Zwei aktuelle Rezensionen zur Geschichte der Informationsgesellschaft erschienen

Vergangene Woche erschienen zwei neue Rezensionen unserer Projektmitarbeiter zur Geschichte der Informationsgesellschaft. Julia Erdogan las den Sammelband über Ada Lovelace der aufzeigt wann, wo und wie Frauen in der Geschichte der Computer mitgewirkt haben und unsichtbar gemacht wurden. Martin Schmitt ist positiv überrascht von Ronald R. Klines „Cybernetic Moment“, mit er die bisher umfassendste und detaillierteste Darstellung der Geschichte der Kybernetik vorlegt und darin der Frage nachgeht, wie unsere Zeit zum „Informationszeitalter“ wurde.

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Wenn das Chaos seine Zelte aufschlägt

Computer und Zeit in der Natur verbringen passen nicht zusammen? Doch, alle vier Jahre schon, wenn der Chaos Computer Club Hacker beim Campen vereint. Zum fünften Mal fand vom 13. – 17. August 2015 das Chaos Communication Camp statt. Diesmal auf dem Gelände der alten Ziegelei in Mildenberg, das jemand am Ortseingangsschild kurzerhand zu „Neuland“ machte. Continue reading

Computerisierung auf der Langen Nacht der Wissenschaften

Über Wissenschaft in der Öffentlichkeit und unser Forschungsprojekt bei der „klügsten Nacht des Jahres“ in Berlin. Von Martin Schmitt

Auf der Langen Nacht der Wissenschaften, die am Sonntag dem 13. Juni in Berlin und Potsdam stattfand, stellte unsere Projektmitarbeiterin Julia Erdogan der interessierten Öffentlichkeit unser Gesamtprojekt und ihr Teilprojekt zu den Hackern in Deutschland vor. Im historischen Gebäude des Naturkundemuseums, in dem sich die Institute der Leibniz Gemeinschaft präsentierten, verdeutlichte sie die historische Entwicklung von Hackern und deren öffentlicher Wahrnehmung zwischen Watchgroup und krimineller Bedrohung. Es gelang den Hackern in Deutschland seit den 1980er-Jahren durch zahlreiche öffentlichkeitswirksame Aktionen nicht nur, auf die Sicherheitslücken der Computersysteme aufmerksam zu machen, sondern zugleich dazu beizutragen, die positive Schaffenskraft des Computers in einer demokratischeren Gesellschaft zu etablieren. Zerstörerische Elemente der Hackerhandlungen deutete Julia Erdogan mit Schumpeter als konstruktiver Erneuerungsfaktor und damit als kreatives Element. Hacker seien bis heute eine sehr heterogene Gruppe, welche die Lust am Handeln mit und durch den Computer charakterisiere.

Neben Fragen zur generellen Ausrichtung des Projektes identifizierten sich das Publikum stark mit der historischen Computerentwicklung und schwelgte in Erinnerung an die erste verschickte Mail und den ersten Computer. Aber auch kritischere Fragen bewegten die anwesenden Bürger und Bürgerinnen: Wie viele Hacker gab es denn überhaupt in Deutschland? Und wie war ihre Situation in der DDR? Gab es einen Linux-Zwang unter den Hackern, also folgten sie nicht selbst einer normierenden, standardisierenden Subkultur?

Julia Erdogan und mit ihr das Projekt zur Computerisierung in BRD und DDR erzeugten ein großes öffentliches Interesse und trugen zu einer gelungenen langen Nacht der Wissenschaften in Berlin bei, auf der sich die Wissenschaft in all ihren Facetten zeigte. Zu sehen waren computertechnologischen Neuerungen in den T-Labs der TU Berlin über die vielfältigen Erfahrungsangebote wissenschaftlicher Produkte wie in der Hochspannungshalle des Institutes für Energie- und Automatisierungstechnik oder den Berliner Bibliotheken bis hin zu Science Slams als locker aufbereitete Ergebnispräsentation.

Höhepunkte der Langen Nacht war dann neben dem Feuerwerk der gemeinsame Science Slam der TU Berlin, der UDK und der HDK im komplett vollen Audimax der TU-Berlin. Ihn gewann der spontan eingesprungene Tobias Hölzer mit einem humorigen Slam über die Zukunft des Computings. Er zeigte an Hand einer Dating-Situation zwischen Mann und Frau die Funktionsweisen moderner Quantencomputer. Aus Computerisierungs-Perspektive war daran vor allem die Annahme spannend, die gesamte soziale wie auch physische Welt als berechenbar anzusehen – wenn man nur den ausreichend leistungsfähigen Computer dazu hat. Die Forschung an den Quantencomputern stehe noch sehr am Anfang, betonte Hölzer. Aber die Entwicklungen seien rapide. Als Anwendungsgebiete sieht er vor allem Big-Data-Suchen, ausgefeilte Simulationen der Welt, bis hin zu unknackbarer Kryptografie, beispielsweise für Geheimdienste. Es ist spannend, was in den nächsten Jahren hier auf uns und die Gesellschaft zukommen.

Insgesamt besuchten fast 27.000 Besucher die Lange Nacht der Wissenschaften in Berlin. Sie bekamen einen Einblick in die Welt der Wissenschaften, der ihnen all zu häufig verschlossen bleibt und nahmen ein Stück der Begeisterung mit nach Hause, mit der vor allem die jungen Wissenschaftler mit leuchtenden Augen von ihren Projekten erzählten.

  • Science Slam
    Science Slam

Autor: Martin Schmitt
Bildrechte:

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Plotterzeichnung von Frieder Nake

AESTHETICA – 50 Jahre computergenerierte Kunst

„Man kann mit einem Computer Kunst und Schönheit schaffen.“ So lautet der sechste Punkt der Hacker-Ethik, die der Journalist Steven Levy 1984 in seinem Buch über „Hacker“ als deren Wertekodex ausmachte. Die Computerkunst war allerdings nicht rein den Hackern überlassen. Schon früh interessierten sich weltweit Künstler und Kulturschaffende für die neuen, faszinierenden Möglichkeiten, welche die neue Technologie bot. Die Kuratoren der Ausstellung AESTHETICA in der Berliner DAM Gallery, die vergangenen Freitag eröffnet wurde, widmen sich ihren prononciertesten Vertretern wie Vera Molnar und Manfred Mohr. Molnar und Mohr bildeten mit ihren frühen Plotterzeichnungen die Speerspitze einer Digitalen Kunstavantgarde, die weit über den Eisernen Vorhang reichte. So schuf in der DDR beispielsweise Horst Bartnig bereits 1979 zeichnende Algorithmen mit der Idee, die Zufälligkeit aus dem Zeichenprozess auszuschließen. Dazu arbeitete er mit Mathematikern und Programmierern des Zentralinstituts für Informatik und Rechentechnik in Berlin-Adlershof zusammen.
Ausgewählte Werke dieser bis heute bedeutende Computerkunst-Avantgarde sind noch bis zum 1. August in der DAM Gallery, Neue Jakobstr. 6, zu sehen.

 

AESTHETICA
50 JAHRE COMPUTERGENERIERTE KUNST

DAM GALLERY, Berlin

Neue Jakobstr. 6
2., linker Hinterhof
10179 Berlin

Tel: +49 (0)30 28 09 81 35
E-Mail: office(at)dam.org

Di – Fr  12 – 18 Uhr
Sa  12 – 16 Uhr

Ausstellung: 30. Mai – 1. August 2015

Künstler:

Horst Bartnig, D⎜Peter Beyls, B⎜Vuk Cosic, SLO⎜Hans Dehlinger, D⎜Manuel Felguerez, MEX⎜Patrick Lichty, US⎜Tony Longson, GB⎜Rafael Lozano-Hemmer, MEX-CDN⎜Manfred Mohr, D ⎜Vera Molnar, F⎜Frieder Nake, D⎜Georg Nees, D⎜Casey Reas, US⎜Brian Reffin Smith, GB⎜Antoine Schmitt, F⎜Sommerer & Mignonneau, A-F⎜Kerry Strand, US⎜Roman Verostko, US⎜Roger Vilder, F-CDN⎜Mark Wilson, US

 

Autor: Martin Schmitt

Bild: Frieder Nake, 7.4.65 Nr. 1+6, Plotterzeichnung, Tinte auf Papier, 1965, Quelle DAM Gallery

31C3 – 4 Tage Computer, Technik, Gesellschaft

Am Abend des 30. Dezember wird mir klar: Das Congress Center Hamburg sieht völlig unspektakulär aus. Keine bunten Lichtinstallationen, keine selbstgebauten Drohnen, die um das Gebäude schwirren, und vor allem nicht die Rakete „Fairydust“ vorm Eingang: Die Hacker bauen ab. „You can create beauty on a computer“ – dieses Paradigma der Hacker-Ethik wird angesichts des grauen Kongressbaus noch besser greifbar.

Zum 31. Mal fand nach den Weihnachtsfeiertagen 2014 der Chaos Communication Congress statt. Über 10.000 Teilnehmer konnte der Congress diesmal verzeichnen – ein neuer Rekord. Man taucht ein wenig in eine andere Welt ein für diese vier Tage. Es gibt immer was Neues zu entdecken, auch wenn alte Traditionen wie z.B. das Bällebad oder Löten beim Project Blinkenlights bleiben. Seit 15 Jahren kann man auch nicht nur Codes, sondern Schlösser auf dem Kongress knacken. Sportfreunde der Sperrtechnik heißt das dann. Auch Buchliebhaber finden sich unter den Techniknerds – die „Dead Tree Lovers“. Und die wollen sogar eine alte Hackerzeitschrift, die Bayrische Hackerpost, wieder aufleben lassen.

Zukunft, Vergangenheit, Tradition und Innovation sind hier eng verbunden. Das zeigt auch das spontane Reenactment in Zusammenarbeit mit der Wau Holland Stiftung. Zwei Herren auf einem Sofa werden interviewt. Sie spielen einen mitgeschnittenen Dialog nach, der sich zwischen Wau Holland und pengo nach dem Bekanntwerden des KGB-Hacks 1989 abgespielt hatte. Pengo spionierte damals mit Karl Koch, alias Hagbard Celine, für den KGB, was Werte und Ethik der Hacker in Deutschland auf den Prüfstand stellte. Eine konstante Diskussion, in wie fern man Auftragshack z.B. für Geheimdienste durchführen darf, wie es mit dem Hacken zur eigenen Bereicherung steht und was das verantwortungsvollen Hacken eigentlich bedeutet. Wau Holland hatte hier klar Position bezogen: Zusammenarbeit mit Geheimdiensten geht gar nicht. Sie stehen gegen alles wofür Hacker stehen. Wau Holland scheint trotz seines frühen Tods im Jahr 2001 noch immer Teil des Kongresses zu sein. Generell scheint es, dass Geschichte und Geist der 80er hier irgendwie noch weiter leben.

Dabei kann man das Vergangene auch neu kleiden: Eine alte Strickmaschine bei der man die Elektrik ausgetauscht hat und nun über eigene Software programmierbar ist; Spielklassiker, die man auf einem übergroßen Gamepad spielt – per Fuß oder Hand; ein eigenes Rohrpostsystem trotz elektronischer Kommunikationswege. Im Vordergrund bleibt für die meisten Teilnehmer der Spaß und Nutzen der Computertechnologie. Was alles möglich ist, was man selber kann, das kann man hier jedes Jahr aufs Neue sehen und zeigen.

Die Vorträge kann man fast alle online streamen, was auch für diejenigen nützlich ist, die bei einem gefragten Thema nicht mehr in den Saal gekommen sind. Man kann über twitter und IRC Fragen stellen, wenn man nicht physisch anwesend sein kann. Und doch kommen so viele Menschen zum C3. Von wegen unsoziale Nerds: Sich Treffen gehört doch seit 31 Jahren dazu. Diejenigen, die einem Talk im stickigen Saal zuhören, versuchen noch irgendwie reinzukommen, oder gemeinsam an Tischen voller Laptops sitzen, diskutieren und einander Neues zeigen, verdeutlichen eins ganz besonders: Ganz kann man den physischen Kontakt nicht ablösen. Es ist eine ganz andere Erfahrung, ob man wirklich dabei ist oder sich das Ganze im Internet ansieht. Klatschen, Gröhlen, Kommentare einwerfen, gemeinsames Lachen – das gehört dazu wie die klirrenden Mate-Flaschen. Oder alleine schon all die Installationen auf sich wirken zu lassen und den Machern dazu Fragen stellen. Den Idolen auch einmal nah zu sein oder durch Standing Ovations seinen Respekt auszudrücken, das geht an diesen Tagen. Und für jeden ist etwas dabei. Natürlich gibt es viele technische Vorträge über Hard- und Software, Verschlüsselung und Co. Aber auch politische, gesellschaftliche und immer mehr künstlerische Talks finden den Weg in den Fahrplan.

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Die Rakete „Fairydust“ bei Nacht

Getragen wird das das alles von Freiwilligen, die für ein geordnetes Chaos, Sicherheit, Verpflegung und Wohlempfinden sorgen oder die ihr technisches Know-how zur Verfügung stellen, damit z.B. Licht, Ton und Netzwerk funktionieren. Hier kann jeder teilnehmen und zeigen was er kann. Hier zeigt sich eine Gemeinschaft. Aber nicht nur eine deutsche Szene von Hackern, Künstlern und Aktivisten tummelt sich in und um das Congress-Center; Von überall auf der Welt kommen sie hier zwischen den Feiertagen zusammen. Der C3 bleibt eines der wichtigsten Events der Hackerszene.

„A new dawn“ lautet das Motto diesmal. Im Sommer 2013 hatten die Snowden-Enthüllungen die Gemeinschaft etwas sprachlos gemacht. Es gab kein Motto zur 30. Jubiläums-Veranstaltung. Denn selbst für diese Experten, die mit einer flächendeckenden Überwachung gerechnet hatten, waren die Beweise und die Ausmaße dennoch erschreckend. Aber sofort hieß es, dass es weiter gehen muss. Eine neue Zeitrechnung – post-Snowden – die aber alte Werte weiter transportiert. Weiter für freies Internet und freie Informationen einsetzen, dazu beitragen, dass die Menschen vor dem Missbrauch ihrer privaten Daten geschützt werden, dass das Bewusstsein für Risiken und Chancen der Computertechnologie in die weite Welt getragen wird. Und natürlich den Spaß an der Technik nicht verlieren.

Die einen tragen dazu bei, indem sie Werkzeuge auf technischer Ebene zur Verfügung stellen, die anderen, indem sie den Diskurs suchen, indem sie aufdecken und kritische Fragen stellen. So war ein Thema, das den Kongress durchzog, die Frage nach investigativem Journalismus und der Technik. Neben anderen Journalisten, erzählte Laura Poitras, wie ihr Verschlüsselung geholfen hat, ihre Quellen und ihre Arbeit schützen zu können. Jake Applebaum, Mitentwickler vom Tor-Project, deckte auf, welche Verschlüsselungen NSA und Co brechen können, und welche wiederum die Geheimdienste vor Probleme stellen und bisher nicht zu knacken sind. Der Congress ist auch immer eine politische Veranstaltung. Irgendwie bleiben die Hacker eine Watchgroup, die den schlimmsten Ahnungen doch noch etwas Hoffnung entgegensetzen können. Sie benennen Probleme und zeigen auf, dass mehr möglich ist, als man denkt. Seit drei Jahrzehnten bleibt es dabei: Man soll sich der Technik nicht verwehren, sie aber auch nicht blind konsumieren, sondern sie sich aneignen, sie verstehen. Denn es bleibt bei allen Datenschutzproblemen der Aspekt des schöpferischen durch die Technik. Diese Ansichten wollen Hacker auch heute noch in die Gesellschaft tragen, beispielsweise durch Angebote für Kinder und Jugendliche (Chaos macht Schule, Jugend hackt). Und dabei schwebt wieder der Geist Wau Hollands über allem, der einmal sagte: „Was ist denn das einen Rechner aufzumachen, dagegen die Gesellschaft aufzumachen.“

Bildquelle: Poster des 31C3 – Chaos Computer Club

Logo der Bundespost verballhornt als Posthörnchen (statt Posthörnchen)

BTX-Hack am 17.11.1984: Angriff der CCC-Hacker auf die Deutsche Bundespost

Vor 30 Jahren gelang es zwei Hackern des Chaos Computer Clubs (CCC) über das neue Kommunikationsnetz BTX der Hamburger Sparkasse eine empfindliche Geldsumme zu entwenden, um auf die Sicherheitslücken des Systems hinzuweisen. In Vorbereitung des Jahrestages publizierte unsere Projektmitarbeiterin Julia Erdogan einen Artikel zum Hack in der Zeitgeschichtssparte des Online-Leitmediums Spiegel ONLINE.

Jahrestage haben derzeit Konjunktur in Deutschland. Gerade erst wurde in Berlin mit einer Lichtinstallation dem Mauerfall vor 25 Jahren gedacht, schon jährt sich ein weiteres Ereignis jüngster deutscher Zeitgeschichte, das vielleicht nicht für jeden Bürger präsent ist. Am 17.11. jährt sich der BTX-Hack zum dreißigsten Mal. Mit dem BTX-System, das mit einer Kombination aus dem Fernsehgerät und einem Modem bedient wurde, wollte die Deutsche Bundespost Anfang der 1980er-Jahre Datennetzwerke auch endlich in Deutschland der Breite der Bevölkerung zugänglich machen.
Der Hack des Systems offenbarte nicht nur die eklatanten Schwächen der stark zentralisierten Architektur des Netzwerkes BTX. Es brachte mit einem Schlag eine gesellschaftliche Gruppe in das mediale Rampenlicht, die in unserer technisierten Gesellschaft bis heute Bedeutung hat: Der Chaos Computer Club. Er gilt seitdem als eine computertechnische Watchgroup für die Entwicklung und Nutzung digitaler  Technologien und bleibt ein steter Mahner im Strom gedankenlos-euphorischer Computeradaption. Julian Erdogan schildert in ihrem Artikel in präziser Weise den Ablauf des Hacks, seine umstrittene Interpretation und dessen mediale Nachwirkung. Sie kommt zu dem Schluss:

Entscheidend war, dass durch den Hack das Thema Datensicherheit in BTX in der Öffentlichkeit diskutiert wurde. […] Der CCC allerdings, der seit September 1981 als loses Netzwerk existiert hatte, konnte sich nach dem Vorfall zunehmend als Institution etablieren. Hacker des CCC wurden zu gefragten Experten in puncto Datensicherheit.

Julia Erdogan: Der legendäre Klack-klack-Hack. In: Spiegel Online vom 13.11.2014. URL: http://www.spiegel.de/einestages/btx-hack-1984-angriff-der-ccc-hacker-gegen-die-bundespost-a-1002443.html [Abgerufen am 13.11.2014 um 18:39]

 

Bildquelle: Reinhard Schrutzki

30 Jahre BTX-Hack – Ein Countdown

Anlässlich des 30. Jahrestages des BTX-Hacks hat die Wau Holland Stiftung einen Countdown gestartet, der bis zum 17. November, dem Tag des Ereignisses, herunter zählt. Dabei werden täglich Quellen  rund um den Hack veröffentlicht. Außerdem plant die Stiftung am 17. November ab 18 Uhr im Berliner Congress-Centrum eine Podiumsdiskussion, um an dieses wichtige Ereignis der deutschen Hackergeschichte zu erinnern.

Der Chaos Computer Club (CCC) ist bekannt für sein Engagement für Datenschutz und Datensicherheit. Diese Wahrnehmung von Hackern als Datenschützer nahm 1984 aufgrund des sogenannten BTX-Hacks ihren Anfang. Das Bildschirmtextsystem (BTX) der Deutschen Bundespost wurde 1983 deutschlandweit in Betrieb genommen. Es verband als Onlinedienst das Telefon und das Fernsehgerät miteinander. Sicherheitslücken und unausgefeilte Programmierungen machten das System zum Angriffsziel zahlreicher Hacker. Kritik und Verbesserungsvorschläge des CCC nahm die Post nicht an, was Wau Holland – Mitbegründer des CCC – und Steffen Wernéry zu einer medienwirksamen Aktion verleitete.

Durch einen Überlauf an Zeichen habe das BTX-System fälschlicher Weise aufgrund einer Sicherheitslücke die Zugangsdaten der Hamburger Sparkasse ausgegeben. Wernéry und Holland hatten daraufhin in der Nacht vom 16. auf den 17. November 1984 die kostenpflichte Seite des CCC über den Zugang der Sparkasse aufrufen lassen. Dazu nutzen sie ein selbstgeschriebenes Programm, das die Seite immer wieder neu anwählte. So kamen in einer Nacht 135.000 DM zusammen, die dem Konto des CCC gutgeschrieben wurden. Wernéry und Holland wandten sich damit an die Medien. Da es ihnen bei dieser Aktion darum ging, Sicherheitslücken bei BTX aufzuzeigen, gab der Club das Geld zurück.

„Die Wau Holland Stiftung – in Kooperation mit dem Chaos Computer Club – möchte deshalb an diese zweite Geburtsstunde des CCC erinnern und veranstaltet am 17.11.2014 ab 18 Uhr im Berliner Congress-Centrum am Alexanderplatz u.a. eine Podiumsdiskussion mit Beteiligten und Zeitzeugen, die über die damaligen Vorgänge und ihren Bezug und ihre Bedeutung zur Gegenwart diskutieren. Der Eintritt ist frei.

Bildquelle: Bundesarchiv Plak 007-023-062

Julia Erdogan gewinnt History Slam

Ohne zu hacken, dafür mit einer tollen Performance: Julia Erdogan (6. v. l.), Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am ZZF Potsdam in  unserem Projekt „Aufbrüche in die digitale Gesellschaft“, gewann am 24. September 2014 den ersten HistorySlam in der Geschichte des Historikertages. In einer knappen Stichwahl setzte Sie sich gegen Marco Helbig durch, der durch seine gerappte Stadtgeschichte Leipzigs das Publikum ebenso zu begeistern wusste. Auch im Jurypreis sahnte Julia Erdogan ab: Sie erhielt den 2. Platz in der Gesamtwertung. Der Historikertag fand vom 23.-26. September 2014 in Göttingen statt.

Bildquelle: Twitter @historikertag pic.twitter.com/BiV4SSYto