Wenn das Chaos seine Zelte aufschlägt

Computer und Zeit in der Natur verbringen passen nicht zusammen? Doch, alle vier Jahre schon, wenn der Chaos Computer Club Hacker beim Campen vereint. Zum fünften Mal fand vom 13. – 17. August 2015 das Chaos Communication Camp statt. Diesmal auf dem Gelände der alten Ziegelei in Mildenberg, das jemand am Ortseingangsschild kurzerhand zu „Neuland“ machte.

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Foto: Dirk Ollmetzer, Creative Commons Lizenz cc-by-nc-nd

Über 4.500 Hacker, Aktivisten und Künstler tummelten sich auf dem Areal, das zuvor von Freiwilligen mit einer kompletten Infrastruktur ausgestattet wurde – natürlich auch mit Glasfaserkabeln und Internetverbindungen. Die alten Bagger der Ziegelei, die Bäume auf dem Gelände oder auch ein Aussichtsturm auf einem kleinen Hügel wurde mit Lichtinstallationen ergänzt, sodass man seine Mate entspannt auf einer Hängematte mit Blick auf eine beeindruckende Lichtkulisse genießen konnte. Und auch die Züge der Ziegelei, die durch das Gelände fuhren, wurden von den Hackern in Beschlag genommen. So entstand ein Partyzug inklusive Bar und Bällebad, welches auf keiner Hackerveranstaltung fehlen darf. Als Gegenleistung und einfach weil Spaß daran bestand, wurden die Züge der Ziegelei von Bastlern repariert. Geben und Nehmen, das ist der Anspruch dieses kleinen Utopias mitten in Brandenburg – „Be excellent to each other“ das Leitmotto. Das Camp ist ein Nicht-Ort und auch ein Eutopia im wahrsten Sinne des Wortes. Denn all das existiert nur für wenige Tage für eine Community, die gemeinsame Überzeugungen und Werte teilt und die die Computertechnologie auf verschiedene Arten vereint.

Bei über 32° waren die Talks im stickigen Zelt weitaus weniger besucht als beim Kongress, der jedes Jahr nach den Weihnachtsfeiertagen stattfindet. Aber wegen der guten Internetverbindung und über das lokale Netzwerk konnte man sich alles per Stream bequem vom Campingstuhl aus ansehen. Das Camp dient auch, mehr noch als beim Kongress dazu, sich auszutauschen und zusammen zu sein. In den sogenannten Villages konnte man sich über Aktionen, Projekte und Hacks einzelner Hackerspaces informieren, mitmachen und Neues lernen.

Vor allem für den Hacker-Nachwuchs gab es viel spannendes Programm, nicht nur auf technischer Ebene. Im Park selbst leben Schafe, Schweine und Ziegen und es gibt einen Badesee, der ebenso wie die außenliegenden Seen gut besucht war. Das Highlight war aber wohl für die Kleinen der Raketen-Workshop, bei dem man seine eigene kleine Rakete gen Himmel steigen lassen konnte. Und auch Ralph Caspers (bekannt aus „Wissen macht Ah!“ und „Die Sendung mit der Maus“), den die Kinder bei einem Meet and Greet nach seinem Vortrag kennenlernen konnten, war sehr gefragt.

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Foto: Robert Anders, Creative Commons License cc-by-2.0

Die Mischung aus (Technik)Kultur und Natur lieferte auch die Wetterlage. Das einbrechende Gewitter am Sonntag, dessen Blitze das Campgelände zum Glück um einige hundert Meter verfehlte, brachte ein beeindruckendes Foto hervor, das einmal durch das ganze Camp weitergeleitet und gezeigt wurde.

Mit Constanze Kurz und Frank Rieger, zwei Sprechern des CCC, unterhielt ich mich in einem großen Tipi über Computer in der DDR und nach dem Mauerfall und konnte so auch wertvolle Informationen für die Dissertation gewinnen. Und dokumentiert wurde das Camp diesmal auch, von Aufbau bis Abbau von der Hamburger Regisseurin Sandra Trostel. Als kleinen Vorgeschmack, bis die Doku fertig ist, ein Video von Thorsten Borchers.

 

 

Text: Julia Erdogan
Bilder: Dirk Ollmetzer, Creative Commons Lizenz cc-by-nc-nd; Robert Anders, Creative Commons License cc-by-2.0
Video: Thorsten Borchers

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