Der erste Transistor

IFIP Working Group 9.7 Konferenz: Internationale Entwicklergemeinschaften

Welchen Einfluss hatten internationale Entwicklergemeinschaften auf die Architektur und Proliferation von Informationstechnologie? Zu dieser Frage begann am Mittwoch, 26.05.2016, in New York eine Konferenz der International Federation for Information Processing (IFIP). Die IFIP Arbeitsgruppe 9.7 hat sich seit vielen Jahren der Digitalgeschichte verschrieben und vereint im „Big Apple“ zahlreiche Größen des Fachs.

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Michael Müller eröffnet "The Digital Future"

The making of myth in the Digital Age

Wie historische Mythen entstehen: Der Regierende Bürgermeister Michael Müller ruft Berlin als den Geburtsort des Digitalen Zeitalters aus. Man kann förmlich dabei zusehen, wie auf dem Symposium „The Digital Future“ eine Gründungsgeschichte  geschrieben wird, die Orientierung und Sinn stiften soll. Vor 75 Jahren stellte hier Konrad Zuse seinen Z3 Computer fertig. Aber macht das schon das Digitale Zeitalter aus? 

 

Foto: Martin Schmitt

Bild der Ausstellungseröffnung mit überwachendem Auge

Identität im Digitalen Zeitalter – Ausstellungsbesprechung „Nervöse Systeme – Quantifiziertes Leben und die soziale Frage“

„[E]ine Atmosphäre wachsender Reizbarkeit und Ungeduld, die häufige Überreaktion auf geringfügige Herausforderungen und das zunehmende Gefühl des Verlierens der Zeit“[1] – so charakterisiert Joachim Radkau das Zeitalter der Nervosität in seinem Buch über die technische Veränderung der Welt zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Eine Ausstellung in Berlin fragt nun, ob wir in Zeiten von Big Data, informationstechnologischer Abhängigkeit und wohlwollender Vollüberwachung unseres Lebens wieder am Rande eines Nervenzusammenbruches stehen. Von Martin Schmitt

Zum Artikel bei Zeitgeschichte-Online.

 

Zwei aktuelle Rezensionen zur Geschichte der Informationsgesellschaft erschienen

Vergangene Woche erschienen zwei neue Rezensionen unserer Projektmitarbeiter zur Geschichte der Informationsgesellschaft. Julia Erdogan las den Sammelband über Ada Lovelace der aufzeigt wann, wo und wie Frauen in der Geschichte der Computer mitgewirkt haben und unsichtbar gemacht wurden. Martin Schmitt ist positiv überrascht von Ronald R. Klines „Cybernetic Moment“, mit er die bisher umfassendste und detaillierteste Darstellung der Geschichte der Kybernetik vorlegt und darin der Frage nachgeht, wie unsere Zeit zum „Informationszeitalter“ wurde.

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Wenn das Chaos seine Zelte aufschlägt

Computer und Zeit in der Natur verbringen passen nicht zusammen? Doch, alle vier Jahre schon, wenn der Chaos Computer Club Hacker beim Campen vereint. Zum fünften Mal fand vom 13. – 17. August 2015 das Chaos Communication Camp statt. Diesmal auf dem Gelände der alten Ziegelei in Mildenberg, das jemand am Ortseingangsschild kurzerhand zu „Neuland“ machte. Continue reading

Martin Schmitt

Die Geschichte des Internet

Welche Narrative gibt es zur Geschichte des Internet? Am Samstagnachmittag interviewte das Deutschlandradio Kultur unseren Projektmitarbeiter Martin Schmitt, M.A. zu dieser Frage, die an der Schlüsselstelle des Aufbruchs in die Informationsgesellschaft liegt. Der kurze Beitrag wird am Mittwoch, dem 17. Juni 2015 zwischen 19:07 Uhr und 19:30 Uhr in der Sendung „Zeitfragen. Kultur und Gesellschaft“ zu hören sein.

Martin Schmitt schrieb am Seminar für Zeitgeschichte der Universität Tübingen seine Abschlussarbeit zur Frühgeschichte des Internet als kybernetischem System bei Prof. Anselm Doering-Manteuffel und Prof. Klaus Gestwa. In seiner Arbeit verband er die militärischen Ursprünge im ARPANET mit den wissenschaftlichen und gegenkulturellen Interesse der an der Entwicklung der Technologie beteiligten Akteure, die bis heute spürbar sind.

UPDATE: Der Beitrag ist seit gestern Abend auf der Webseite des Deutschlandradio Kultur „MILITÄR ODER GEGENKULTUR? Wer die Anfänge des Netzes prägte“ und als Podcast verfügbar.

 

Autor: Martin Schmitt

Bildrechte: Creative Commons Lizenzvertrag Martin Schmitt am Funkhaus Berlin von Martin Schmitt ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

Computerisierung auf der Langen Nacht der Wissenschaften

Über Wissenschaft in der Öffentlichkeit und unser Forschungsprojekt bei der „klügsten Nacht des Jahres“ in Berlin. Von Martin Schmitt

Auf der Langen Nacht der Wissenschaften, die am Sonntag dem 13. Juni in Berlin und Potsdam stattfand, stellte unsere Projektmitarbeiterin Julia Erdogan der interessierten Öffentlichkeit unser Gesamtprojekt und ihr Teilprojekt zu den Hackern in Deutschland vor. Im historischen Gebäude des Naturkundemuseums, in dem sich die Institute der Leibniz Gemeinschaft präsentierten, verdeutlichte sie die historische Entwicklung von Hackern und deren öffentlicher Wahrnehmung zwischen Watchgroup und krimineller Bedrohung. Es gelang den Hackern in Deutschland seit den 1980er-Jahren durch zahlreiche öffentlichkeitswirksame Aktionen nicht nur, auf die Sicherheitslücken der Computersysteme aufmerksam zu machen, sondern zugleich dazu beizutragen, die positive Schaffenskraft des Computers in einer demokratischeren Gesellschaft zu etablieren. Zerstörerische Elemente der Hackerhandlungen deutete Julia Erdogan mit Schumpeter als konstruktiver Erneuerungsfaktor und damit als kreatives Element. Hacker seien bis heute eine sehr heterogene Gruppe, welche die Lust am Handeln mit und durch den Computer charakterisiere.

Neben Fragen zur generellen Ausrichtung des Projektes identifizierten sich das Publikum stark mit der historischen Computerentwicklung und schwelgte in Erinnerung an die erste verschickte Mail und den ersten Computer. Aber auch kritischere Fragen bewegten die anwesenden Bürger und Bürgerinnen: Wie viele Hacker gab es denn überhaupt in Deutschland? Und wie war ihre Situation in der DDR? Gab es einen Linux-Zwang unter den Hackern, also folgten sie nicht selbst einer normierenden, standardisierenden Subkultur?

Julia Erdogan und mit ihr das Projekt zur Computerisierung in BRD und DDR erzeugten ein großes öffentliches Interesse und trugen zu einer gelungenen langen Nacht der Wissenschaften in Berlin bei, auf der sich die Wissenschaft in all ihren Facetten zeigte. Zu sehen waren computertechnologischen Neuerungen in den T-Labs der TU Berlin über die vielfältigen Erfahrungsangebote wissenschaftlicher Produkte wie in der Hochspannungshalle des Institutes für Energie- und Automatisierungstechnik oder den Berliner Bibliotheken bis hin zu Science Slams als locker aufbereitete Ergebnispräsentation.

Höhepunkte der Langen Nacht war dann neben dem Feuerwerk der gemeinsame Science Slam der TU Berlin, der UDK und der HDK im komplett vollen Audimax der TU-Berlin. Ihn gewann der spontan eingesprungene Tobias Hölzer mit einem humorigen Slam über die Zukunft des Computings. Er zeigte an Hand einer Dating-Situation zwischen Mann und Frau die Funktionsweisen moderner Quantencomputer. Aus Computerisierungs-Perspektive war daran vor allem die Annahme spannend, die gesamte soziale wie auch physische Welt als berechenbar anzusehen – wenn man nur den ausreichend leistungsfähigen Computer dazu hat. Die Forschung an den Quantencomputern stehe noch sehr am Anfang, betonte Hölzer. Aber die Entwicklungen seien rapide. Als Anwendungsgebiete sieht er vor allem Big-Data-Suchen, ausgefeilte Simulationen der Welt, bis hin zu unknackbarer Kryptografie, beispielsweise für Geheimdienste. Es ist spannend, was in den nächsten Jahren hier auf uns und die Gesellschaft zukommen.

Insgesamt besuchten fast 27.000 Besucher die Lange Nacht der Wissenschaften in Berlin. Sie bekamen einen Einblick in die Welt der Wissenschaften, der ihnen all zu häufig verschlossen bleibt und nahmen ein Stück der Begeisterung mit nach Hause, mit der vor allem die jungen Wissenschaftler mit leuchtenden Augen von ihren Projekten erzählten.

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    Science Slam

Autor: Martin Schmitt
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Martin Schmitt, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Zeithistorische Forschung im Studio des RBB.

Wie verändern Technologie-Unternehmen die Bankbranche?

Eine historische Perspektive.

Die Bankenwelt ist in Aufruhr. Neue Akteure wie der Finanzdienstleister Paypal oder FinTech-Startups treten auf die Bühne des Bankwesens. Ganz zu schweigen von Technologieschwergewichten wie Apple und Google, die mit ihren Bezahlsystemen Apple Pay und Google Wallet den Markt für bargeldlose Zahlungsvorgänge zu erobern versuchen, denn Sie sind mit den Smartphones näher, mobiler und jederzeit am Kunden als so manche Bank. Das Bankwesen ist dabei allerdings ein hochreguliertes Feld, der Markteintritt fällt den meisten Unternehmen schwer. Schwerer als in anderen Branchen, wie dem Buchmarkt, auf dem das Internetunternehmen Google mit seinem Vorpreschen der Buchdigitalisierung Fakten schuf und auch schwerer als es Uber oder AirBnb auf ihren jeweiligen Märkten fiel.

Welche Gründe das hat, wie die Entwicklungen in einer historischen Perspektive der Vorgeschichte unserer Gegenwart einzuordnen sind und welche Auswirkungen das auf den Kunden hat, erklärt unser Mitarbeiter Martin Schmitt heute ab 19 Uhr auf BR2 im Szenemagazin „Zündfunk“.

Der Beitrag ist 7 Tage nachhörbar unter: „Über das Ende der Geldbörse“ http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/ueber-das-ende-der-geldboerse-finnischer-film-my-stuff-im-kino-was-macht-eigentlich-der_x-100.html

Foto: Martin Schmitt.

Logo der Bundespost verballhornt als Posthörnchen (statt Posthörnchen)

BTX-Hack am 17.11.1984: Angriff der CCC-Hacker auf die Deutsche Bundespost

Vor 30 Jahren gelang es zwei Hackern des Chaos Computer Clubs (CCC) über das neue Kommunikationsnetz BTX der Hamburger Sparkasse eine empfindliche Geldsumme zu entwenden, um auf die Sicherheitslücken des Systems hinzuweisen. In Vorbereitung des Jahrestages publizierte unsere Projektmitarbeiterin Julia Erdogan einen Artikel zum Hack in der Zeitgeschichtssparte des Online-Leitmediums Spiegel ONLINE.

Jahrestage haben derzeit Konjunktur in Deutschland. Gerade erst wurde in Berlin mit einer Lichtinstallation dem Mauerfall vor 25 Jahren gedacht, schon jährt sich ein weiteres Ereignis jüngster deutscher Zeitgeschichte, das vielleicht nicht für jeden Bürger präsent ist. Am 17.11. jährt sich der BTX-Hack zum dreißigsten Mal. Mit dem BTX-System, das mit einer Kombination aus dem Fernsehgerät und einem Modem bedient wurde, wollte die Deutsche Bundespost Anfang der 1980er-Jahre Datennetzwerke auch endlich in Deutschland der Breite der Bevölkerung zugänglich machen.
Der Hack des Systems offenbarte nicht nur die eklatanten Schwächen der stark zentralisierten Architektur des Netzwerkes BTX. Es brachte mit einem Schlag eine gesellschaftliche Gruppe in das mediale Rampenlicht, die in unserer technisierten Gesellschaft bis heute Bedeutung hat: Der Chaos Computer Club. Er gilt seitdem als eine computertechnische Watchgroup für die Entwicklung und Nutzung digitaler  Technologien und bleibt ein steter Mahner im Strom gedankenlos-euphorischer Computeradaption. Julian Erdogan schildert in ihrem Artikel in präziser Weise den Ablauf des Hacks, seine umstrittene Interpretation und dessen mediale Nachwirkung. Sie kommt zu dem Schluss:

Entscheidend war, dass durch den Hack das Thema Datensicherheit in BTX in der Öffentlichkeit diskutiert wurde. […] Der CCC allerdings, der seit September 1981 als loses Netzwerk existiert hatte, konnte sich nach dem Vorfall zunehmend als Institution etablieren. Hacker des CCC wurden zu gefragten Experten in puncto Datensicherheit.

Julia Erdogan: Der legendäre Klack-klack-Hack. In: Spiegel Online vom 13.11.2014. URL: http://www.spiegel.de/einestages/btx-hack-1984-angriff-der-ccc-hacker-gegen-die-bundespost-a-1002443.html [Abgerufen am 13.11.2014 um 18:39]

 

Bildquelle: Reinhard Schrutzki