu den Hackerkulturen beider Teilstaaten vor. Die Folge gibt einen kurzen Einblick in die frühe private Computernutzung und das Aufkommen von Hackern in den 1980er-Jahren.
Das etwa 80 Minuten lange Gespräch gibt es hier zu hören

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Sammelband des Computerisierungsprojekts am ZZF erscheint zum Historikertag https://www.computerisierung.com/?p=899 https://www.computerisierung.com/?p=899#respond Tue, 10 Jul 2018 08:44:25 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=899
Wau Holland hackt in einer Telefonzelle; Datenverarbeiter in der Sparkasse Ludwigsburg

Von deutschen Hackern bis zur Datenverarbeitung in Unternehmen reicht das Themenspektrum des neuen Sammelbandes. 

Die ausgearbeiteten Beiträge der Abschlusstagung des SAW Projekts „Aufbrüche in die digitale Gesellschaft. Computerisierung und soziale Ordnungen in der Bundesrepublik und DDR“, (30. und 31. März 2017, Potsdam), werden nun pünktlich zum nächsten Historikertag erscheinen. Die Beiträge befassen sich mit den Veränderungen durch die Etablierung der Computer, die seit den 1950er-Jahren zu massiven gesellschaftlichen Umwälzungen führten, jedoch in der Zeitgeschichtsforschung wenig beachtet wurden. Die Geschichte der Sicherheitspolitik, des Wohlfahrtsstaats und des Kreditwesens, der sich wandelnden Arbeitswelt, der Organisationstrukturen sowie die Geschichte der Subkulturen werden durch die Einbeziehung der Computertechnologie neu analysiert. Die technischen und gesellschaftlichen Wandlungsprozesse verliefen dabei selten gradlinig, wie die Beiträge, die sich vornehmlich mit der Bundesrepublik befassen, verdeutlichen.

Frank Bösch (Hg.): Wege in die digitale Gesellschaft. Computernutzung in der Bundesrepublik 1955-1990.
Ca. 320 Seite und ca. 12 Abb., geb., Schutzumschlag
ISBN: 978-3-8353-3290-4

https://www.wallstein-verlag.de/9783835332904-wege-in-die-digitale-gesellschaft.html

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Aufsatz zu jugendlichen Computernutzern in den 1980er-Jahren erschienen https://www.computerisierung.com/?p=897 https://www.computerisierung.com/?p=897#respond Tue, 10 Jul 2018 08:27:23 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=897 Der Sammelband zum Workshop „Let’s historize it! Jugendmedien im 19. Und 20. Jahrhundert“, der im September 2016 vom Lehrstuhl für Kultur- und Mediengeschichte in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Europäische Zeitgeschichte in Saarbrücken ausgerichtet wurde, ist nun erschienen. Neun Fallbeispiele zeigen hierin unter anderem für das 20. Jahrhundert auf, was unter Jugendmedien zu verstehen ist, welche Funktion diese hatten und wie anhand jugendliche Mediennutzer gesellschaftliche Gefüge verhandelt wurden.
Julia Erdogan hatte beim Workshop in Saarbrücken zu der Aneignung der Heimcomputer durch jugendliche Nutzer vorgetragen. Daraus ist der Aufsatz „Computerkids, Freaks, Hacker: Deutsche Hackerkulturen in internationaler Perspektive“ entstanden. Der Beitrag verfolgt dabei wie sich Jugendliche in der Bundesrepublik und in der DDR in den 1980er-Jahren im Spannungsfeld von Rationalisierungsdiskursen, Massenkonsum und gesellschaftlicher Transformationsprozesse der Computertechnologie für eigensinnige Praktiken bedienten. Vergleiche über die beiden Teilstaaten hinausgehend verdeutlichen ferner das internationale Phänomen der Hacker und die verschiedenen Handlungsspielräume, wie auch Gemeinsamkeiten, dieser Computersubkulturen.

Clemens Zimmermann / Aline Maldener (Hg.): Let’s historize it! Jugendmedien im 20. Jahrhundert, Vandenhoeck & Ruprecht, Wien, Köln, Weimar 2018. Softcover, 329 Seiten. ISBN 978-3-412-50893-7, 35,00€.

Leseproben unter https://www.vr-elibrary.de/isbn/9783412508937

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Workshopbericht „Computersubkulturen“ https://www.computerisierung.com/?p=765 https://www.computerisierung.com/?p=765#respond Thu, 20 Apr 2017 12:09:49 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=765 Am 24. und 25. März kamen internationale Forscher in Zürich zusammen, um die subkulturelle Computernutzung vor dem Internetzeitalter zu historisieren. Die Forschung zur Computergeschichte hatte lange Zeit einen Schwerpunkt auf die Entwicklung der Maschinen gelegt. Die Arbeiten konzentrierten sich zumeist auf die USA, sowie Mittel- und Westeuropa. Bei diesem Workshop zeigte sich, dass diese Zentren aufgebrochen werden und die Forschung zunehmend Nord-, Ost- und Südeuropa behandelt. Mittlerweile finden sich auch zahlreiche Arbeiten, die sich mit der Anwendung der Computer in Firmen und Institutionen befassen. Der Fokus rückt damit näher an eine Alltagsgeschichte heran, in der die kulturellen und sozialen Einflüsse der neuen Technologie herausgearbeitet werden. Die Computersubkulturen wurden dabei lange marginalisiert, wie Spieler oder Cracker, während bei Hackern immer noch Mythen dominieren.

Vor diesen Mythen mahnte Jürgen Danyel vom Zentrum für Zeithistorische Forschung in der Keynote. Man dürfe der eigenen Geschichtsschreibung dieser Szenen und Bewegungen nicht aufsitzen und müsse stets den historischen Kontext einzubeziehen. Lange Zeit waren es Angehörige dieser Gruppen selbst, die die Geschichte von Crackern, Hackern und der Demoszene erfassten. Und auch wenn unter den jungen Forschern dieses Feldes selbst Akteure und Zeitzeugen der 70er, 80er und 90er Jahre vertreten sind, so hat sich die Forschung zu den Computerszenen doch zu einem wissenschaftlichen Feld entwickelt.

Mathias Röhr von der Forschungsstelle für Zeitgeschichte aus Hamburg zum Beispiel behandelte unter anderem die Frage, warum die Mailbox-Nutzung in der Bundesrepublik und in den USA unterschiedlich verlief. Das Monopol der Deutschen Bundespost war dabei nicht alleine entscheidend, denn auch die US-amerikanischen Firma AT&T hatte eine Art Monopol inne. Auch die Stellung der Post innerhalb der Ministerien hatte einen wichtigen Einfluss, denn sie wurde nicht aus Steuergeldern finanziert. Die Post musste sich selbst finanzieren, also durch Einnahmen aus eigenen Produkten und Angeboten, und hiermit dem Auftrag nachkommen, die Telefonversorgung der Bundesrepublik auszubauen. Dies führte zu hohen Preisen bei den Modems, die man benötigte, um mit dem Computer online zu gehen, während man in den USA das Modem frei wählen konnte und somit günstigere Modelle nutzen konnte. Dies führte zu zahlreichen Spannungen mit der Mailbox-Szene, aber auch Kritik aus der Wirtschaft, die diese Beschränkungen stets anprangerten.
In zahlreichen Vorträgen konnte man nachvollziehen, wie vor allem die subkulturelle Nutzung von Computern deren Einzug in den Alltag begünstigte. Oder gar ermöglichte. Theodore Lekkas untersuchte dies am Beispiel Griechenlands, wo in den 1980ern durch Computer-Enthusiasten ein eigenes Computermodell entwickelt wurde. So wurde national ein eigener Markt erschlossen, der von Industrie-Riesen wie IBM nicht bedient wurde. Ulf Sandqvist stellte dar, wie schwedische Demoszener in die Wirtschaft eintraten und sich in die wachsende Branche der Spiele-Industrie einbrachten und dann wiederum scheiterten. Nicht nur in dem hier untersuchten Fall wurde die Frage nach den „fehlenden Frauen“ in den Computerszenen und –industrien verhandelt. Richtige Antworten lieferte der Workshop auf die Frage jedoch kaum. Nur die Abwesenheit oder Unterrepräsentation von Mädchen und Frauen wurde erwähnt und mit der frauenunfreundlichen Atmosphäre bei diesen Subkulturen erklärt. Das hohe Maß an Selbstdarstellung, sowie der hiermit einhergehende Konkurrenzkampf machten die Computernutzung in diesen Szenen für das weibliche Geschlecht unattraktiv. Wie Frauen jedoch den Computer nutzten, ob man Unterschiede zu den männlichen Nutzern ausmachen kann, welche Rolle die Ausbildungsmöglichkeiten, aber auch die Vermarktung der Computertechnologie spielten, wurde jedoch nur angedeutet. Ein Bereich, dem die Forschung deutlich mehr Raum geben sollte.

Angeregt wurde auch verstärkt vergleichende Perspektiven einzubeziehen. Und dies nicht nur auf einer zeitlichen Ebene, indem beispielsweise von der Zeitgeschichte weggehend auch Entwicklungen des 19. Jahrhundert berücksichtigt werden, sondern auch auf einer räumlichen. Gleb Alberts Präsentation etwa bezog eine globale Komponente bei seiner Untersuchung zu der Ökonomie der Cracker mit ein und warf auch Blicke auf die Türkei oder Brasilien, die erst nach den Cracker-Zentren in Nord- und Mitteleuropa in die Software Piraterie einstiegen.
Zweifelsohne befindet sich die Forschung zur Computergeschichte in Bewegung: von einer Geschichte des Objekts hin zu einer Alltagsgeschichte der Computernutzung. Die Forschungsarbeiten werden zahlreicher und die Archivierung von Materialien schreitet voran – dies haben unter anderem Markku Reunnanen und Canan Hastik in ihren Vorträgen gezeigt. Die wertvollen Erkenntnisse, sowie die spannenden Fallstudien sollen alsbald publiziert werden. Gemeinsam mit den Vorhaben einen Anschluss-Workshop zu gestalten und online über die Forschung zu informieren, soll dieser Workshop als Auftakt einer internationalen Forschung zu den historischen Subkulturen der Computernutzung dienen.

Hier geht es zum Interview mit dem Mitveranstalter Dr. Gleb Albert von der Universität Zürich und hier zu einem Workshopbericht auf Englisch von Ksenia Tatarchenko.

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Zwei aktuelle Rezensionen zur Geschichte der Informationsgesellschaft erschienen https://www.computerisierung.com/?p=541 https://www.computerisierung.com/?p=541#respond Mon, 29 Feb 2016 10:39:28 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=541 Vergangene Woche erschienen zwei neue Rezensionen unserer Projektmitarbeiter zur Geschichte der Informationsgesellschaft. Julia Erdogan las den Sammelband über Ada Lovelace der aufzeigt wann, wo und wie Frauen in der Geschichte der Computer mitgewirkt haben und unsichtbar gemacht wurden. Martin Schmitt ist positiv überrascht von Ronald R. Klines „Cybernetic Moment“, mit er die bisher umfassendste und detaillierteste Darstellung der Geschichte der Kybernetik vorlegt und darin der Frage nachgeht, wie unsere Zeit zum „Informationszeitalter“ wurde.

Cover S. Krämer (Hrsg.): Ada Lovelace

Krämer, Sybille (Hrsg.): Ada Lovelace. Die Pionierin der Computertechnik und ihre Nachfolgerinnen, Paderborn 2015. ISBN: 978-3-7705-5986-2; 221 S., 13 Grafiken, 10 SW-Abb.
von Julia Erdogan, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam, <Julia.Erdogan@rub.de>(Rezension redaktionell betreut von Jan-Holger Kirsch)

Sie ist die angeblich erste „Programmiererin“ der Geschichte: Ada Lovelace, eigentlich Augusta Ada Byron King, Countess of Lovelace. Sie wurde 1815 geboren und starb bereits mit 36 Jahren an Krebs. Der Sammelband nimmt Lovelace als Ausgangspunkt einer Untersuchung über Frauen in der Computernutzung, -anwendung und -entwicklung. Hervorgegangen ist der Band aus der Sonderausstellung „Am Anfang war Ada. Frauen in der Computergeschichte“ des Heinz Nixdorf MuseumsForums (September 2015 – Juli 2016), die mit Lovelaces 200. Geburtstag zusammenfällt.[1] Gegliedert ist das Buch in drei Teile: Der erste Teil widmet sich der Protagonistin selbst. Der zweite Teil befasst sich mit Frauen und Computertechnologie im 20. Jahrhundert, und im letzten Teil berichten Frauen von Erfahrungen und aktuellen Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung.  [weiterlesen]

 

 

Cover R. Kline: The Cybernetics Moment

Kline, Ronald R.: The Cybernetics Moment. Or Why We Call Our Age the Information Age, Baltimore 2015. ISBN: 978-1-4214-1671-7; XI, 336 S., 10 Abb.
von Martin Schmitt, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam, <schmitt@zzf-pdm.de>(Rezension redaktionell betreut von Jan-Holger Kirsch)

Der große Traum der kybernetischen Theoretiker lag darin, die Grenzen zwischen Natur- und Geisteswissenschaften einzureißen und eine universelle Inter-Disziplin zu erschaffen. Ihr außergewöhnlicher Erfolg liegt in ihrer anhaltenden, wenn auch indirekten Prägekraft bis heute. Kognitionswissenschaftler, Molekularbiologen und andere Wissenschaftler konzipieren ihre Forschungsgegenstände in Form von Strömen, Rückkoppelungen und Informationsverarbeitung. Die der Kybernetik entlehnte Informationstheorie ist in der Technologie verbaut, die wir jeden Tag verwenden, von Festplatten über Smartphones bis hin zum Internet als der Infrastruktur des so genannten Informationszeitalters. Der US-amerikanische Wissenschafts- und Technikhistoriker Ronald Kline analysiert in seinem Buch die Ursprünge der Kybernetik; er fragt, wie ihre Protagonisten dem Narrativ zu einem so gewaltigen Aufschwung verhalfen, dass wir unsere Epoche heute ganz selbstverständlich als Informationszeitalter bezeichnen. Den Schwerpunkt seiner Erzählung legt er allerdings auf die weniger geraden Stränge eines kybernetischen Diskurses, der nach einer Hochphase in den 1950er-Jahren ausfaserte und verblasste, während seine Prinzipien weiterlebten.  [weiterlesen…]

 

Text: Martin Schmitt, Julia Erdogan

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Wenn das Chaos seine Zelte aufschlägt https://www.computerisierung.com/?p=403 https://www.computerisierung.com/?p=403#respond Sun, 23 Aug 2015 16:35:37 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=403 Computer und Zeit in der Natur verbringen passen nicht zusammen? Doch, alle vier Jahre schon, wenn der Chaos Computer Club Hacker beim Campen vereint. Zum fünften Mal fand vom 13. – 17. August 2015 das Chaos Communication Camp statt. Diesmal auf dem Gelände der alten Ziegelei in Mildenberg, das jemand am Ortseingangsschild kurzerhand zu „Neuland“ machte.

neuland

Foto: Dirk Ollmetzer, Creative Commons Lizenz cc-by-nc-nd

Über 4.500 Hacker, Aktivisten und Künstler tummelten sich auf dem Areal, das zuvor von Freiwilligen mit einer kompletten Infrastruktur ausgestattet wurde – natürlich auch mit Glasfaserkabeln und Internetverbindungen. Die alten Bagger der Ziegelei, die Bäume auf dem Gelände oder auch ein Aussichtsturm auf einem kleinen Hügel wurde mit Lichtinstallationen ergänzt, sodass man seine Mate entspannt auf einer Hängematte mit Blick auf eine beeindruckende Lichtkulisse genießen konnte. Und auch die Züge der Ziegelei, die durch das Gelände fuhren, wurden von den Hackern in Beschlag genommen. So entstand ein Partyzug inklusive Bar und Bällebad, welches auf keiner Hackerveranstaltung fehlen darf. Als Gegenleistung und einfach weil Spaß daran bestand, wurden die Züge der Ziegelei von Bastlern repariert. Geben und Nehmen, das ist der Anspruch dieses kleinen Utopias mitten in Brandenburg – „Be excellent to each other“ das Leitmotto. Das Camp ist ein Nicht-Ort und auch ein Eutopia im wahrsten Sinne des Wortes. Denn all das existiert nur für wenige Tage für eine Community, die gemeinsame Überzeugungen und Werte teilt und die die Computertechnologie auf verschiedene Arten vereint.

Bei über 32° waren die Talks im stickigen Zelt weitaus weniger besucht als beim Kongress, der jedes Jahr nach den Weihnachtsfeiertagen stattfindet. Aber wegen der guten Internetverbindung und über das lokale Netzwerk konnte man sich alles per Stream bequem vom Campingstuhl aus ansehen. Das Camp dient auch, mehr noch als beim Kongress dazu, sich auszutauschen und zusammen zu sein. In den sogenannten Villages konnte man sich über Aktionen, Projekte und Hacks einzelner Hackerspaces informieren, mitmachen und Neues lernen.

Vor allem für den Hacker-Nachwuchs gab es viel spannendes Programm, nicht nur auf technischer Ebene. Im Park selbst leben Schafe, Schweine und Ziegen und es gibt einen Badesee, der ebenso wie die außenliegenden Seen gut besucht war. Das Highlight war aber wohl für die Kleinen der Raketen-Workshop, bei dem man seine eigene kleine Rakete gen Himmel steigen lassen konnte. Und auch Ralph Caspers (bekannt aus „Wissen macht Ah!“ und „Die Sendung mit der Maus“), den die Kinder bei einem Meet and Greet nach seinem Vortrag kennenlernen konnten, war sehr gefragt.

Chaos_Communication_Camp_2015_with_Thunderstorm

Foto: Robert Anders, Creative Commons License cc-by-2.0

Die Mischung aus (Technik)Kultur und Natur lieferte auch die Wetterlage. Das einbrechende Gewitter am Sonntag, dessen Blitze das Campgelände zum Glück um einige hundert Meter verfehlte, brachte ein beeindruckendes Foto hervor, das einmal durch das ganze Camp weitergeleitet und gezeigt wurde.

Mit Constanze Kurz und Frank Rieger, zwei Sprechern des CCC, unterhielt ich mich in einem großen Tipi über Computer in der DDR und nach dem Mauerfall und konnte so auch wertvolle Informationen für die Dissertation gewinnen. Und dokumentiert wurde das Camp diesmal auch, von Aufbau bis Abbau von der Hamburger Regisseurin Sandra Trostel. Als kleinen Vorgeschmack, bis die Doku fertig ist, ein Video von Thorsten Borchers.

 

 

Text: Julia Erdogan
Bilder: Dirk Ollmetzer, Creative Commons Lizenz cc-by-nc-nd; Robert Anders, Creative Commons License cc-by-2.0
Video: Thorsten Borchers

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Computerisierung auf der Langen Nacht der Wissenschaften https://www.computerisierung.com/?p=319 https://www.computerisierung.com/?p=319#respond Sun, 14 Jun 2015 15:26:15 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=319 Über Wissenschaft in der Öffentlichkeit und unser Forschungsprojekt bei der „klügsten Nacht des Jahres“ in Berlin. Von Martin Schmitt

Auf der Langen Nacht der Wissenschaften, die am Sonntag dem 13. Juni in Berlin und Potsdam stattfand, stellte unsere Projektmitarbeiterin Julia Erdogan der interessierten Öffentlichkeit unser Gesamtprojekt und ihr Teilprojekt zu den Hackern in Deutschland vor. Im historischen Gebäude des Naturkundemuseums, in dem sich die Institute der Leibniz Gemeinschaft präsentierten, verdeutlichte sie die historische Entwicklung von Hackern und deren öffentlicher Wahrnehmung zwischen Watchgroup und krimineller Bedrohung. Es gelang den Hackern in Deutschland seit den 1980er-Jahren durch zahlreiche öffentlichkeitswirksame Aktionen nicht nur, auf die Sicherheitslücken der Computersysteme aufmerksam zu machen, sondern zugleich dazu beizutragen, die positive Schaffenskraft des Computers in einer demokratischeren Gesellschaft zu etablieren. Zerstörerische Elemente der Hackerhandlungen deutete Julia Erdogan mit Schumpeter als konstruktiver Erneuerungsfaktor und damit als kreatives Element. Hacker seien bis heute eine sehr heterogene Gruppe, welche die Lust am Handeln mit und durch den Computer charakterisiere.

Neben Fragen zur generellen Ausrichtung des Projektes identifizierten sich das Publikum stark mit der historischen Computerentwicklung und schwelgte in Erinnerung an die erste verschickte Mail und den ersten Computer. Aber auch kritischere Fragen bewegten die anwesenden Bürger und Bürgerinnen: Wie viele Hacker gab es denn überhaupt in Deutschland? Und wie war ihre Situation in der DDR? Gab es einen Linux-Zwang unter den Hackern, also folgten sie nicht selbst einer normierenden, standardisierenden Subkultur?

Julia Erdogan und mit ihr das Projekt zur Computerisierung in BRD und DDR erzeugten ein großes öffentliches Interesse und trugen zu einer gelungenen langen Nacht der Wissenschaften in Berlin bei, auf der sich die Wissenschaft in all ihren Facetten zeigte. Zu sehen waren computertechnologischen Neuerungen in den T-Labs der TU Berlin über die vielfältigen Erfahrungsangebote wissenschaftlicher Produkte wie in der Hochspannungshalle des Institutes für Energie- und Automatisierungstechnik oder den Berliner Bibliotheken bis hin zu Science Slams als locker aufbereitete Ergebnispräsentation.

Höhepunkte der Langen Nacht war dann neben dem Feuerwerk der gemeinsame Science Slam der TU Berlin, der UDK und der HDK im komplett vollen Audimax der TU-Berlin. Ihn gewann der spontan eingesprungene Tobias Hölzer mit einem humorigen Slam über die Zukunft des Computings. Er zeigte an Hand einer Dating-Situation zwischen Mann und Frau die Funktionsweisen moderner Quantencomputer. Aus Computerisierungs-Perspektive war daran vor allem die Annahme spannend, die gesamte soziale wie auch physische Welt als berechenbar anzusehen – wenn man nur den ausreichend leistungsfähigen Computer dazu hat. Die Forschung an den Quantencomputern stehe noch sehr am Anfang, betonte Hölzer. Aber die Entwicklungen seien rapide. Als Anwendungsgebiete sieht er vor allem Big-Data-Suchen, ausgefeilte Simulationen der Welt, bis hin zu unknackbarer Kryptografie, beispielsweise für Geheimdienste. Es ist spannend, was in den nächsten Jahren hier auf uns und die Gesellschaft zukommen.

Insgesamt besuchten fast 27.000 Besucher die Lange Nacht der Wissenschaften in Berlin. Sie bekamen einen Einblick in die Welt der Wissenschaften, der ihnen all zu häufig verschlossen bleibt und nahmen ein Stück der Begeisterung mit nach Hause, mit der vor allem die jungen Wissenschaftler mit leuchtenden Augen von ihren Projekten erzählten.

  • Science Slam
    Science Slam

Autor: Martin Schmitt
Bildrechte:

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Dieses Werk von Martin Schmitt ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

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AESTHETICA – 50 Jahre computergenerierte Kunst https://www.computerisierung.com/?p=313 https://www.computerisierung.com/?p=313#respond Wed, 03 Jun 2015 13:05:55 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=313 „Man kann mit einem Computer Kunst und Schönheit schaffen.“ So lautet der sechste Punkt der Hacker-Ethik, die der Journalist Steven Levy 1984 in seinem Buch über „Hacker“ als deren Wertekodex ausmachte. Die Computerkunst war allerdings nicht rein den Hackern überlassen. Schon früh interessierten sich weltweit Künstler und Kulturschaffende für die neuen, faszinierenden Möglichkeiten, welche die neue Technologie bot. Die Kuratoren der Ausstellung AESTHETICA in der Berliner DAM Gallery, die vergangenen Freitag eröffnet wurde, widmen sich ihren prononciertesten Vertretern wie Vera Molnar und Manfred Mohr. Molnar und Mohr bildeten mit ihren frühen Plotterzeichnungen die Speerspitze einer Digitalen Kunstavantgarde, die weit über den Eisernen Vorhang reichte. So schuf in der DDR beispielsweise Horst Bartnig bereits 1979 zeichnende Algorithmen mit der Idee, die Zufälligkeit aus dem Zeichenprozess auszuschließen. Dazu arbeitete er mit Mathematikern und Programmierern des Zentralinstituts für Informatik und Rechentechnik in Berlin-Adlershof zusammen.
Ausgewählte Werke dieser bis heute bedeutende Computerkunst-Avantgarde sind noch bis zum 1. August in der DAM Gallery, Neue Jakobstr. 6, zu sehen.

 

AESTHETICA
50 JAHRE COMPUTERGENERIERTE KUNST

DAM GALLERY, Berlin

Neue Jakobstr. 6
2., linker Hinterhof
10179 Berlin

Tel: +49 (0)30 28 09 81 35
E-Mail: office(at)dam.org

Di – Fr  12 – 18 Uhr
Sa  12 – 16 Uhr

Ausstellung: 30. Mai – 1. August 2015

Künstler:

Horst Bartnig, D⎜Peter Beyls, B⎜Vuk Cosic, SLO⎜Hans Dehlinger, D⎜Manuel Felguerez, MEX⎜Patrick Lichty, US⎜Tony Longson, GB⎜Rafael Lozano-Hemmer, MEX-CDN⎜Manfred Mohr, D ⎜Vera Molnar, F⎜Frieder Nake, D⎜Georg Nees, D⎜Casey Reas, US⎜Brian Reffin Smith, GB⎜Antoine Schmitt, F⎜Sommerer & Mignonneau, A-F⎜Kerry Strand, US⎜Roman Verostko, US⎜Roger Vilder, F-CDN⎜Mark Wilson, US

 

Autor: Martin Schmitt

Bild: Frieder Nake, 7.4.65 Nr. 1+6, Plotterzeichnung, Tinte auf Papier, 1965, Quelle DAM Gallery

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