Museum – .computerisierung https://www.computerisierung.com Sun, 29 Jul 2018 11:03:18 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Zu Besuch bei Robotron: Exkursion zur Technischen Sammlung Dresden https://www.computerisierung.com/?p=906 https://www.computerisierung.com/?p=906#respond Sun, 29 Jul 2018 10:48:05 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=906 Dresden war einst die Hauptstadt der DDR-Mikroelektronik. Das Kombinat Robotron, ein ostdeutsches Pendant zu Siemens, hatte in der Stadt seinen Stammsitz. Seine Mitarbeiter entwickelten und produzierten die Basis der Computerisierung Ostdeutschlands. Ein Gruppe unseres Forschungsprojektes besuchte diesen Samstag die Technische Sammlung Dresden, wo zahlreiche Exponate aus der Zeit Robotrons ausgestellt werden.

Die stadtgeschichtliche Bedeutung der Mikroelektronik in Dresden springt einen an, noch bevor man die eigentliche Sammlung betritt. Unweigerlich kreuzt der Besucher das ehemalige Robotron-Gelände gegenüber des Rathauses. Hier residierte einst die EDV in der Stadtmitte. In der Technischen Sammlung angekommen begrüßte uns Thomas Falk, Vorsitzender des Fördervereins der seit 1992 im ehemaligen VEB Pentacon angesiedelten Museums. Bereits im Vorraum der Sammlung befindet sich eine kleine Sonderausstellung zu Dresden als Standort der Halbleiter- und Mikrochipproduktion bis heute. Es ist ein wenig wie seinerzeit in der Strategie IBMs: Der Primat des Prozessors steht an vorderster Stelle. Neben den kleinen Chips, die in den Vitrinen wie kostbare Juwelen präsentiert werden, erfährt der Besucher aus zeitgenössischen Dokumentation mehr über den komplexen Prozess der Mikrochipherstellung. Neben dem 1 MB Chip der DDR prangt stolz ein Quellendokument Siemens, das angesichts der Verschlossenheit des Münchner Konzerns aus dem Robotron-Bestand stammen muss: Der Chip erfülle die hohen Qualitätskriterien Siemens und löse bei seinen Mitarbeitern großes Interesse aus, berichtete der Leiter des Siemens Testlabors im April 1990 wohlwollend. Nur würde der Chip sehr einem Toshiba-Fabrikat ähneln, was nun weiter überprüft wurde. Dabei ist diese oft belächelte Fall der Industriespionage gar nicht der zentrale Punkt. Vielmehr gelang es den DDR-Technikern, das hochkomplexe Verfahren zu meistern, die Chips überhaupt in einer ausreichenden Qualität industriell zu fertigen. Dabei bedurfte es nicht nur hunderten Schritte feinster Präzision, sondern auch eines aufwendigen Equipments, gut ausgebildeten Leuten, einem langen Vorlauf, den Rohstoffen und dem Fertigungswissen, um aus einer Kopie einen Chip zu machen. Das Gefühl zieht sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung: Welch ein großindustrieller Aufwand es für ein kleines Land wie die DDR gewesen sein muss, abseits des Weltmarktes sein eigenes Digitales Zeitalter aus dem Boden zu stampfen.

 

Das beginnt schon bei dem ersten Exponat der Sammlung, dem Zeiss Rechenautomaten 1 (ZRA 1). Es ist nicht die biedere Fertigungsform des noch „Automaten“ genannten Computers, der platziert auf einem Holzschreibtisch eher wie eine zu groß geratene Büromaschine wirkt. Es ist vielmehr das Begleitvideo aus dem Herstellungsprozess der Maschine, das einem den Aufbruch in das Digitale Zeitalter mit seiner ganzen Dynamik vor Augen führt. Flinke Frauenhänden löteten Schaltungen zusammen, geniale Männerköpfe ersannen die Software, welche die Maschinen erst nützlich machten. Das auf den ersten Blick klischeehafte Geschlechterverhältnis löst sich auf in dem Stolz in den Augen der Frauen, die ihre Gesundheit ruinieren mochten, aber an der Zukunft arbeiteten: „diese Frauen waren Friseurinnen, Hausfrauen, Schneiderinnen, ehe sie ihren neuen Beruf im Zeiss-Rechenautomatenbau in Saalfeld erlernten – einem neuen Industriezweig“. Damit unterschied sich der sozialpolitische Anspruch in der DDR nicht von dem in Westdeutschland, wo sich bei der Zuse KG dieselben Sätze finden lassen. Überragt wird das sorgsame angeordnete technische Ensemble von dem Endpunkt der Sammlung, der zur hochaktuellen Frage des Energieverbrauchs des Digitalen Zeitalters überleitet: Das Netzteil der ZRA 1 ist größer als mancher Großrechner in der Folgezeit. Es ist ein Produkt europäischer Industriekultur. Digitalisierung war nicht das Gegenteil der Industrialisierung. Digitalisierung beruhte maßgeblich Industrialisierung. So trug der ZRA 1 als Passagepunkt zur Digitalisierung noch einen Kippschalter, mit dem sich notfalls noch von „Maschine“ auf „Hand“ umstellen ließ.

  • Der ZRA 1 als Industriekultur

Die Technische Sammlung Dresden, die schon seit 1966 besteht, verfolgt dabei naturgemäß ein anderes Konzept, wie es beispielsweise Hands-on Museen in Paderborn oder Sammlungen wie in Halle hochhalten. Der Dresdner Schwerpunkt liegt auf dem Erhalten und Bewahren des Artefaktes im Zustand nach dem Ende seiner Nutzung – nicht auf einer Nutzung durch den Besucher, nicht auf einer funktionalen Performanz. Dementsprechend distanzieren sich die Rechner vom Besucher, sprechen in einer anderen Sprache zu ihm, in der des Objektes. Die Sammlung läuft in der Sprache des ZRA 1 noch im Modus „Maschine“, nicht im Modus „Hand“. Vor allem die räumliche Weitläufigkeit beeindruckt, die der wunderschöne Industriebau ermöglicht. Die Sammlung wirkt nicht so überfrachtet, sondern erlaubt dem Besucher eine Konzentration.

Dabei spielen die Kuratoren, unter Ihnen Dr. Ralf Pulla, mit dem Raum. Nach Lehrrechnern des DDR-Informatikpioniers Nikolaus Lehmanns und einem vergleichenden Blick in die Bundesrepublik mit dem User Rechner Z22 stellt sich der PLR 1 wie eine Wand vor den Besucher. Mit seinen hunderten Röhren in wuchtigen Eisenschränken versperrte er nicht nur in der Sammlung den Weg zu den nachfolgenden Robotron-Computern. Der nur als Prototyp gebaute Lochkarten-Rechner band auch so manche Ressource. Dahinter eröffnet sich das Ensemble, das als das Herzstück der Ausstellung gelten kann: Die Elektronische Datenverarbeitungsanlage Robotron 300. Dieser insgesamt über dreihundert Mal hergestellte Computer mittlerer Leistungsfähigkeit galt als der ganze Stolz der DDR. Er kam vor allem in Wirtschaftsbetrieben zum Einsatz, aber auch bei der Staatlichen Verwaltung oder dem Militär. Die in Dresden gezeigte Anlage inklusive der grauen Schränke mit Stromversorgung, Speicher, Magnetbandeinheiten, Drucker und Lochkarten-Lese-und-Stanzeinheit stammt aus den VEB Rafena-Werken Radeberg von 1967. Die Technische Sammlung Dresden zeigt ihn in einem begehbaren Ensemble, der dem Besucher eine Vorstellung seiner räumlichen Anordnung in einem Betrieb gibt. So wird Digitalgeschichte erfahrbar.

Von seiner Nutzung zeugen die abgeriebenen Tasten und rostigen Ecken auf der vormals glänzenden Paneele. Der Notabschaltknopf prangte markant rot in der Mitte. Scheinbar traute die Datenverarbeiter der Verlässlichkeit der teuren Technik doch noch nicht ganz über den Weg. Die Schränke sind gefüllt mit gelöteten Transistoren auf Steckkarten, die sich aneinanderreihen. Ein Robotron 300 computerisierte nicht nur die Wirtschaft. Er war auch ihr Produkt, ein Produkt hochtechnologischer Industriefertigung. Stolz prangt der Schriftzug „Made in DDR“ in schönstem Denglisch, selbst wenn seinerzeit noch die Inspiration und viele Teile aus dem Westen importiert werden mussten. Positiv gewendet nutzten die Techniker die Bedingungen einer sich langsam europäisierenden und globalisiernden Wirtschaft, um deren Produkten einen eigenen Touch zu geben.

Diesen eigenen Stil trägt auch das Zeiss Magnetband Gerät ZMB 30, ein herausragendes Exemplar des hochwertigen Industriedesigns der DDR. Die Magnetbänder waren die Voraussetzung für den Computereinsatz in der Wirtschaft, ließen sich auf ihnen doch große Datenmengen speichern, schnell schreiben und lesen und sie waren sogar mobil! Manch westliches Magnetbandgerät sah allerdings vielmehr wie die Mischung aus Blitzer und Verteilerkasten. Dagegen hebt sich das ZMB30 deutlich ab. Wie ein gespannter Bogen sieht sie aus, dazu bereit, das Industriezeitalter in die Digitale Moderne zu schießen – ohne dass ihr ein archaisches, kraftvolles Moment abgeht. Wie bei einem Bogen muss der Bediener das Magnetband um eine Reihe von Spulen fädeln, mit denen sich die großen Beschleunigungs- und Bremskräfte regulieren und sich das Band stets gespannt halten ließ. Diese Geräte waren es, welche die DDR digital machten. Nur mit ihnen konnte Zugriff genommen werden auf die großen Datenschätze der Organisationen, Betriebe und der Wissenschaft.

  • ZMB 30

In der Folge setzt sich die Sammlung chronologisch fort: Neben ESER-Rechnern und Kleincomputern stellen die Dresdner auch zahlreiche Analogrechner aus. Sie wurden in den Industriebetrieben eingesetzt, um durch elektronische Schaltungen das verhalten physischer Systeme durch Differenzialgleichungen zu simulieren. Eine Überraschung erwartete uns, als wir zum D4a Nikolaus Lehmanns zurückkehrten. Dort drehte eine Filmemacherin gerade einen Trickfilm zu Computergeschichte der DDR. Als Artist in Residence erschließt sich Katrin Rothe die Geschichte der DDR-Rechentechnik aus künstlerischer Perspektive. Wir sind gespannt. Zurück nach Berlin ging es schließlich vorbei an den ehemaligen Gebäuden von Robotron in der Dresdner Innenstadt. Noch stehen die Hälfte der Gebäude, die andere Hälfte sind bereits abgerissen. Groß prangt in blauen Lettern „M + M Computer“ über dem Gebäude. Am seitlichen Flügel findet sich sogar noch ein Schild, auf dem der Name Robotron prangt. Inmitten sozialistischer Moderne, die unterstützt von Pflasterkunst und Wasserspiel den Aufbruch ins Morgen symbolisierte, finden sich heute eine Skaterbahn und ein Hostel. Langfristig sollen die Gebäude Wohnhäusern weichen. Auch die Stadtverwaltung, passender Weise das „Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft“, möchte die Gebäude nicht länger nutzen. Schade eigentlich, gelang es der Stadt Dresden mit der Renovierung des Kulturpalast in direkter Nähe zur Frauenkirche doch deutlich besser als Potsdam, mit seinem sozialistischen Erbe umzugehen. Die Parallelen in der Fassadengestaltung von Potsdamer Rechenzentrum um dem Stammsitz von Robotron sind dabei unverkennbar. Das Digitale Zeitalter erbte die Standardisierung der Industrialisierung auch im Bauen.

  • Das ehemalige Robotron-Gelände

Text: Martin Schmitt

Fotos: Martin Schmitt, Janine Funke, CC 3.0

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„Manhattan“ der DDR-Rechentechnik – eine Exkursion in das Rechenwerk Halle https://www.computerisierung.com/?p=817 https://www.computerisierung.com/?p=817#respond Thu, 08 Mar 2018 15:58:06 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=817

Nur wenigen ist dieses Kleinod unter den Computermuseen bekannt, das „Rechenwerk“ in Halle (Saale). In einer kleinen Industriehalle im östlichen Gewerbegebiet haben eine Handvoll Enthusiasten eine Sammlung von DDR-Rechentechnik aufgebaut, die ihresgleichen sucht. Von frühen Buchungsmaschinen aus der Zeit der Weimarer Republik über Heimcomputer in Hobbyproduktion bis hin zu Industrieroboterarmen von Robotron oder dem angeblich zweitschnellsten Großrechner der DDR beeindruckt die Sammlung allein schon durch ihre schiere Masse. Das Tollste dabei: Fast alle Artefakte lassen sich einschalten. Gemeinsam mit der GI-Fachgruppe „Informatik- und Computergeschichte“ unternahmen wir Anfang März eine Exkursion in die ambivalente Computergeschichte der ehemaligen DDR (von Martin Schmitt)

(Halle) Es ertönte ein unverwechselbares hohes Fiepen, als unser Museumsführer Sebastian Czech das Sparkassenterminal K 8924 einschaltete. Der Bildschirm begann grün zu glühen, wie selbstverständlich glommen Buchstabe eines untergegangenen Systems. „Die Banken und Sparkassen setzten ihr eigenes Betriebssystem Sios ein, das sie auf ihren Terminals installierten“ gab Czech zu bedenken, bevor er versuchte, einige Befehle in die Konsole einzutippen. Schon seit einer Weile suchte ich nach einem funktionsfähigen Terminal der Sparkassen der DDR, um zu erfahren, wie vor allem die auf ihm laufenden Programme die alltägliche Bank- und Sparkassen-Arbeit veränderten. Weit kamen wir nicht in den Dialogen, denn bei der derzeitigen Kälte verweigerte so manche alte Maschine ihren Dienst. Das Keyboard funktionierte nicht und so ließ ich die Objektanordnung bestehend aus braunplastikbestückten Diskettenlaufwerken, einem schwarz-weißen Ziffernblock, einem weißumrandete Magnetkartenleser und einem Nadeldrucker auf mich wirken.  Was für ein Unterschied muss es für einen Sparkassenmitarbeiter in der DDR gewesen sein, an diesem kleinen Stück Zukunft zu arbeiten, war er doch eine mechanische Gegenwart gewohnt?

 

Eine Antwort auf diese Frage erlaubte der umfangreiche Fundus des Rechenwerks Halle und sie fällt keineswegs eindeutig aus. Technische Hilfsmittel hatten in der Sparkassenarbeit der DDR Tradition. Die Sammlung verdeutlicht dies gleich zu Beginn, als uns Sebastian Czech durch eine Vielzahl von Buchungsmaschinen aller Klassen führte. Buchungsmaschinen waren anfangs noch so etwas wie schnelle Taschenrechner. In Sparkassen wurden sie eingesetzt, um Rechnungen schnell und fehlerfrei durchzuführen. Die potente Büromaschinenindustrie, welche die DDR noch aus der Weimarer Republik und dem „Dritten Reich“ erbete, formte im ersten Nachkriegsjahrzehnt aus einfachen Rechnern multifunktionale Buchungsmaschinen. „Das ist quasi wie ein Excel-Dokument in mechanischer Form“ führte Czech aus, während sein Finger über eine mechanische Anzeige fährt, die einer Spalte entsprach.

 

Im nächsten Moment hält er das Kernstück der Buchungsmaschinen in der Hand, einen mechanischen Prozessor. Manche Buchungsmaschinen hatte bis zu neun Prozessoren verbaut. Und selbstverständlich steht im Rechenwerk Halle eine solche Buchungsmaschine, der „Buchungsautomat Ascota Klasse 170“. Sie war das Flaggschiff der mechanischen DDR-Rechentechnik. Andächtig nannten sie die Zeitgenossen auch die „Königin der Buchungsmaschinen“. Über 330.000 Stück produzierte der VEB Buchungsmaschinenwerke Karl-Marx-Stadt und exportierte sie in über 100 Länder. Und sie funktioniert noch heute –eine clevere Spiegelkonstruktion erlaubt dem Besucher einen Einblick in die Maschine in Aktion. Ihre technische Genese hingegen wird anschaulich in den zahlreichen weiteren Buchungsmaschinen, die das Rechenwerk Halle ausstellt. Auswahl ist nicht die Stärke der Hobby-Bastler, vielmehr der Erhalt von Rechentechnik im funktionsfähigen Zustand.  Und so zeugt das mechanische Klacken der Zahnräder von einer Zeit, in der die Sparkassenangestellten noch nicht vor Monitoren saßen, sondern Lärm und industriell-mechanische Präzision ihren Arbeitsalltag prägten. Jenseits eines fachwissenschaftlichen Diskurses darüber, dass sich seit den 1970er-Jahren industrielle Produktion nur in andere Teile des Globus verlagerte wird hier spürbar, was der Auslöser dafür war, einen Wechsel in die Postmoderne zu postulieren. Die in Reihe aufgestellten chromglänzenden Peripherien der zahllosen Buchungsmaschinen machen erfahrbar, wie sich eine einfache Datenerfasserin der DDR-Sparkassen gefühlt haben muss, die in den 1960er-Jahren in einem der neu eingerichteten zentralisierten Buchungszentren arbeitete.

 

  • "Problemlösungen" (Foto: Martin Schmitt, CC BY-NC-SA 4.0)

 

Von Computern unterschieden sich die Buchungsmaschinen vor allem durch ihre Programmierung über Steuerbrücken. In diese länglichen Stecksätze konnten „Programmierer“ mit kleinen Metallstiften den Verlauf der Programme bestimmen, indem sie metallene Dreiecke, Vierecke und Rauten in Formation steckten. Frühe Programmierung ist hier räumlich zu erfahren. Die Programmierwerkzeuge waren dabei Spatel und Zange. Sogar gehackt wurde bereits, wenn Programmierer fehlerhafte Bausteine mit Pappe oder Draht künstlich erhöhten und somit nicht nur fehlerhafte Routinen, sondern auch die langwierigen Zugriff des Regimes umgingen. Das Erbe des Analogen im Digitalen, auch das wird in Halle erfahrbar.
Aus der Perspektive unseres Forschungsprojektes tauchte immer wieder Frage auch, wie wurden die technischen Ensembles denn zum Einsatz gebracht? Jenseits einzelner Schilder, die in der Masse des Materials verloren gehen, sind es vor allem die kenntnisreichen Ausführen Czechs, die zwischen technischen Details die Reichweite der Rechentechnik in der DDR veranschaulichen. Von Heimcomputern, die Bastler inklusive Garfield-Sticker selbstständig in Handarbeit zusammenbauten und dabei gerne auf die Ressourcen ihrer Betriebe zurückgriffen, über Steuerungsrechner in Textilindustrie oder in Kraftwerken bis hin zum Ministerium für Staatssicherheit, dessen Technologieeinheit Spieleautomaten für DDR-Jugendheime baute – jeder Bereich der DDR-Wirtschaft hatte direkt oder indirekt mit der EDV Berührung.

Letztlich kann ein Besuch im Rechenwerk Halle nur jedem, der sich für die Geschichte der ehemaligen DDR interessiert, wärmstens ans Herz gelegt werden. Die Orientierungshilfe der ehrenamtlichen Betreiber ist bei einem Besuch aber unerlässlich, um durch die Exponate und die Schichten der Vergangenheit, die sie überdecken, zu bewegen. In den Lagern warten weitere Fundstücke auf ihre Entdeckung – die Mitarbeiter nennen es liebevoll „Manhattan“, weil sich Computer türmen wie Wolkenkratzer.
Weitere Informationen zum Rechenwerk Halle

 

Text: Martin Schmitt, CC BY-NC-SA 4.0
Bilder: Martin Schmitt, mit freundlicher Genehmigung des Rechenwerkes Halle, CC BY-NC-SA 4.0
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