Spencer Tracy, left, Katharine Hepburn, right, and Neva Patterson.

Werden wir durch den Computer ersetzt?

Die Frage, ob der Mensch durch den Computer ersetzt wird stellte sich den Zeitgenossen schon sehr früh. Vor allem in den Medien wurde diese Frage verhandelt, obwohl der Normalbürger noch lange nicht mit dem „Elektronengehirn“ selbst in Kontakt gekommen war. Hier wurden Erwartungen geweckt und Ängste geschürt, die später die Durchsetzung der Technologie begleiten sollten.
Ein schönes Beispiel für die mediale Auseinandersetzung mit der frühen Computertechnologie ist der Hollywood-Film „Desk Set“ aus dem Jahr 1957, in der sogar Katherine Hepburn mitspiele. Continue reading

Der Computer als Gehirn eines Nagetiers

Von Anfang an übte das Gehirn eine große Faszination auf die aufstrebenden Computerwissenschaftler aus. Die meisten von ihnen kamen aus der Mathematik und der Nachrichtentechnik, aber auch Psychologen wie J.C.R. Licklider widmeten sich begeistert der neuen Technologie. Die Kybernetik bot ihnen dabei eine gemeinsame Sprache, innerhalb der das Gehirn wie der Computer Systeme waren, die mit den gleichen Mechanismen der Informationstheorie begriffen werden konnten. Die Kybernetiker erster Generation versuchten, vereinfacht gesagt, das Gehirn mit technischen Mitteln nachzubauen, denn System ist System. Ihnen folgten die Kybernetiker zweiter Generation, die sich hauptsächlich der künstlichen Intelligenz widmeten. Hier war das Ziel nicht mehr, das physische Gehirn nachzubilden, wie der Wissenschaftsjournalist Mitchell Waldrop in seiner Biografie zu Licklider verdeutlicht. Ziel war es, den Geist („mind“) in Software und Logik zu imitieren.

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Bild eines Mazovia 1016

Der Computer als Leitmedium

»Unleugbar hat sich mit der Evolution der Neuen Medien die Frage nach ihrem epistemologischen Ort zugespitzt. Erst mit dem ubiquitären Siegeszug in beinahe allen gesellschaftlichen Bereichen wurde seine Bestimmung, als universelles bzw. inklusives Medium die vormals getrennten Einzelmedien dank der digitalen Codierbarkeit integrieren zu können, tragfähig. Und mit der Verbreitung des ›persönlichen‹ Computers wurde darüber hinaus seine Funktion als neues Leitmedium zum dominanten Thema sowohl der Medienskepsis als auch der Medieneuphorie.«

Tholen, Georg Christoph (2002), Die Zäsur der Medien: Kulturphilosophische Konturen, Frankfurt a.M.: Suhrkamp. S. 19. Continue reading

DIE WILDEN WURZELN DES WORLD WIDE WEB

Das Internet: Geschaffen von Wissenschaftlern und der Gegenkultur, finanziert und beeinflusst durch das Militär, so die These unseres Projektmitarbeiters Martin Schmitt, die er in seiner Magisterarbeit darlegte. Nun widmete sich auch ARTE der Thematik mit einem ganz ähnlichen Ansatz. Am 14. Mai dieses Jahres zeigten sie eine Dokumentation über die Ursprünge des Internet und des World Wide Web zwischen Militär und Gegenkultur. Sie ist 7 Tage nach Ausstrahlung der Wiederholung, also bis zum 5. August, noch über ARTE 7+ online abrufbar, findet sich inzwischen aber auch auf YouTube.

Grafik: ARTE Logo, http://www.arte.tv/de

Martin Schmitt

Die Geschichte des Internet

Welche Narrative gibt es zur Geschichte des Internet? Am Samstagnachmittag interviewte das Deutschlandradio Kultur unseren Projektmitarbeiter Martin Schmitt, M.A. zu dieser Frage, die an der Schlüsselstelle des Aufbruchs in die Informationsgesellschaft liegt. Der kurze Beitrag wird am Mittwoch, dem 17. Juni 2015 zwischen 19:07 Uhr und 19:30 Uhr in der Sendung „Zeitfragen. Kultur und Gesellschaft“ zu hören sein.

Martin Schmitt schrieb am Seminar für Zeitgeschichte der Universität Tübingen seine Abschlussarbeit zur Frühgeschichte des Internet als kybernetischem System bei Prof. Anselm Doering-Manteuffel und Prof. Klaus Gestwa. In seiner Arbeit verband er die militärischen Ursprünge im ARPANET mit den wissenschaftlichen und gegenkulturellen Interesse der an der Entwicklung der Technologie beteiligten Akteure, die bis heute spürbar sind.

UPDATE: Der Beitrag ist seit gestern Abend auf der Webseite des Deutschlandradio Kultur „MILITÄR ODER GEGENKULTUR? Wer die Anfänge des Netzes prägte“ und als Podcast verfügbar.

 

Autor: Martin Schmitt

Bildrechte: Creative Commons Lizenzvertrag Martin Schmitt am Funkhaus Berlin von Martin Schmitt ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

Computerisierung auf der Langen Nacht der Wissenschaften

Über Wissenschaft in der Öffentlichkeit und unser Forschungsprojekt bei der „klügsten Nacht des Jahres“ in Berlin. Von Martin Schmitt

Auf der Langen Nacht der Wissenschaften, die am Sonntag dem 13. Juni in Berlin und Potsdam stattfand, stellte unsere Projektmitarbeiterin Julia Erdogan der interessierten Öffentlichkeit unser Gesamtprojekt und ihr Teilprojekt zu den Hackern in Deutschland vor. Im historischen Gebäude des Naturkundemuseums, in dem sich die Institute der Leibniz Gemeinschaft präsentierten, verdeutlichte sie die historische Entwicklung von Hackern und deren öffentlicher Wahrnehmung zwischen Watchgroup und krimineller Bedrohung. Es gelang den Hackern in Deutschland seit den 1980er-Jahren durch zahlreiche öffentlichkeitswirksame Aktionen nicht nur, auf die Sicherheitslücken der Computersysteme aufmerksam zu machen, sondern zugleich dazu beizutragen, die positive Schaffenskraft des Computers in einer demokratischeren Gesellschaft zu etablieren. Zerstörerische Elemente der Hackerhandlungen deutete Julia Erdogan mit Schumpeter als konstruktiver Erneuerungsfaktor und damit als kreatives Element. Hacker seien bis heute eine sehr heterogene Gruppe, welche die Lust am Handeln mit und durch den Computer charakterisiere.

Neben Fragen zur generellen Ausrichtung des Projektes identifizierten sich das Publikum stark mit der historischen Computerentwicklung und schwelgte in Erinnerung an die erste verschickte Mail und den ersten Computer. Aber auch kritischere Fragen bewegten die anwesenden Bürger und Bürgerinnen: Wie viele Hacker gab es denn überhaupt in Deutschland? Und wie war ihre Situation in der DDR? Gab es einen Linux-Zwang unter den Hackern, also folgten sie nicht selbst einer normierenden, standardisierenden Subkultur?

Julia Erdogan und mit ihr das Projekt zur Computerisierung in BRD und DDR erzeugten ein großes öffentliches Interesse und trugen zu einer gelungenen langen Nacht der Wissenschaften in Berlin bei, auf der sich die Wissenschaft in all ihren Facetten zeigte. Zu sehen waren computertechnologischen Neuerungen in den T-Labs der TU Berlin über die vielfältigen Erfahrungsangebote wissenschaftlicher Produkte wie in der Hochspannungshalle des Institutes für Energie- und Automatisierungstechnik oder den Berliner Bibliotheken bis hin zu Science Slams als locker aufbereitete Ergebnispräsentation.

Höhepunkte der Langen Nacht war dann neben dem Feuerwerk der gemeinsame Science Slam der TU Berlin, der UDK und der HDK im komplett vollen Audimax der TU-Berlin. Ihn gewann der spontan eingesprungene Tobias Hölzer mit einem humorigen Slam über die Zukunft des Computings. Er zeigte an Hand einer Dating-Situation zwischen Mann und Frau die Funktionsweisen moderner Quantencomputer. Aus Computerisierungs-Perspektive war daran vor allem die Annahme spannend, die gesamte soziale wie auch physische Welt als berechenbar anzusehen – wenn man nur den ausreichend leistungsfähigen Computer dazu hat. Die Forschung an den Quantencomputern stehe noch sehr am Anfang, betonte Hölzer. Aber die Entwicklungen seien rapide. Als Anwendungsgebiete sieht er vor allem Big-Data-Suchen, ausgefeilte Simulationen der Welt, bis hin zu unknackbarer Kryptografie, beispielsweise für Geheimdienste. Es ist spannend, was in den nächsten Jahren hier auf uns und die Gesellschaft zukommen.

Insgesamt besuchten fast 27.000 Besucher die Lange Nacht der Wissenschaften in Berlin. Sie bekamen einen Einblick in die Welt der Wissenschaften, der ihnen all zu häufig verschlossen bleibt und nahmen ein Stück der Begeisterung mit nach Hause, mit der vor allem die jungen Wissenschaftler mit leuchtenden Augen von ihren Projekten erzählten.

  • Science Slam
    Science Slam

Autor: Martin Schmitt
Bildrechte:

Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk von Martin Schmitt ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

Plotterzeichnung von Frieder Nake

AESTHETICA – 50 Jahre computergenerierte Kunst

„Man kann mit einem Computer Kunst und Schönheit schaffen.“ So lautet der sechste Punkt der Hacker-Ethik, die der Journalist Steven Levy 1984 in seinem Buch über „Hacker“ als deren Wertekodex ausmachte. Die Computerkunst war allerdings nicht rein den Hackern überlassen. Schon früh interessierten sich weltweit Künstler und Kulturschaffende für die neuen, faszinierenden Möglichkeiten, welche die neue Technologie bot. Die Kuratoren der Ausstellung AESTHETICA in der Berliner DAM Gallery, die vergangenen Freitag eröffnet wurde, widmen sich ihren prononciertesten Vertretern wie Vera Molnar und Manfred Mohr. Molnar und Mohr bildeten mit ihren frühen Plotterzeichnungen die Speerspitze einer Digitalen Kunstavantgarde, die weit über den Eisernen Vorhang reichte. So schuf in der DDR beispielsweise Horst Bartnig bereits 1979 zeichnende Algorithmen mit der Idee, die Zufälligkeit aus dem Zeichenprozess auszuschließen. Dazu arbeitete er mit Mathematikern und Programmierern des Zentralinstituts für Informatik und Rechentechnik in Berlin-Adlershof zusammen.
Ausgewählte Werke dieser bis heute bedeutende Computerkunst-Avantgarde sind noch bis zum 1. August in der DAM Gallery, Neue Jakobstr. 6, zu sehen.

 

AESTHETICA
50 JAHRE COMPUTERGENERIERTE KUNST

DAM GALLERY, Berlin

Neue Jakobstr. 6
2., linker Hinterhof
10179 Berlin

Tel: +49 (0)30 28 09 81 35
E-Mail: office(at)dam.org

Di – Fr  12 – 18 Uhr
Sa  12 – 16 Uhr

Ausstellung: 30. Mai – 1. August 2015

Künstler:

Horst Bartnig, D⎜Peter Beyls, B⎜Vuk Cosic, SLO⎜Hans Dehlinger, D⎜Manuel Felguerez, MEX⎜Patrick Lichty, US⎜Tony Longson, GB⎜Rafael Lozano-Hemmer, MEX-CDN⎜Manfred Mohr, D ⎜Vera Molnar, F⎜Frieder Nake, D⎜Georg Nees, D⎜Casey Reas, US⎜Brian Reffin Smith, GB⎜Antoine Schmitt, F⎜Sommerer & Mignonneau, A-F⎜Kerry Strand, US⎜Roman Verostko, US⎜Roger Vilder, F-CDN⎜Mark Wilson, US

 

Autor: Martin Schmitt

Bild: Frieder Nake, 7.4.65 Nr. 1+6, Plotterzeichnung, Tinte auf Papier, 1965, Quelle DAM Gallery

Prof. Sönke Neitzel, Frank Bösch und Paul Nolte im Gespräch, DHM

„Partizipieren, anstatt nur zuzuhören“

Geschichtswissenschaft wird nicht nur an den Instituten gemacht. Sie trägt zur Identitätsbildung der Gesellschaft bei und tritt zu diesem Zweck in den Austausch mit der Öffentlichkeit. Ein Beispiel hierfür ist die #historydebate, die am Montag dem 11. Mai 2015 mit unserem Projektleiter Prof. Frank Bösch, dem Militärhistoriker Prof. Sönke Neitzel von der London School of Economics und Prof. Paul Nolte von der HU Berlin am Deutschen Historischen Museum in Berlin stattfand. Die Computerisierung war hier nicht Gegenstand, sondern Methode, indem über Twitter die interessierte Öffentlichkeit sich an der Debatte beteiligen konnte. Die Gerda Henkel Stiftung führte dazu ein Interview mit unserer Projektmitarbeiterin Janine Noack. Sie hält fest:

Zuschauer, die nur den Hashtag #historydebate verfolgen, bekommen damit einen Eindruck, welche Punkte der Diskussion die verschiedenen Twitterer besonders interessant oder auch problematisch fanden. Das ist natürlich ein Filter durch unsere Brille, aber auch eine Möglichkeit im Nachhinein einen Überblick über wichtige Thesen zu bekommen. Außerdem macht es mir Spaß zu diskutieren und Fragen zu stellen. Twitter gibt mir also die Möglichkeit direkt zu partizipieren, anstatt nur zuzuhören.

Das gesamte Interview ist unter dem Titel „Partizipieren, anstatt nur zuzuhören“ auf der Webseite der Gerda Henkel Stiftung zu finden: Janine Noack – „Partizipieren, anstatt nur zuzuhören“

 

Autor: Martin Schmitt

Bildrechte: Bild von Martin Schmitt;  Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

Die Geschichte des Programmierfehlers

It’s not a bug, it’s a feature. Dieses Informatiker-Diktum, das die Funktion eines Programms nicht als fehlerhaft, sondern als tatsächlich vom Programmierer so gewollt ausweist, trifft ebenso auf das Feature von Christian Grasse zu. Es entstand bereits 2014 im Deutschlandradio Kultur und wurde gestern unter dem Titel „Die Motto ist Schuld! Die Geschichte des Programmierfehlers“ erneut ausgestrahlt. In Kooperation mit dem Computerarchäologen Dr. Stefan Höltgen gelingt es Grasse, einige lebhafte Einblicke in die frühe Computergeschichte zu bieten.

„Man muss sich die Computer in den 40ern natürlich ganz anders vorstellen als die heutigen. Da konnte man noch jedes Bit anfassen. Jedes Relais stand für ein Bit. Der Mark II war ja irgendwas bei maximal 10 Hertz oder 6 Hertz, ich bin mir nicht ganz sicher. Das heißt sechs Takte pro Sekunde.“

Dabei sind insbesondere die Interview-Ausschnitte aus Gesprächen mit Grace Hopper, einer Informatikpionierin aus den USA, absolut hörenswert. Eine vollständige Transkription eines Oral History Interviews mit Grace Hopper ist im Übrigen auf der Webseite des Computer History Museums abrufbar.

 

Autor: Martin Schmitt

Bildrechte: CC BY 2.0, Smithsonian Institution. SI Neg. 83-14878. Date: na...Grace Murray Hopper at the UNIVAC keyboard, c. 1960. Grace Brewster Murray: American mathematician and rear admiral in the U.S. Navy who was a pioneer in developing computer technology, helping to devise UNIVAC I. the first commercial electronic computer, and naval applications for COBOL (common-business-oriented language).