Dresden war einst die Hauptstadt der DDR-Mikroelektronik. Das Kombinat Robotron, ein ostdeutsches Pendant zu Siemens, hatte in der Stadt seinen Stammsitz. Seine Mitarbeiter entwickelten und produzierten die Basis der Computerisierung Ostdeutschlands. Ein Gruppe unseres Forschungsprojektes besuchte diesen Samstag die Technische Sammlung Dresden, wo zahlreiche Exponate aus der Zeit Robotrons ausgestellt werden.
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Sammelband des Computerisierungsprojekts am ZZF erscheint zum Historikertag

Von deutschen Hackern bis zur Datenverarbeitung in Unternehmen reicht das Themenspektrum des neuen Sammelbandes.
Die ausgearbeiteten Beiträge der Abschlusstagung des SAW Projekts „Aufbrüche in die digitale Gesellschaft. Computerisierung und soziale Ordnungen in der Bundesrepublik und DDR“, (30. und 31. März 2017, Potsdam), werden nun pünktlich zum nächsten Historikertag erscheinen. Die Beiträge befassen sich mit den Veränderungen durch die Etablierung der Computer, die seit den 1950er-Jahren zu massiven gesellschaftlichen Umwälzungen führten, jedoch in der Zeitgeschichtsforschung wenig beachtet wurden. Die Geschichte der Sicherheitspolitik, des Wohlfahrtsstaats und des Kreditwesens, der sich wandelnden Arbeitswelt, der Organisationstrukturen sowie die Geschichte der Subkulturen werden durch die Einbeziehung der Computertechnologie neu analysiert. Die technischen und gesellschaftlichen Wandlungsprozesse verliefen dabei selten gradlinig, wie die Beiträge, die sich vornehmlich mit der Bundesrepublik befassen, verdeutlichen.
Frank Bösch (Hg.): Wege in die digitale Gesellschaft. Computernutzung in der Bundesrepublik 1955-1990.
Ca. 320 Seite und ca. 12 Abb., geb., Schutzumschlag
ISBN: 978-3-8353-3290-4
https://www.wallstein-verlag.de/9783835332904-wege-in-die-digitale-gesellschaft.html
Aufsatz zu jugendlichen Computernutzern in den 1980er-Jahren erschienen
Der Sammelband zum Workshop „Let’s historize it! Jugendmedien im 19. Und 20. Jahrhundert“, der im September 2016 vom Lehrstuhl für Kultur- und Mediengeschichte in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Europäische Zeitgeschichte in Saarbrücken ausgerichtet wurde, ist nun erschienen. Neun Fallbeispiele zeigen hierin unter anderem für das 20. Jahrhundert auf, was unter Jugendmedien zu verstehen ist, welche Funktion diese hatten und wie anhand jugendliche Mediennutzer gesellschaftliche Gefüge verhandelt wurden.
Julia Erdogan hatte beim Workshop in Saarbrücken zu der Aneignung der Heimcomputer durch jugendliche Nutzer vorgetragen. Daraus ist der Aufsatz „Computerkids, Freaks, Hacker: Deutsche Hackerkulturen in internationaler Perspektive“ entstanden. Der Beitrag verfolgt dabei wie sich Jugendliche in der Bundesrepublik und in der DDR in den 1980er-Jahren im Spannungsfeld von Rationalisierungsdiskursen, Massenkonsum und gesellschaftlicher Transformationsprozesse der Computertechnologie für eigensinnige Praktiken bedienten. Vergleiche über die beiden Teilstaaten hinausgehend verdeutlichen ferner das internationale Phänomen der Hacker und die verschiedenen Handlungsspielräume, wie auch Gemeinsamkeiten, dieser Computersubkulturen.
Clemens Zimmermann / Aline Maldener (Hg.): Let’s historize it! Jugendmedien im 20. Jahrhundert, Vandenhoeck & Ruprecht, Wien, Köln, Weimar 2018. Softcover, 329 Seiten. ISBN 978-3-412-50893-7, 35,00€.
Leseproben unter https://www.vr-elibrary.de/isbn/9783412508937
„Manhattan“ der DDR-Rechentechnik – eine Exkursion in das Rechenwerk Halle
Nur wenigen ist dieses Kleinod unter den Computermuseen bekannt, das „Rechenwerk“ in Halle (Saale). In einer kleinen Industriehalle im östlichen Gewerbegebiet haben eine Handvoll Enthusiasten eine Sammlung von DDR-Rechentechnik aufgebaut, die ihresgleichen sucht. Von frühen Buchungsmaschinen aus der Zeit der Weimarer Republik über Heimcomputer in Hobbyproduktion bis hin zu Industrieroboterarmen von Robotron oder dem angeblich zweitschnellsten Großrechner der DDR beeindruckt die Sammlung allein schon durch ihre schiere Masse. Das Tollste dabei: Fast alle Artefakte lassen sich einschalten. Gemeinsam mit der GI-Fachgruppe „Informatik- und Computergeschichte“ unternahmen wir Anfang März eine Exkursion in die ambivalente Computergeschichte der ehemaligen DDR (von Martin Schmitt)
Einladung: Computernutzung in der DDR – Das Potsdamer Rechenzentrum und die Digitalisierung in Ostdeutschland
22.02.2018, 18-20 Uhr | Kosmos, EG Rechenzentrum Potsdam | Dortustr. 46, Potsdam
Auch in der DDR gewann bereits seit Ende der 1950er Jahre die Nutzung von Computern rasant an Bedeutung. Vor allem Rechenzentren übernahmen dabei, wie auch in Potsdam, seit den 1960er Jahren die digitale Datenverarbeitung. Welche Aufgaben hatten die Großrechner hier? Welche Folgen hatte ihr Einsatz im Sozialismus? Und warum gelang es der DDR, mit die fortschrittlichste Computertechnologie im Sozialismus zu errichten, aber nicht, an die Computertechnik im Westen anzuschließen?
Experten für Computergeschichte vom Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) diskutieren diese Fragen mit Zeitzeugen, die im Potsdamer Rechenzentrum einst gearbeitet haben. Damit wird die Geschichte eines Gebäudes erkundet, dessen möglicher Abriss derzeit öffentlich heiß diskutiert wird.
Wir laden Sie herzlich ein, zu kommen und mitzudiskutieren. Im Foyer des Rechenzentrums werden zudem einige Exponate von Kleinrechnern aus den 1980er-Jahren gezeigt, die im Rechenzentrum zum Einsatz kamen.
Programm & Einladung: „Computernutzung in der DDR: Das Potsdamer Rechenzentrum und die Digitalisierung in Ostdeutschland“
Twitter: #rzpotsdam
Facebook: https://www.facebook.com/events/1820207508278763/
Text: Martin Schmitt, Frank Bösch
Titelbild: Adam Sevens
Digitalgeschichte ausstellen und vermitteln
Wie lässt sich Computertechnologie im Museum präsentieren, wenn einer ihrer essenziellen Bestandteile die Software ist, also die In-Betrieb-Name des Rechners durch den Nutzer? Um dieser Frage nachzugehen, kam die Fachgruppe Computergeschichte der Gesellschaft für Informatik diesen Samstag, 20. Januar 2018, im Oldenburger Computermuseum zu ihrer vierten Sitzung zusammen und widmete sich dem Thema der (Aus-) Stellung des Computers. Diskutiert wurde vor allem an Hand der hands-on Ausstellung des dortigen Computermuseums, das Minicomputer in Betrieb zeigt. [direkt zum Programm]
Abschlusstagung: „Wege in die digitale Gesellschaft. Computer und Gesellschaftswandel seit den 1950er Jahren“, 30.-31. März 2017, Potsdam
Welche Verbindung gab es zwischen digitalem und sozialem Wandel in Deutschland zwischen 1950-1990? Diese Frage stand von Beginn an im Mittelpunkt unseres von der Leibniz-Gemeinschaft geförderten Forschungsprojektes. Nach zweieinhalb Jahren Projektlaufzeit ist nun der Moment gekommen, die Ergebnisse unserer Untersuchungen mit der breiten Fachöffentlichkeit zu diskutieren. Hierzu laden wir herzlich vom 30.-31. März 2017 an das ZZF Potsdam. Das vollständige Programm:
Frohe Weihnachten!
2016 neigt sich dem Ende zu. An dieser Stelle wollen wir die Gelegenheit nutzen und uns bei all unseren Lesern und Leserinnen zu bedanken, die unsere Blogposts über das letzte Jahr gelesen haben. Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr! 2017 melden wir uns zurück mit Neuigkeiten aus der Digitalgeschichte und aus unserem Projekt.
Foto: Schloss Universität Hohenheim
im Winter. © Martin Schmitt
Neu erschienen: Martin Schmitt – The Code of Banking
Oftmals werden wir auf Konferenzen gefragt, ob wir denn schon etwas aus dem Computerisierungs-Projekt veröffentlicht haben, auf dass man sich beziehen könne. Neben dem 2012 erschienen Heft in den Zeithistorischen Forschungen zur Geschichte der Informationsgesellschaft verweisen wir immer auf den programmatischen Artikel von Jürgen Danyel und Annette Schuhmann im Sammelband „Geteilte Geschichte„. Diese Woche kam nun ein weiterer Artikel hinzu, in dem unser Projektmitarbeiter Martin Schmitt den Schwerpunkt seiner Arbeit angeht: Software in Banken. Der Titel des Artikels lautet: „The Code of Banking. Software as the Digitalization of German Savings Banks„
Computer im Stall
In den späten 1960er-Jahren entwickelte sich der Computer zum Inbegriff der Modernität. Nachdem die Vorreiter wie die deutschen Banken und Sparkassen oder die Rentenversicherungen schon seit fast einem Jahrzehnt Computertechnologie nutzten, hielt er nun auch in immer breiteren Kreisen Einzug. Von den staatlichen Verwaltungen bis hin zur Landwirtschaft reichte sein Einsatz, wie ein interessanter Quellenfund aus dem Bundesarchiv veranschaulicht. In einer Sendung der UFA-Wochenschau präsentierte ein Sprecher vor schmissiger Musik, was die Landwirtschaft alles für ihre Modernisierung tue. Dabei finden sich Aufnahmen aus dem ersten Rechenzentrum Deutschen Zentrum für Tierzucht, in dem ein Computer die beste Paarung für die Rinderzucht berechnete. Dabei ist auffällig, in welche Linie der Computer hier gestellt wird. Rationalisierung und Industriemoderne waren Zauberworte des Computereinsatzes, dazu kam noch ein bisschen Dezentralisierung – und schon sahen die deutschen Bauern in der öffentlichen Meinung nicht mehr ganz so rückständig aus.
Text: Martin Schmitt
Quelle: BArch UFA-Dabei 647/1968, Filmarchiv des Bundesarchivs. Technische Daten: 35 mm, s/w. URL: https://www.filmothek.bundesarchiv.de/video/584837. Zuletzt abgerufen: 5.12.2016
Dank: Veronika Settele







